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Schutz von natürlichen Ressourcen und Landwirtschaft Indien

Durch agrarökologische Ansätze das Einkommen und die Resilienz von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern steigern

Landkarte Indien

Stand: 08/2022

Indien ist ein Land der Gegensätze. Ein Subkontinent mit 1,4 Mrd. Menschen: Hochhäuser, Hochtechnologie und Computerspezialistinnen und -spezialisten in den Städten, viele Dörfer, Ackerflächen und Bäuerinnen und Bauern auf dem Land. Es gibt eine wachsende Ober- und Mittelschicht. Aber es gelten noch rund 400 Mio. der indischen Bevölkerung als absolut arm.

Die Mehrheit der Bevölkerung Indien und insbesondere der ärmeren Menschen lebt in ländlichen Regionen, aber nicht mehr überwiegend von der Landwirtschaft. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind sehr klein und immer mehr Ackerflächen sind degradiert. Mit Dürren und Überschwemmungen trägt der Klimawandel zu dieser Zerstörung bei.

Mit einem neuen, innovativen Projekt fördert die KfW die Klimaresilienz und eine nachhaltigere Landwirtschaft auf Kleinstbetrieben im Bundesstaat Andhra Pradesh mit einem Darlehen von mehr als 90 Mio. EUR. Dabei werden nicht die Kosten für die Programme erstattet – das Geld fließt erst, wenn Ergebnisse vorliegen.

ProjekttitelAgrarökologie und Klimaresilienz in Andhra Pradesh, Südostindien
AuftraggeberBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land/RegionIndien
ProjektpartnerRythu Sadhikara Samstha (RySS)

Ausgangslage

In Indien wächst die Bevölkerung nicht nur in den Städten, sondern weiterhin auch auf dem Land. Bis zum Jahr 2030 wird die Landbevölkerung nach Prognosen von derzeit 700 auf 900 Mio. Menschen anwachsen. Bereits heute gelten 260 Mio. der Landbewohnerinnen und Landbewohner als absolut arm. Die Erwirtschaftung eines ausreichenden Einkommens durch die Landwirtschaft wird immer schwieriger: 60 % der Ackerflächen und rund 40 % der Waldgebiete gelten als degradiert und sind von Zerstörung bedroht.

Auch in Andhra Pradesh schreitet die Degradation der Böden infolge der Zerstörung von Bodenleben und Humusabbau v.a. durch unsachgemäße Anwendung von Mineraldüngern und synthetischen Pflanzenschutzmitteln voran. Hinzu kommt die fortlaufende Verkleinerung der Betriebe durch Realteilung bzw. den immensen Bevölkerungsdruck. In Andhra Pradesh leben zirka 54 Mio. Menschen. Noch immer ist die wenig einträgliche Landwirtschaft die Haupteinkommensquelle von rund 6 Mio. Bauernfamilien im Bundesstaat.

Seit 2016 engagiert sich die Regierung von Andhra Pradesh (GoAP) für die Ausweitung von Community Managed Natural Farming, einem Ansatz für die nicht chemische Landwirtschaft, der auf Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft basiert. Es handelt sich um die in Indien so bezeichnete „Natürliche Landwirtschaft“, mit Schwerpunkt auf gesunde Böden, Bodenleben und Landschaftserneuerung, Diversifizierung, artenreiche Produktionen sowie Vermeidung synthetischer Pestizide oder Düngemittel. Die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen in den Dörfern gilt als Praxis gemäß den Elementen der Agrarökologie der Food and Agriculture Organization (FAO).

Klimaresistente natürliche Landwirtschaft wird im Jahr 2021 von etwa 500.000 Landwirtinnen und Landwirten in Andhra Pradesh praktiziert. Das Ziel der Regierung ist, dies auf 6 Mio. Landwirte zu erhöhen. Aufgrund des hohen Finanzierungsbedarfs für die Umstellung auf agrarökologische Prinzipien hat die Regierung von Andhra Pradesh Mittel der deutschen Finanziellen Zusammenarbeit aufgenommen.

Indische Kleinbauern tragen Lebensmittelsäcke durch ein Feld
Durch Maßnahmen sollen Kleinbauern- und -bäuerinnen gefördert und natürliche Anbaumethoden zur besseren Anpassung an den Klimawandel gestärkt werden.

Projektansatz

Das Projekt soll dazu beitragen, die landwirtschaftlichen Einkommen von rund 120.000 überwiegend sehr armen Bauernfamilien in Andhra Pradesh zu stabilisieren und langfristig zu steigern. Gleichzeitig wird die Klimaresilienz der Bäuerinnen und Bauern gestärkt und die Fruchtbarkeit der Böden verbessert.

Die KfW Entwicklungsbank hat im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bereits einen Darlehensvertrag über 90 Mio. EUR und einen Zuschuss von 1 Mio. EUR für das Vorhaben abgeschlossen. Das Geld fließt nach dem „ergebnisbasierten Ansatz“ erst nach Erreichen der vereinbarten entwicklungsrelevanten Ergebnisse. Die Darlehensbeträge werden nach unabhängiger Überprüfung der Ergebniserreichung in Tranchen ausgezahlt. Anders als bei klassischen Investitionsvorhaben werden nicht Kosten erstattet, sondern Umstellungsergebnisse honoriert.

Im Bereich Agrarökologie fördert die KfW darüber hinaus das Vorhaben „Indisch-deutsche globale Akademie für Forschung und Lehre für Agrarökologie (IGGAARL)“, welches darauf abzielt, agrarökologische Forschungsergebnisse in Andhra Pradesh und darüber hinaus nach internationalen Standards bereitzustellen, um die ländlichen Lebensbindungen (vor allem Ernährungssicherheit, Einkommen und Gesundheit) zu verbessern sowie die Umweltleistungen zu stabilisieren. Die Bäuerinnen und Bauern werden in die Forschung einbezogen und vermitteln die neuen Methoden weiter (bauernzentrierte Forschung). Die Studien von IGGAARL sollen dazu beitragen, Belege für die Wirksamkeit agrarökologischer Methoden zu finden. Damit soll die Akzeptanz für den naturnahen Anbau steigen, wodurch sich mehr Familien für die innovative, nachhaltige Bewirtschaftung entscheiden und ihren Lebensstandard verbessern werden. Die Auswahl und Zucht resistenter Nutzpflanzenarten tragen dazu bei, die Erträge zu verstetigen und Ausfälle zu reduzieren. Dies dient auch der Anpassung an den Klimawandel.

Wirkungen

Das Programm in Andhra Pradesh basiert auf in Indien entwickelten agrarökologischen Ansätzen, ist auf die jeweilen örtlichen Gegebenheiten zugeschnitten und wird fortlaufend weiterentwickelt. Durch die intensive Einbindung und die enge Kooperation mit den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die die nötigen Inputs selbst herstellen, wird auf eine natürliche Landwirtschaft gesetzt. Die Bäuerinnen und Bauern verwenden natürliche Ressourcen wie Kuhdung, Mulch, Kuhurin und pflanzliche Extrakte. Es handelt sich um eine eher gartenbauliche, handarbeitsintensivere Produktionstechnik, wobei durch das Projekt auch in geringem Maße gartenbauliche Kleinstgeräte finanziert werden.

Durch agrarökologische Produktionstechnik werden die Böden revitalisiert und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten, sowie durch die stärkeren Pflanzenwurzeln auch gegen Zyklone und Dürren erhöht. Zudem verbessert sich die Nährstoffversorgung, wenn die Humusschicht aufgebaut und das Bodenleben aktiviert wird – durch eine Vielzahl von Mikroorganismen wie Regenwürmer, Bakterien, Pilzen, Algen und Einzellern erhöht sich die Bodenfruchtbarkeit. Die für die Transformation erforderliche Wissensvermittlung und Beratung erfolgt durch eine Vielzahl von Beraterinnen und Beratern, die in den Dörfern leben und selbst die neuen Produktionstechniken anwenden.

Da Frauen als Bäuerinnen einen großen Anteil der landwirtschaftlichen Arbeit übernehmen, gehören sie zu einer tragenden Säule des Projektes. Sie helfen aber auch dabei mit, für den Ansatz zu werben und ihn stärker in den Dörfern zu verbreiten.

Viele Frauen sind in Selbsthilfegruppen organisiert, die sich für sozialen Wandel und Gesundheitsfragen einsetzen. Sie sind damit sehr gut vernetzt und tragen ihre Erfahrungen weiter. Diese Gruppen sind zu wichtigen Förderern des Ansatzes im Bundesstaat Andhra Pradesh geworden.

Weil sich der Ansatz als sehr erfolgreich erwiesen hat, will ihn die Regierung von Andhra Pradesh auf den gesamten Bundesstaat ausweiten und erwägt jetzt schon eine zweite Phase der Finanzierung.

Inzwischen findet der Ansatz auch in anderen indischen Bundesstaaten zunehmend Beachtung. Wie erfolgreich er jeweils ist, wird durch eine Begleitforschung evaluiert, die Wirkungen auf Einkommen und Umwelt regelmäßig untersucht und seitens der indischen Zentralregierung kritisch in Bezug auf die nationale Ernährungssicherheit hinterfragt.

Auch die Akademie für Forschung und Lehre im Bereich Agrarökologie in Andhra Pradesh dient einerseits dazu, den Ansatz zu überprüfen, andererseits jedoch auch dafür, die natürlichen Anbaumethoden weiterzuentwickeln. Bisher wurden nur wenig Forschungsmittel für die natürliche und organische Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft bereitgestellt, wodurch der Nachholbedarf in Hinblick auf ein verbessertes Wissen zu Produktionstechnik und Erträge, Beiträge zur Abminderung der Klimawandels und Ökosystemen sowie volkswirtschaftlichen Leistungen und zur Armutsbekämpfung relativ hoch ist.

Zu der Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen leistet das Vorhaben einen Beitrag:

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