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Lernen in „digitalen Klassenzimmern“

Landkarte von Malawi mit der Hauptstadt Lilongwe

Stand: 08/2020

Wie soll man in der Grundschule gut vorankommen, wenn sich 250 Schülerinnen und Schüler ein einziges Klassenzimmer teilen? Wenn es überall an Lehrkräften und Lernmaterialien mangelt? Diesen enormen Herausforderungen in der Grundbildung setzt Malawi das „digitale Klassenzimmer“ entgegen. Im Programm „Unlocking Talent“ werden Grundschulkinder ab der zweiten Klasse in speziellen Lernzentren mit Tablets ausgerüstet, um ihre Fähigkeiten im Rechnen, Schreiben und Lesen gezielt zu verbessern. Das Ziel: mit digitaler Unterstützung Talente erschließen. Außerdem werden Lehrkräfte darin geschult, Computerprogramme in ihrem Unterricht einzusetzen. Zudem eröffnet „Unlocking Talent“ entmutigten jungen Menschen, die sich vorzeitig aus dem Schulsystem verabschiedet hatten, eine zweite Bildungschance.

ProjekttitelUnlocking Talent
AuftraggeberBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land/RegionMalawi
ProjektpartnerMinisterium für Bildung, Wissenschaft und Technologie (MoEST)

Ausgangslage

In Malawi besteht Schulpflicht für alle Kinder. Seit 1994 sind auch die Schulgebühren für die Grundschule abgeschafft. Dennoch hat das Land noch einen langen Weg vor sich, um die Ziele des nationalen Programms „Bildung für alle“ zu erreichen. Dabei hat Bildung – wie in allen Ländern der Welt – auch in Malawi einen erheblichen Einfluss auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Doch die Klassenzimmer sind überbelegt, es fehlt an gut ausgebildeten Lehrkräften, an unterstützenden Lernmaterialien; die gesamte Infrastruktur ist ungenügend. Eine Lehrkraft allein muss sich um 80 bis 250 Schulkinder kümmern. Alles zusammen führt dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler „sitzenbleiben“ und ihre Klasse wiederholen müssen – oder aber den Schulbesuch ganz abbrechen.

Kind schaut auf ein Tablet
Lesen und rechnen lernen am Tablet – das macht Kindern Spaß und motiviert sie.

Projektansatz

Das Vorhaben „Unlocking Talent“ sieht vor, bis 2023 insgesamt 178 Lernzentren im Land aufzubauen. Die Lernzentren erhalten durchschnittlich je 46 Tablets und sind mit einer eigenen Solaranlage ausgerüstet, die sicherstellen soll, dass die Tablets verlässlich Strom haben. Die KfW Entwicklungsbank finanziert das Vorhaben im Rahmen des Programms „Digitales Afrika“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Unlocking Talent“ ist das Nachfolgeprogramm eines erfolgreichen Pilotvorhabens, das unter anderem von Norwegen finanziert worden war. Es hatte die Qualität der Grundbildung in Malawi durch digitale Komponenten verbessert und bereits mehr als 100 digitale Lernzentren aufgebaut.

Unlocking Talent“ wendet sich vorrangig an Schülerinnen und Schüler der 2. Klasse. Parallel zum Unterricht in den Schulklassen können jeweils kleinere Gruppen in den digital ausgerüsteten Lernzentren ihre Fähigkeiten im Rechnen, Schreiben und Lesen verfeinern. Währenddessen geht für die anderen Schülerinnen und Schüler der Unterricht ganz normal weiter.

Zweite Zielgruppe des Vorhabens sind Lehrkräfte, die an das Lernen mit digitalen Mitteln herangeführt werden sollen. Acht „Teacher Training Colleges“ des Landes bilden künftige Lehrerinnen und Lehrer darin aus, im Unterricht mit Tablets und Computerprogrammen umzugehen. Neben den Rechen-, Schreib- und Leseprogrammen, die direkt für den Unterricht vorgesehen sind, können sich die Lehrkräfte hier weitere Lerninhalte anschauen und Anregungen für ihre Schulstunden holen.

Mindestens eine Stunde pro Woche können die Kinder im Lernzentrum verbringen. Angeleitet von der virtuellen Lehrkraft in der App zeichnen sie zum Beispiel Buchstaben auf dem Tablet nach oder lösen „spielerisch“ Rechenaufgaben. Die realen Lehrkräfte sind angehalten, dabei alle Kinder im Blick zu haben: diejenigen, die mit dem Lernen schnell vorankommen, und diejenigen, die weitere Unterstützung brauchen. Gerade für Kinder mit mehr Potenzial erhöht sich mit dem digitalen Klassenzimmer die Chance auf mehr und bessere Bildung – eine Grundvoraussetzung für den späteren Einstieg in Arbeit und Beschäftigung. Und die anderen können zusätzliche Förderung erhalten.

Wirkungen

Dass der Ansatz funktioniert, zeigte die Evaluierung des Vorläuferprojekts. Nicht nur erzielten die Kinder mit Tablet-Erfahrung bessere Lernergebnisse als vergleichbare Schülerinnen und Schüler ohne Tablets. Auch das Abwesenheitsproblem – sprich Schulschwänzen – reduzierte sich erheblich, vor allem während der Unterrichtszeit in den Lernzentren. Sehr wahrscheinlich, dass hierzu auch die anregend gestalteten Lern-Apps beitrugen ebenso wie gut ausgebildete Personen, die technische Probleme lösen konnten. Die Wertschätzung von Lehrkräften, Schulkindern und deren Eltern für das Programm zeigte sich unter anderem auch darin, dass alle Tablets diebstahlsicher verstaut wurden.

Ob „Unlocking Talent“ auch über den Schulhof hinaus Anklang findet, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sehr sich die Gemeinden, in denen die Lernzentren entstehen, mit dem Vorhaben identifizieren. Das ist wichtig, weil auch ältere Jugendliche, die ihre Schulkarriere vorzeitig und voller Frust beendet haben, in diesen Zentren den Wiedereinstieg ins Lernen finden können. Aber auch Erwachsene, die keinerlei Schulbildung erhielten, können von „Unlocking Talent“ profitieren und hier am Abend die Schulbank drücken.

Eine Begleitstudie wird das Nachfolgeprogramm evaluieren. Dazu werden zwei Vergleichsgruppen beobachtet – eine Gruppe mit und eine ohne digitales Klassenzimmer. Dann wird sich zeigen, ob sich die guten Lernerfolge von der Pilotphase wiederholen lassen. Wenn die Ergebnisse wie vorausgesagt ausfallen, lässt sich „Unlocking Talent“ auch auf andere Länder Afrikas übertragen.

Zu der Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen leistet das Vorhaben einen Beitrag:

Kontakt

KfW Bankengruppe
Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank

+49 69 7431-0
www.kfw-entwicklungsbank.de

Gesundheit, Bildung und Soziale Sicherung

Abteilung Digitalisierung, Innovation, und Kommunikation

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