Meldung vom 21.05.2026 / KfW Entwicklungsbank

West-Kalimantan – heilige Wälder und Rituale

Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt findet am 22. Mai statt und soll weltweit das öffentliche Bewusstsein für den Schutz von Ökosystemen, Tier- und Pflanzenarten stärken.

Luftbild eines Waldgebietes mit Bergen, Nebel und Ölpalmen
Luftbild der Projektregion - trotz Schutzstatus findet man in der Region viele, teils auch junge, Ölpalmen.

Eine Reise in den Adatwald von Sanggau (West-Kalimantan auf Borneo) bietet ein authentisches, unberührtes Natur- und Kulturerlebnis abseits ausgetretener Pfade. Für die Anreise sind ab Jakarta locker zwei Tage einzuplanen…Vor Ort kann man mit lokalen Führern durch den Regenwald wandern, traditionelle Heilkunde kennenlernen und die enge Verbundenheit der indigenen Bevölkerung mit der Natur erleben.

Der Begriff „Adatwald“ bezeichnet die traditionellen Wälder, die von indigenen Dayak-Gemeinschaften bewirtschaftet werden. Die geschützten Wälder unterliegen strengen lokalen Bräuchen und Vorschriften, wodurch eine reiche Artenvielfalt, Heilpflanzen und traditionelle Landnutzungssysteme erhalten bleiben. Die Einheimischen schützen die von Legenden umwobenen heiligen Wälder, das Betreten erfordert oft traditionelle Rituale.

Auf Borneo leben 3 Millionen indigene Dayak, bestehend aus 200 ethnischen Untergruppen. Einige Stämme leben bis heute als Jäger und Sammler zurückgezogen im Primärdschungel im Innern der Insel.

Borneo – vielfältige Ökosysteme

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt. dort liegen einige der wertvollsten noch erhaltenen tropischen Urwälder der Erde. Borneos unglaublich vielfältige Ökosysteme beherbergen über 15.000 Pflanzenarten und 222 Säugetierarten sowie 420 Vogelarten. Besucher können Orang-Utans, Tiger und Elefanten beobachteten und nachts: Millionen von Glühwürmchen.

Aber die Wälder auf Borneo sind bedroht. Durch den Verlust der Kohlenstoffspeicher sowie durch Brandrodung steigt der Ausstoß an Treibhausgasen. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen die Erdölförderung sowie die Kopra-, Gummi-, Holz- und Palmölindustrie. Wie in vielen anderen indonesischen Provinzen ist die Rodung der Wälder zur Errichtung von Ölpalmplantagen ein ökologisches und menschenrechtliches Problem.

KfW unterstützt soziale Forstwirtschaft

Hier unterstützt die KfW im Auftrag der Bundesregierung indonesische Forstbehörden und Gemeinden dabei, ausgewählte Waldgebiete sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu bewirtschaften. Die Gemeinden erhalten 30 Jahre lang Landbesitz und Ressourcenrechte – eine wichtige Voraussetzung für die Bildung von Verantwortungsbewusstsein für die Waldbewirtschaftung und zum Schutz vor illegaler Abholzung. Im Unterschied zu anderen Programmen basiert dieses Modell nicht auf einer staatlichen Lizenz, sondern auf der Anerkennung traditioneller Landrechte. Die Nutzung ist jedoch an klare Auflagen gebunden: Der Wald muss nachhaltig bewirtschaftet werden. Er darf beispielsweise nicht in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden. Die Gemeinschaften sind verpflichtet, die ökologischen Funktionen des Waldes zu erhalten, etwa seine Rolle für den Wasserhaushalt, die Biodiversität und das ökologische Gleichgewicht.

Der Naturschutz hat im indonesischen Recht einen hohen Stellenwert. Wenn ein Gebiet eine besonders hohe Biodiversität aufweist – etwa Lebensräume für Tiger oder seltene Baumarten – wird es als Schutzgebiet ausgewiesen, beispielsweise als Wildreservat, Nationalpark oder Naturschutzgebiet. Diese Wälder werden direkt von der Zentralregierung verwaltet und dürfen nicht in andere Nutzungsformen umgewandelt werden. Gleichzeitig mangelt es den Parkverwaltungen an Personal und Ausstattung, den Schutz vor Wilderern und illegaler Abholzung zu gewährleisten.

„Tembawang“-System in Sanggau

Indonesien verfügt offiziell über rund 120 Millionen Hektar Wald, wobei einige Schätzungen davon ausgehen, dass tatsächlich nur noch etwa 90 Millionen Hektar existieren.

Auch Sanggau in West-Kalimantan ist stark von Entwaldung betroffen. Gerade indigene Gemeinschaften stehen unter Druck. So bieten Palmölunternehmen den Bauern beispielsweise bis zu 20 – 30 % der Profite, wenn sie ihre Landflächen für Plantagen zur Verfügung stellen.

Die zentrale Frage bleibt: Wie lässt sich der Wald schützen und gleichzeitig ein wirtschaftliches Einkommen für die Familien erzielen? Die Gemeinschaften fühlen sich häufig weiterhin mit den Ahnengeistern verbunden. Traditionelle Rituale werden beim Aussäen der Reispflanzen und bei der Feldpflege durchgeführt, um den Segen der Ahnen zu erhalten und die Verbindung zu Natur und Kultur zu bewahren. Das traditionelle "Tembawang"-System umfasst die Bewirtschaftung durch die lokale Bevölkerung und birgt ein Potenzial für Ökotourismus.

Büro des Sozialforst-Projekts Sanggau

Im Rahmen des Projekts werden 17 Sozialforst-Gruppen in Sanggau koordiniert. Die Hauptaufgaben liegen in der Sicherung des Lebensunterhalts der Bevölkerung sowie dem Schutz des Waldes. Das Projektbüro koordiniert die Bereitstellung von Ausrüstung je nach Bedarf und organisiert die Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Waldpatrouillen. Dafür stehen 17 Vollzeit-Fazilitatoren zur Verfügung, die regelmäßig mit den Dorfgemeinschaften und der lokalen Verwaltung in Kontakt stehen.