Klima-smarte Landwirtschaft
Verbesserung der Ernährungssicherheit durch einzigartige Verzahnung von Wissenschaft und Finanzierung
Die Weltbevölkerung wächst kontinuierlich an und mit ihr der Druck auf die Nahrungsmittelproduktion. Um bis 2050 geschätzte 9,7 Milliarden Menschen weltweit ernähren zu können, muss diese intensiviert werden; das wiederum erhöht den Druck auf Ökosysteme und biologische Vielfalt, während die Landwirtschaft selbst zunehmend von Dürren, Überschwemmungen und anderen Folgen des Klimawandels bedroht ist. Schon jetzt werden dadurch jährlich Ernten im Wert von 123 Mrd. US-Dollar zerstört – rund fünf Prozent des globalen Agrar-Bruttoinlandsprodukts. Hinzu kommen massive Nachernte-Verluste in Höhe von 400 Mrd. US-Dollar. Summa summarum geht jedes Jahr eine halbe Billion US-Dollar an landwirtschaftlichem Wert verloren. Eine umfassende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme ist daher dringend geboten – mit Förderansätzen für klimaresiliente, emissionsarme und ressourcenschonende Produktionstechniken sowie eine Verringerung von Nahrungsmittelverlusten. Genau hier setzt der Climate Smart Agriculture and Food Systems Fund (CSA Fund) an.
Über den CSA Fund erhalten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bedarfsgerechte Finanzierungen, um in emissionsarme, nachhaltige, smarte und skalierbare Produktionstechniken investieren zu können. Im Fokus stehen vor allem Investitionen, die den Verlust an Lebensmitteln reduzieren, z. B. verbesserte Lager- und Transportmöglichkeiten. Die KfW tritt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Ankerinvestorin auf und stellt 12 Mio. Euro für den Fonds bereit. Ziel des Investments ist es, durch die Übernahme von Ausfallrisiken private Investoren zu Investitionen in den Fonds zu bewegen. Verwaltet wird dieser von der erfahrenen Impact Investment Gesellschaft responsAbility. Inzwischen haben sich Institutionen wie die niederländische Förderbank FMO, der Impact Fund Denmark (ehemals IFU) sowie weitere Impact-Investoren angeschlossen und investieren ebenfalls in den Fonds. Auf diese Art und Weise können öffentliche Mittel gezielt dazu beitragen, zusätzliches privates Kapital zu mobilisieren.
Aktuell hat der Fonds die zugesagten Mittel in Höhe von rund 106 Mio. US-Dollar voll ausgezahlt. Die Kredite gehen an KMU entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette: von Saatgutproduzenten über landwirtschaftliche Betriebe und Verarbeitungsunternehmen bis zu Vermarktern. In Indien beispielsweise sorgen Investitionen in kleine solarbetriebene Kühlhäuser direkt auf den Feldern für weniger Nachernteverluste im Obst- und Gemüseanbau. In Uganda kann ein Hersteller von Bio-Produkten mit Hilfe des Fonds seine kleinbäuerlichen Rohstofflieferanten bei der Umstellung von konventioneller auf zertifizierte Anbauweise unterstützen und in klimafreundlichen Praktiken schulen. Und in Kolumbien wird bei der Vermarktung von Premium-Kaffee über nachhaltige Praktiken entlang der gesamten Lieferkette ein Mehrwert und damit höheres Einkommen für die Kaffeebauern geschaffen. So entstehen widerstandsfähigere Unternehmen, die mit weniger Ressourcen auskommen und zugleich mehr produzieren.
Kapital ist dabei nur ein Teil der Lösung. Ergänzend bringt das internationale Agrarforschungsnetzwerk CGIAR als strategischer Partner des Fonds wissenschaftliches Know-how, regionale Expertise und ein umfangreiches Expertennetzwerk ein. Eine bislang einmalige Verzahnung von Wissenschaft und Finanzierung, um den Herausforderungen des Klimawandels im Ernährungssystem mit einem ganzheitlichen Ansatz zu begegnen. Die von der KfW ko-finanzierte Einrichtung für technische Unterstützung in Höhe von 2 Mio. Euro stellt sicher, dass die Unternehmen nicht nur Geld, sondern auch notwendiges Wissen erhalten. Auf Basis der KfW-Zusage haben weitere Geber rund 6 Mio. Euro für die technische Unterstützung zur Verfügung gestellt.
Spezialisierte Beraterinnen und Berater helfen beispielsweise beim Aufbau betriebswirtschaftlicher Strukturen. Eine kontinuierliche Begleitung während der Investitionsphase gewährleistet die Umsetzung, und CGIAR-Expertinnen und -Experten vermitteln praxisnahe technische Lösungen. Die geförderten Unternehmen werden so zu Leuchttürmen, an denen sich andere orientieren können. Die umfassende Erfahrung der KfW beim Aufbau und der Steuerung von Impact Investment Fonds mit Fokus auf Agrar- und Klimafinanzierung ist auch hier von großem Vorteil. Denn der CSA Fund knüpft genau daran an und ergänzt das bestehende Portfolio regionaler Fonds, ist jedoch global ausgerichtet und verbindet die Schwerpunkte Nahrungsmittelproduktion, Klimaresilienz und Treibhausgas-Reduktion auf innovative Art und Weise.
Die Investitionen tragen zugleich zu internationalen Entwicklungs- und Klimazielen bei: Sie helfen, die extreme Armut zu reduzieren, und sorgen für mehr Ernährungssicherheit, nachhaltige Produktionsweisen und wirksamen Klimaschutz. Studien zeigen, dass eine umfassende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme einen erheblichen Beitrag zu den bis zum Jahr 2050 notwendigen Emissionsminderungen leisten kann. Ohne einen solchen Wandel würde der Sektor die globale Erwärmung weiter deutlich vorantreiben. Genau darauf zahlt der CSA Fund ein und ermöglicht widerstandsfähigere Unternehmen, stabilere Wertschöpfungsketten und Felder, die auch unter schwierigen Bedingungen verlässliche Ernten liefern.
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