Solarenergie Indien

Besseres Klima durch deutsch-indische Solarpartnerschaft

Die von der KfW finanzierten Solarprojekte sparen nicht nur CO2-Emissionen ein. Sie verbessern auch die Chancen vieler Menschen vor Ort.

Männer arbeiten an Solar Powered Mini Grids
Dezentrale Solaranlagen – sog. Solar Powered Mini Grids – leisten einen Schub für die wirtschaftliche Entwicklung der Menschen vor allem in abgelegenen Regionen Indiens.

Gumla ist ein kleiner, landwirtschaftlich geprägter Distrikt im Nordosten Indiens. Viele Menschen leben hier so, als würde es das moderne, wirtschaftlich dynamische Indien gar nicht geben. Sie stehen bei Sonnenaufgang auf und gehen mit den letzten Sonnenstrahlen ins Bett. Denn einfach das Licht einschalten, das können sie nicht – sie haben keine zuverlässige Strom­versorgung.

Außergewöhnlich ist ihre Lage nicht: Millionen von Inderinnen und Indern in ländlichen Regionen haben keinen oder nur sehr unzuverlässigen Zugang zu Elektrizität. Ändern können das dezentrale Solar­anlagen. In Gumla werden sie mancherorts schon eingesetzt – auch dank der deutsch-indischen Solar­partnerschaft.

Solarstrom für fünf Millionen Menschen

Das Abkommen dazu unterzeichneten Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des indischen Ministry of New and Renewable Energy (MNRE) im Jahr 2015. Seitdem hat die KfW in diesem Rahmen Projekte in einem Gesamt­volumen von rund einer Milliarde Euro in Indien finanziert. Die Mittel flossen in drei Sektoren: in den Bau großer Solar­parks, in die Installation von Solaranlagen auf Dachflächen von Wohn­häusern und Fabriken sowie in die Entwicklung dezentraler Lösungen wie die von Gumla.

Die deutsch-indische Solar­partnerschaft hat zur Realisierung von 30 Solar­projekten in acht indischen Bundes­staaten beigetragen. Insgesamt haben ihre Anlagen eine Leistung von vier Gigawatt und versorgen fünf Millionen Menschen mit grünem Strom. Sie sparen auf diese Weise jährlich über sechs Millionen Tonnen an CO2-Emissionen ein. Zum Vergleich: Eine Stadt wie Frankfurt am Main emittiert jährlich 8,5 Mio. Tonnen CO2.

Damit ist die Solar­partnerschaft für die indische Regierung ein Baustein, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Das Land hat sich verpflichtet, bis 2070 klimaneutral zu werden und bis 2030 die Hälfte seiner installierten Stromerzeugungs­kapazität aus nicht-fossilen Energie­trägern zu stellen – letzteres konnte bereits 2025 erreicht werden. Gleichzeitig ist der Anteil der Kohle an der tatsächlichen Strom­erzeugung im ersten Halbjahr 2025 auf 68 % gesunken, nachdem er im Vorjahr noch bei 72 % lag. Das ist ein ermutigendes Zeichen, zumal die gesamte Strom­erzeugung in diesem Zeitraum um 1 % gestiegen ist. Um dem Ziel der Klimaneutralität näher zu kommen, muss der Ausbau der Erneuerbaren noch deutlich beschleunigt werden. Inzwischen werden immer mehr Solar- und Windprojekte in Kombination mit großen Batterie­speichern ausgeschrieben, von denen einige bereits realisiert wurden. Die Stromerzeugungs­kosten solcher kombinierten Kraftwerke sind zuletzt auf Werte gesunken, die unter denen neuer Kohlekraft­werke liegen. Dies könnte die Energie­wende in Indien erheblich vorantreiben – ein Fortschritt, der vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar war.

KfW – ein vertrauensvoller Partner in Indien

Dass die indische Regierung bei der Umsetzung ihrer Pläne auch auf die KfW setzt, ist kein Zufall. Die KfW engagiert sich bereits seit langem für Solarprojekte auf dem Subkontinent. Schon 2011 finanzierte sie im Auftrag des BMZ den Sakri Solarpark mit einer Leistung von 125 MWp – die damals größte Anlage im Land. Sie versorgt seitdem 220.000 Haushalte mit grünem Strom und spart jährlich mehr als 150.000 Tonnen CO2 ein.

Ingenieure im Solarpark Sakri überprüfen die Solarpaneele
Ingenieure im Solarpark Sakri überprüfen die Solarpaneele.

Auch heute noch fließt ein signifikanter Teil der KfW-Mittel in den Aufbau von Solarparks. Die Investitionen in indische Solar­anlagen zahlen sich aus: Auf dem Subkontinent scheint die Sonne intensiver und verlässlicher als in Deutschland. Daneben hat sich eine Industrie etabliert, die sehr niedrige Anlagen­kosten erzielen kann. Der durch Photo­voltaik erzeugte Strom in Indien kostet deshalb nur halb so viel wie in Mitteleuropa. Das macht die Solarpartner­schaft auch für Deutschland und die Welt sinnvoll. Denn für den Klimaschutz ist es egal, an welchem Ort Emissionen reduziert werden – Hauptsache, sie sinken.

Im Rahmen der Solarpartner­schaft stellt die KfW der State Bank of India einen Kredit von 70 Mio. Euro zur Refinanzierung des Gadag-Koppal RTC-Parks in Karnataka bereit. Das von ReNew Surya Ojas Private Limited umgesetzte Projekt kombiniert Wind- und Solarkraft mit einem Batterie­speichersystem, das über eine Kapazität von 150MWh verfügt. So wird eine zuverlässige Energie­versorgung „rund um die Uhr“ gewährleistet – auch bei wenig Sonne oder Wind. Der Park gehört damit zu den ersten Batterie­speicheranlagen dieser Größenordnung in Indien. Das Projekt veranschaulicht auch das Potenzial der deutsch-indischen Partnerschaft, die Exporte deutscher und europäischer Zulieferer zu fördern. Die Batterie­komponenten werden von Fluence geliefert, das von Siemens mitbegründet wurde und somit ein Unternehmen mit deutscher Beteiligung ist.

Wirtschaftliche Entwicklung stärken

Mit 20 Mio. Euro machen die Investitionen in dezentrale Solaranlagen den geringsten Anteil an den KfW-Darlehen unter der Solar­partnerschaft aus. Für die Menschen vor Ort bedeuten die Projekte dennoch einen großen Unterschied. Denn sind die „Solar Powered Mini Grids“ erst einmal installiert, werten sie die kommunale Infrastruktur auf und fördern die wirtschaftliche Entwicklung in den Gemeinden.

Mit Mini Grids können Kleinbauern und Kleinbäuerinnen ihre Felder bewässern
Mit dem Strom aus den Mini Grids können Kleinbauern und Kleinbäuerinnen ihre Felder bewässern.

Das hat auch der Einsatz der Mini Grids im Distrikt Gumla gezeigt: Viele Landwirtschaften nutzen den Strom hier, um damit Bewässerungs­pumpen auf ihren Feldern zu betreiben, und steigern so die Erträge. In der Getreide­verarbeitung konnte der Einsatz von Maschinen – etwa von Schäl­maschinen, Senfpressen oder Getreide­mühlen – bisher manuelle Tätigkeiten beschleunigen. Einige Dorf­bewohnerinnen und -bewohner haben sich auch neue Geschäfts­felder erschlossen, etwa durch die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Mehr Chancengerechtigkeit durch Sonnenstrom

Entwickelt hat die Systeme die gemeinnützige indische Organisation Mlinda Charitable Trust. Für Mlinda ist es von großer Bedeutung, dass Frauen durch die Elektrifizierungs­projekte mindestens zu gleichen Teilen profitieren wie Männer. So trägt die indisch-deutsche Solarpartner­schaft nicht nur zu einem besseren Klimaschutz bei, sondern auch zu mehr Chancen­gerechtigkeit für Frauen.

Erfahren Sie mehr zur Organisation Mlinda Charitable Trust

Erfahren Sie mehr über das Engagement der KfW zu SDG 7