Meldung vom 19.10.2016 / KfW Entwicklungsbank
Habitat: "Städte spielen eine entscheidende Rolle"
Bei der Weltsiedlungskonferenz Habitat III diskutieren die Mitgliedsstaaten über die nachhaltige Entwicklung von Städten. KfW-Abteilungsleiter Marc Engelhardt nimmt an der Konferenz im ecuadorianischen Quito teil.
Was kann eine Konferenz bewirken, die nur alle 20 Jahre stattfindet?
Ein derart langer Zyklus ist in der Tat einmalig in der bunten Welt der UN-Konferenzen. Jede Habitat-Konferenz bekommt so allerdings einen historischen Charakter und setzt langfristig Akzente. Habitat ist seit 1978 aber gleichzeitig eine dauerhaft tätige UN-Organisation, die das follow up sicherstellt und auch zwischen den großen Konferenzen diverse Veranstaltungen und Aktivitäten organisiert. Allein zur Vorbereitung der Habitat III fanden verschiedene regionale und thematische Treffen statt, um alle Beteiligten einzubinden, darunter das deutsche Habitat-Forum im Juni diesen Jahres in Berlin.
Was wird das wichtigste Ergebnis der Habitat III sein?
Habitat ist die erste große UN-Konferenz nach dem Gipfeljahr 2015, die sich mit der konkreten Umsetzung der Beschlüsse von Addis Abeba, New York und Paris befasst. Das Herzstück der Konferenz ist die Verabschiedung der New Urban Agenda. Dieses 23 Seiten starke Abschlussdokument definiert Städte als wesentliche Akteure bei Armutsbekämpfung und Klimaschutz. Kernziel der New Urban Agenda ist eine nachhaltige Stadtentwicklung mit angemessenem Wohnraum und angemessenen Lebensverhältnissen für alle Bewohner. Als zentrale Voraussetzung werden Investitionen in die städtische Infrastruktur genannt. Weitere Schwerpunkte des Dokuments sind nationale Rahmenbedingungen, Capacity Development sowie die Kommunalfinanzierung.
Was ist der spezielle Beitrag Deutschlands?
Ein wichtiges und sehr konkretes Ergebnis der Habitat-Konferenz war die Unterzeichnung von TUMI, der Transformativen Urbanen Mobilitätsinitiative. Initiator ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit intensiver Unterstützung von KfW und GIZ. Weitere Partner sind Entwicklungsbanken wie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Lateinamerikanische Entwicklungsbank (CAF) oder das renommierte World Resource Institut. Im Rahmen von TUMI sollen die Infrastrukturinvestitionen in städtische Mobilität deutlich gesteigert werden. Die KfW Entwicklungsbank plant sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr jeweils rund 1 Mrd. EUR für urbane Mobilitätsvorhaben zuzusagen.
Was kann die KfW zur Umsetzung der New Urban Agenda beitragen?
Eine ganze Menge. Die KfW Entwicklungsbank setzt schon jetzt mehr als die Hälfte aller Neuzusagen in Städten um. Ich gehe davon aus, dass dieser Anteil im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung noch weiter steigen wird. Wir besitzen eine jahrzehntelange Erfahrung in der städtischen Infrastruktur etwa bei der Wasser- und Sanitärversorgung oder mit Programmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden. In vielen Städten sehen wir in diesen Sektoren weiter hohen Finanzierungsbedarf. Aber auch in anderen Bereichen, etwa bei urbaner Mobilität, Maßnahmen zur Klimaanpassung oder zur Gewaltprävention, beobachten wir eine starke Nachfrage.
Wie empfinden Sie die Stimmung vor Ort?
Allein die Größe der Veranstaltung mit ihren rund 45.000 Teilnehmern geht weit über alles hinaus, was ich jemals erlebt habe. Bei den Konferenzen in Paris oder Addis Abeba im vergangenen Jahr gab es jeweils nicht mal halb so viele Besucher. Auch die inhaltliche und institutionelle Vielfalt ist beeindruckend. Stadtentwicklung ist nun mal ein globales Thema mit sehr vielen Facetten. Die Welt trifft sich in Quito, und ich bin sehr froh, dabei sein zu können, zumal die nächste Habitat-Konferenz voraussichtlich erst im Jahr 2036 und damit wohl nach meiner Pensionierung stattfindet.
Die Fragen stellte Charlotte Schmitz.
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