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Fruchtbare Böden, bessere Ernten

Indiens arme Bauern stellen Anbau auf Agrarökologie um

Landkarte Indien

Stand: 09/2022
Indien ist ein Land der Gegensätze. In den Städten finden sich Wolkenkratzer, Hochtechnologie und IT-Unternehmen, in den Dörfern leben viele Menschen von der Landwirtschaft. Die Ober- und Mittelschicht wächst, während gleichzeitig noch rund 400 Millionen Inder als absolut arm gelten. Vor allem auf dem Land ist die Not groß. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind oft sehr klein, die Böden häufig degradiert. Dürren und Überschwemmungen tragen zu dieser Zerstörung bei.

Die KfW fördert im Auftrag der Bundesregierung eine nachhaltigere und klimaresiliente Landwirtschaft in Kleinstbetrieben im Bundesstaat Andhra Pradesh. Außerdem unterstützt sie die Gründung des Forschungszentrums „Indo German Global Academy of Agroecology Research and Learning“ (IGGAARL) mit 20 Mio. EUR. Die Forschungsergebnisse sollen helfen, die Lebensbedingungen der Bevölkerung auf dem Land zu verbessern.

ProjekttitelAgrarökologie und Klimawandel
AuftraggeberBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land/RegionIndien
ProjektpartnerRythu Sadhikara Samstha (RySS), Regierung von Andhra Pradesh

Ausgangslage

Die Landbevölkerung Indiens wächst, doch sie lebt oft in Armut. Da viele Böden degradiert sind, wird es immer schwieriger, durch Landwirtschaft ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. Viele der rund sechs Millionen Bauernfamilien im indischen Andhra Pradesh sind verzweifelt, weil sie in einer Schuldenfalle stecken. Sie können sich die Ausgaben für Mineraldünger und Pestizide nicht mehr leisten, gleichzeitig lassen die Erträge der ausgelaugten Böden nach. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels und extremer Wetterereignisse: Es fallen weniger Niederschläge, dafür gibt es häufiger Starkregen und Stürme.

Eine naturnahe, ökologische Bewirtschaftung ist ein Weg, die Humusschicht wieder aufzubauen und das Bodenleben zu regenerieren. Seit 2016 engagiert sich die Regierung von Andhra Pradesh für die Ausweitung von „Community Managed Natural Farming“, einem Ansatz für regenerative Landwirtschaft. Bisher haben etwa 600.000 Bäuerinnen und Bauern diese naturnahen Methoden übernommen. Ziel ist es, insgesamt sechs Millionen Menschen davon zu überzeugen, ihre Anbauflächen umstellen.

Eine Bäuerin pflückt ihre Ernte von einem limetten Baum
Naturnahe Landwirtschaft bringt höhere Erträge.

Projektansatz

Das Projekt soll dazu beitragen, die Einkommen von rund 120.000 überwiegend sehr armen Bauernfamilien in Andhra Pradesh zu stabilisieren und langfristig zu steigern. Gleichzeitig stärkt die veränderte landwirtschaftliche Praxis die Klimaresilienz der Betriebe und macht die Böden fruchtbarer. Die KfW gewährt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Darlehen über 90 Mio. EUR und einen Zuschuss von 1 Mio. EUR. Die Mittel fließen nach dem „ergebnisbasierten Ansatz“ erst nach Erreichen der vereinbarten Ziele.

Vor allem Frauen übernehmen einen großen Anteil der landwirtschaftlichen Arbeit und haben sich in Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Die staatliche Agentur „Farmers‘ Empowerment Organisations“ (Rythu Sadhikara Samstha) berät diese Gruppen, die auch für den naturnahen Ansatz werben, damit andere Dörfer ihn übernehmen. Denn es gibt immer noch Vorbehalte gegen agrarökologische Methoden. Konkret verwenden die Bäuerinnen und Bauern dabei Mischkulturen und natürliche Ressourcen wie Kuhdung, Pflanzenextrakte und Mulch, um die Fruchtbarkeit der Böden wieder zu verbessern. Das Mulchen hält die Feuchtigkeit im Boden zurück. Ziel ist es, den Boden das ganze Jahr über bedeckt zu halten und zu schützen.

Gemeinsam mit einem neuen Forschungszentrum namens IGGAARL, das die KfW ebenfalls finanziert hat, werten die Bäuerinnen und Bauern ihre Erfahrungen mit der veränderten Anbaupraxis aus und entwickeln sie weiter. Das Institut teilt die Ergebnisse zudem mit Landbauschulen, Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen in ganz Indien. Auch können die Forschungsergebnisse in anderen Weltregionen mit ähnlichen klimatischen Bedingungen angewandt werden.

Wirkungen

Das Vorhaben trägt dazu bei, Böden zu revitalisieren und Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen. Diese prägen durch den naturnahen Anbau mehr und stärkere Wurzeln aus; das hilft ihnen, Zyklonen wie auch Dürren zu widerstehen. Ein regenerierter Boden erleichtert den Pflanzen die Versorgung mit Nährstoffen, die Humusschicht wird dicker, das Bodenleben besser. Regenwürmer, Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller nehmen zu und sorgen für mehr Bodenfruchtbarkeit. Zudem hilft die Auswahl und Zucht resistenter Nutzpflanzenarten dabei, die Erträge zu verstetigen und Ausfälle zu reduzieren. Dies dient auch der Anpassung an den Klimawandel.

Inzwischen findet der Ansatz auch in anderen indischen Bundesstaaten zunehmend Beachtung. Eine Begleitforschung evaluiert, wie erfolgreich er ist und untersucht regelmäßig die Wirkungen auf Einkommen und Umwelt. Die Studien von IGGAARL tragen ferner dazu bei, Belege für die Wirksamkeit agrarökologischer Methoden zusammenzutragen, damit sie anderswo Nachahmer finden. Langfristig werden die Forschungsergebnisse aus Indien kleinbäuerlichen Familien in anderen Regionen mit ähnlichen Klimaverhältnissen helfen, ihre Erträge und damit ihr Einkommen zu verbessern.

Zu der Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen leistet das Vorhaben einen Beitrag:

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