Windpark Golf von Suez
Ägypten: Klimaschutz durch Windenergie aus der Wüste
Das ägyptische Hurghada ist in erster Linie als Urlaubsdestination bekannt. Vor allem bei Wind- und Kitesurfenden ist die Stadt am Roten Meer beliebt. Der Wind gilt als sehr verlässlich in der Region – das schafft optimale Bedingungen für den Sport. Die hohen Windgeschwindigkeiten von bis zu zehn Metern pro Sekunde machen die Wüste nördlich von Hurghada aber auch zu einem perfekten Standort für Windkraftwerke. Ende März 2024 hat Ägyptens Energieminister nur 20 Kilometer von der Küste entfernt den Windpark „Golf von Suez“ eingeweiht.
An den Feierlichkeiten in der ägyptischen Wüste haben auch der deutsche Botschafter und Vertreter europäischer Institutionen teilgenommen. Der Grund: Unter der Federführung der KfW war es ein europäisches Konsortium, das die Finanzierung des Windparks übernommen hat. Insgesamt fast 220 Millionen Euro an Zuschüssen und Krediten haben die KfW im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Europäische Union, die European Investment Bank (EIB) und die französische Agence Française de Développement (AFD) zur Verfügung gestellt.
Das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den europäischen Finanziers und der ägyptischen Behörde für Erneuerbare Energien (NREA) konnten die Partner bei der Einweihungsfeier begutachten: 70 Windkraftanlagen erheben sich aus dem Wüstensand. Jede Einzelne hat eine Leistung von 3,6 Megawatt. Mit einer Gesamtleistung von 252 Megawatt erzeugen sie erwartete 1.200 Gigawattstunden grünen Strom pro Jahr. Rund 400.000 ägyptische Haushalte können damit versorgt werden. Gleichzeitig werden durch die Anlage rund 500.000 Tonnen an CO2-Emmissionen jährlich eingespart – ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz.
Dass die KfW die Finanzierung des Windparks Golf von Suez koordiniert hat, ist kein Zufall. Die deutsche Förderbank ist im Auftrag des BMZ seit Jahren in dem nordafrikanischen Land aktiv und hat bereits zahlreiche Projekte finanziert, unter anderem aus den Bereichen Wasserversorgung, Energieerzeugung, Bildung und Abfallentsorgung. Aufgrund ihrer Erfahrung und des Vertrauens, das die Bank in Ägypten genießt, fiel die Rolle der Finanzierungskoordination des neuen Windparks an sie.
Für den Windpark Golf von Suez stellt die KfW im Auftrag des BMZ knapp 60 Millionen Euro an Krediten zur Verfügung. Insgesamt umfasst das aktive Energiesektorportfolio der KfW in Ägypten ein Volumen von 390 Millionen Euro. Davon entfallen 315 Millionen Euro auf die Förderung von Projekten aus dem Bereich erneuerbare Energien, 75 Millionen Euro fließen in die Verbesserung der Energieeffizienz.
Mit ihrem Engagement unterstützt die KfW aktiv den Plan der ägyptischen Regierung, den Anteil erneuerbarer Energien im Strommix bis 2030 auf 42 % auszubauen. Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Aktuell gewinnt das Land mehr als vier Fünftel seiner Elektrizität aus fossilen Energieträgern, in erster Linie aus Gas. Dass Gas in Ägypten eine so große Rolle spielt, geht nicht zuletzt auf die Energiekrise des Landes vor rund zehn Jahren zurück. Haushalte und Industrie waren 2013 und 2014 fast täglich von Stromausfällen betroffen. Um das Problem zu lösen, intensivierte Ägypten damals die Gasförderung und ließ neue Gaskraftwerke im Land bauen.
Der Strombedarf ist nach Rückgängen während der Covid-19-Pandemie wieder angestiegen und wird auch in den kommenden Jahren voraussichtlich um 6 % per annum wachsen. Dafür sprechen die zunehmende Industrialisierung und das anhaltende Bevölkerungswachstum Ägyptens.
Die Entwicklung belastet auch den Staatshaushalt des Landes. So subventioniert die ägyptische Regierung die Stromtarife und muss aufgrund der wachsenden Nachfrage höhere Ausgaben tätigen. Da viele der mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke alt und ineffizient sind, ist der Ausbau der Erneuerbaren auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine lohnenswerte Strategie.
Projekte wie die Errichtung des neuen Windparks sind nicht nur wichtig für den Klimaschutz und die Entwicklungsperspektive des Landes. Sie bieten auch Chancen für die oftmals strukturschwachen Regionen, in denen die Kraftwerke entstehen. Beim Windpark Golf von Suez profitieren die Menschen vor Ort durch neue Arbeitsplätze, die bei der Betreibergesellschaft entstanden sind. Zudem haben die Projektpartner bei der Errichtung der Anlage stark auf die lokale Bevölkerung gesetzt: Bis zu 70 % der Arbeiterinnen und Arbeiter kamen aus der nahegelegenen Kommune Ras Ghareb. Schließlich können sich die angrenzenden Werkstätten über zusätzliche Aufträge freuen, die ihnen Bau und Betrieb des Windparks bescheren.
Der Vogelschutz nimmt beim Windpark Golf von Suez einen besonders hohen Stellenwert ein. Grund sind große Schwärme von etwa 40 Zugvogelarten, die zwischen August und November sowie von Februar bis Mai an der Küste des Roten Meeres unterwegs sind. Um zu verhindern, dass die Tiere mit den Windturbinen kollidieren, halten Vogelbeobachter in dieser Zeit mit Ferngläsern und Teleskopen Ausschau nach den Vögeln. Nähert sich ein Schwarm, geben sie Anweisung, die Turbinen auszuschalten. Auf diese Weise stellen die Projektpartner sicher, dass der Klimaschutz nicht zulasten der Biodiversität geht.
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