Schulspeisung in Togo
Wenn ein Schulessen Leben verändert
In wohlhabenden Ländern entscheidet eine warme Mahlzeit zuweilen nur über den Gemütszustand. Im westafrikanischen Togo entscheidet eine warme Mahlzeit oft über den nächsten Schultag. Sie stillt nicht nur Hunger, sondern macht Lernen möglich. Für viele Kinder in dem kleinen, schmalen Land zwischen Ghana und Benin ist das Mittagessen in der Schule die einzige nahrhafte Mahlzeit des Tages. Eine Mahlzeit, die für Konzentration, Gesundheit und Entwicklungschancen steht.
Togo zählt trotz Fortschritten beim Wirtschaftswachstum, Investitionsklima und Bildungszugang zu den ärmsten Ländern der Welt. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt von unter 2,15 US-Dollar pro Tag. Von diesen 25 Prozent sind wiederum rund 20 Prozent chronisch unterernährt. In den ländlichen Regionen des Nordens sind viele Familien auf kleinräumige Landwirtschaft angewiesen, die typischerweise vom Regen abhängig ist. Ein Risiko in Zeiten zunehmender Dürren durch Klimawandel. Fehlendes Trinkwasser aufgrund mangelnder Infrastruktur und Grundwasserverschmutzung durch Abwasser und Pestizide, gepaart mit schlechter Sanitärversorgung und schwachen Gesundheitsstrukturen verschlimmern die Lage. Hinzu kommen Fluchtbewegungen vor allem im Norden Togos durch Geflüchtete aus Burkina Faso, aber auch Binnenflüchtlinge. Eine Überlastung der Versorgungssysteme der aufnehmenden Gemeinden ist die Folge. Das zeigt sich besonders bei Kindern. Jedes fünfte Kind unter fünf Jahren leidet an Wachstumsstörungen, viele besuchen die Schule unregelmäßig oder verlassen sie frühzeitig.
Gleichzeitig wächst in Togo wie in vielen Teilen Westafrikas die Chance auf einen Wandel durch eine überdurchschnittlich junge Bevölkerung heran; mehr als 60 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Bildung ist der entscheidende Schlüssel, um Armut zu überwinden. Doch wer hungrig ist, kann nicht lernen. Hier setzt ein integratives Schulspeisungsprogramm der togoischen Regierung an, welches von der KfW im Auftrag und mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert und vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) umgesetzt wird. Es verbindet Schulspeisung mit Ernährungsbildung und lokaler Wertschöpfung.
In 141 öffentlichen Grundschulen erhalten künftig knapp 45.000 Kinder, davon über die Hälfte Mädchen, täglich frisch zubereitete, gesunde Mahlzeiten. Dafür entstehen Schulküchen, Schulgärten und kleine Getreidemühlen in der Nähe der Schulen. Die Zutaten stammen größtenteils von lokalen landwirtschaftlichen Produzenten und Frauenkooperativen. So werden kurze Lieferketten geschaffen und die kleinbäuerliche Produktion vor Ort gestärkt. Ein strukturbildender Kreislauf, der Dorfökonomien belebt, Einkommen garantiert und Ernährungssicherheit schafft sowie Frauen und Mädchen gezielt fördert. Denn das Vorhaben wirkt der bestehenden Benachteiligung von Frauen und Mädchen entgegen, indem es Mütter finanziell und hinsichtlich ihrer Arbeitszeit entlastet, einkommensschaffende Aktivitäten von Frauenkooperativen unterstützt und den überproportionalen Schulbesuch von Mädchen ermöglicht.
Die Wirkung dieser Initiative ist weitreichend. Mit regelmäßigen Mahlzeiten steigen Schulbesuch und Lernerfolg. Der Schulbesuch ist besonders bei Mädchen wichtig, da diese in Krisenzeiten oft als Erste zu Hause bleiben müssen.
Gleichzeitig vermittelt das Programm den Lehrkräften, Eltern und Produzentengruppen wichtiges Wissen über gesunde Ernährung und Hygiene. In Zusammenarbeit mit lokalen Gesundheitszentren werden auch Entwurmungskuren angeboten, um Mangelernährung vorzubeugen.
Die Erwartungen an das Programm sind klar: weniger Hunger und Unterernährung, höhere Schulbesuchsquoten, mehr Einkommen für lokale Produzentinnen und Produzenten und eine stärkere Krisenresilienz der Gemeinden. Voraussichtlich werden rund 61.000 Menschen direkt und mehr als 78.000 indirekt durch das Vorhaben profitieren. Für viele Gemeinden hat das Programm durch die Festigung dörflicher Infrastrukturen über die reine Schulspeisung hinaus einen weiteren sichtbaren Effekt.
Auch auf regionaler Ebene ist das Vorhaben ein Signal. In Westafrika, wo der Klimawandel nicht nur die landwirtschaftlichen Erträge schrumpfen lässt, sondern in der Folge auch Fluchtbewegungen erzeugt, gewinnen integrierte Ansätze wie dieser an Bedeutung. Sie zeigen, dass Ernährungssicherheit, Bildung und lokale Entwicklung zusammengehören. Eine gesicherte Mahlzeit in der Schule wirkt wie ein Anker – sie hält Kinder im Unterricht, schützt Gesundheit und eröffnet Perspektiven, wo zuvor keine waren.
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