Klimaresilienz Ostafrika
Wenn das Klima zur Klassenfrage wird
Es gibt Orte, an denen das Thermometer längst die Zukunft anzeigt. 40 bis 50 Grad im Schatten, trockene Böden, ausgedorrte Flüsse und Kinder, die zu Hause bleiben müssen, weil ihre Schulen zu heiß geworden sind. In Ostafrika ist die Klimakrise vom abstrakten Szenario zum Alltag geworden; sie zerstört Schulen, Felder und Zukunftspläne. Der Klimawandel stellt alle Menschen in der Region vor enorme Herausforderungen und trifft jene am härtesten, die am wenigsten dafür können: die Kinder.
Der Klimawandel verschärft in der Region bestehende Wunden: Armut, Hunger, Konflikte. Er legt Bildungseinrichtungen lahm, zerstört Ernten, zwingt Familien zur Flucht. Millionen Kinder leben ohne sauberes Wasser, ohne regelmäßigen Unterricht, ohne Gesundheits- und Sozialdienste. Wer nicht mehr zur Schule geht, verliert weit mehr als nur Lernstoff, und vor allem Mädchen können dadurch schnell ins gesellschaftliche Abseits geraten, da Eltern sie in schwierigen Zeiten oft nicht mehr zum Unterricht schicken. Trotz dieser Lage fließt der größte Teil der weltweiten Klimaschutzfinanzierung in technische oder wirtschaftliche Großprojekte, selten in Programme, die Kinder direkt schützen. Genau hier setzt die Initiative von UNICEF und KfW Entwicklungsbank an. Unter dem Titel „Climate Collaboration for Children“ – kurz CC4C – sollen gezielte Maßnahmen in vier besonders betroffenen Ländern der Region helfen, die Resilienz von Kindern gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken.
Acht Projektideen zur kindgerechten Klimaanpassung in Äthiopien, Kenia, Somalia und dem Südsudan werden als zentrales Ergebnis des Programms entwickelt. Die Idee dahinter: Bildung, Infrastruktur, Wasser- und Gesundheitsversorgung so zu gestalten, dass sie auch in einer heißeren, unberechenbareren Welt Bestand haben. Die einzelnen Projekte werden abgestimmt auf die jeweiligen Bedingungen vor Ort und gemeinsam mit Regierungen, Gemeinden und lokalen Partnern realisiert. Sobald die Finanzierung steht, ist der Plan, in Äthiopien klimaresiliente Schulen und Gesundheitsstationen für vertriebene Kinder zu errichten, kombiniert mit klimaintelligenter Landwirtschaft, um die Ernährung zu sichern. In Kenia sollen soziale Dienste und Frühwarnsysteme gestärkt werden, die wichtig für das Land sind, in dem Klimamigration zur Realität geworden ist. In Somalia sind anpassungsfähige Sozialschutzsysteme in Vorbereitung sowie Ernährungssicherung in Küstengebieten und Notfallkonzepte für Schulen, die bei Überschwemmungen einspringen können.
Im Südsudan sollen Schulen entstehen, die der Hitze trotzen und Kindern einen kontinuierlichen Raum zum Lernen bieten. Dabei wird das Projekt bauliche, technologische und betriebliche Maßnahmen kombinieren: Reflektierende Dächer, Belüftung und Schattenflächen senken die Temperaturen, Solaranlagen erzeugen Energie für Strom und Wasser, sogenannte WASH-Systeme (Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene) nutzen das Regenwasser und sorgen für saubere Sanitäranlagen. Schulungen für Lehrkräfte und Gemeinden, mobile Klassenzimmer, digitale Lernangebote sowie Gesundheits- und Ernährungsdienste vor Ort stabilisieren Kapazitäten und Services. Geplant sind auch Klima-AGs für Schülerinnen und Schüler, Baumpflanzungen, Beteiligung von Eltern- und Schulkomitees an Betrieb und Wartung; all dies verankert Bildung und Lernen im sozialen Umfeld.
Neu wird dabei auch ein Echtzeit-Monitoring sein: Sensoren messen künftig, wie sich in den Klassenzimmern die Temperatur verändert, und Abwesenheiten werden in einem Fehlzeitenprotokoll festgehalten. So lässt sich prüfen, ob die Maßnahmen wirken. Auch die Gemeinden und Unternehmen vor Ort profitieren – beispielsweise über Wassergebühren, den Verkauf von überschüssigem Solarstrom, die Zusammenarbeit mit örtlichen Bauunternehmen oder die Verwendung lokaler Materialien.
CC4C versteht sich als Labor für neue Formen der Kooperation. Die Initiative will zeigen, dass sich Entwicklungs-, Klima- und Sozialpolitik nicht länger trennen lassen. Sie sucht nach Wegen, um öffentliche Gelder und privates Kapital zu verbinden. Auf dem Africa Climate Summit 2025 wurde CC4C bereits als Modell für kinderzentrierte Klimaanpassung vorgestellt. Langfristig geht es um mehr als Pilotprojekte. KfW und UNICEF wollen eine Struktur schaffen, die übertragbar ist als eine Klimaanpassungsarchitektur für Kinder weltweit. Wenn die Finanzierung steht, könnten die Programme rasch in größerem Maßstab umgesetzt werden.
Dass solche Ansätze funktionieren, zeigt ein anderes, bereits umgesetztes Vorhaben, das die KfW im Auftrag des BMZ mitfinanziert: Das regionale R-WASH-Programm von UNICEF und UNHCR verbessert in Äthiopien, Somalia und Sudan die Wasser- und Sanitärversorgung für Geflüchtete, Binnenvertriebene und aufnehmende Gemeinden. Das Programm setzt auf robuste, klimaresiliente Infrastruktur und stärkt lokale Wasserbetriebe. Es umfasst auch ein Pilotprojekt zur Grundwasseranreicherung im somalischen Dollow. Wo einst der Wettbewerb um knappe Ressourcen ein ernstes Risiko darstellte, haben Geflüchtete und Aufnahmegemeinden nun gemeinsamen Zugang zu sauberem Wasser – was das gegenseitige Vertrauen fördert, das Zusammenleben stabilisiert und die Wahrscheinlichkeit weiterer Vertreibungen und Migration verringert.
Die CC4C-Initiative will solche Projekte nun im Südsudan und den anderen drei Ländern weiterdenken, über Grenzen, Disziplinen und Finanzierungslogiken hinweg und aus der Perspektive derer, die am wenigsten zu sagen haben und doch am meisten zu verlieren.
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