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Meldung vom 15.10.2026 / KfW Entwicklungsbank

Welternährungstag – Vielfalt heute. Sichere Ernährung in der Zukunft

Saatgutbanken für den Erhalt der Biodiversität und für Ernährungssicherung

Mitarbeiter der nationalen kenianischen Genbank
Mitarbeiter der nationalen kenianischen Genbank prüfen das neu gesammelte Material auf seine Keimfähigkeit.

Ruma National Park, Kenia. Dr. Peterson Wambugu ist mit seinem Team auf der Suche nach Pflanzensamen: im Sommer 2026 reist er durch das Land, um für die nationale Gendatenbank Kenias die seltenen Samen von Amaranth und Fingerhirse zu sammeln. Wambugu ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der nationalen kenianischen Genbank und dafür zuständig, die agrargenetische Vielfalt von Nutzpflanzen sicher aufzubewahren. Die kenianische Genbank und der Global Crop Diversity Trust arbeiten eng zusammen: Schwerpunkt ist die sichere Konservierung und Förderung sogenannter „Opportunity Crops“, traditionelle nährstoffreiche und klimarobuste Nutzpflanzen.

Laut Welternährungsbericht litten im Jahr 2024/2025 weltweit rund 645 Millionen Menschen an chronischem Hunger. Allein in Afrika ist jede fünfte Person betroffen. Die Folgen des Klimawandels lassen erwarten, dass die landwirtschaftliche Produktivität dort weiter zurückgeht. So wird für die kommenden Monate beispielsweise ein sehr starker El Niño erwartet, der in vielen Ländern Subsahara-Afrikas erhebliche Auswirkungen auf Niederschlags- und Temperaturmuster haben wird. Dies wiederum erhöht das Risiko für Extremwetterereignisse wie Dürren und extreme Hitze sowie Überschwemmungen. Zudem birgt die Dominanz einiger weniger Grundnahrungsmittel die Gefahr von Mangelernährung. In Anbetracht des Klimawandels und der Folgen des Anbaus von Monokulturen haben der Erhalt und die Nutzung der agrargenetischen Vielfalt durch sogenannte „Opportunity Crops“ an Bedeutung gewonnen. Die oft vergessenen Kulturpflanzenarten können auch bei extremen Wetterbedingungen wie Hitze und Dürre wachsen und gedeihen auch auf nährstoffarmen Böden. Oft traditionell von Frauen angebaut, besteht darüber hinaus das Potenzial, Frauen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu stärken und ihre Einkommenssituation zu verbessern.

Auf großer Sammelmission

Dr. Wambugu trifft auf seiner Suche nach den Pflanzensamen der „Opportunity Crops“ auf eine Landwirtin, die zwischen zwei Häusern Fingerhirse trocknet und deren Samen extrahiert. Nach Analyse der Pflanzensamen werden sie, sorgfältig beschriftet mit Ort und Datum der Ernte, eingetütet. Die frisch eingesammelten Samen landen schließlich in Kenias nationaler Gendatenbank in Muguga, bei Nairobi. Hier wird jede Probe gereinigt, getrocknet, auf Keimfähigkeit überprüft und fotografisch dokumentiert, bevor sie vakuumverpackt bei -20 Grad Celsius gelagert wird. Auf diese Weise konnten während der Mission schon 70 neue Samenproben gesammelt und das Spektrum von Amaranth und Fingerhirse in der Datenbank erweitert werden.

Ein Mann sammelt Pflanzen.
Dr. Wambugu bei der Sammlung von neuen Pflanzensorten.

Gemeinsam die Ernährungslage stärken und dabei auf Bewährtes zurückgreifen

In den vergangenen Jahren ist die Diversität der Nutzpflanzen in Kenia zurückgegangen. Alte, traditionelle Pflanzen wie Amaranth und Fingerhirse wurden zunehmend von Mais verdrängt. Dabei bergen diese oft als „alte Sorten“ bezeichneten Pflanzen Potenzial für einen Anbau im heutigen unsicheren Klima. Durch die Genbanken können Bauern vermehrt auf Sorten zurückgreifen, die Dürre, Schädlingen und veränderten Regenmustern standhalten können. Aktuell befinden sich in Kenias Gendatenbank bereits 55.000 Proben von rund 2.000 Pflanzenarten.

Die Zusammenarbeit von Landwirten und Gendatenbanken ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Gendatenbanken stellen die langfristige Aufbewahrung der Samen sicher. Sie arbeiten mit Pflanzenzüchtern zusammen, damit diese verbesserte Sorten entwickeln können. Schließlich landen die neu gezüchteten Sorten wieder auf den Feldern der Landwirte und der Kreislauf beginnt erneut. Lange Zeit waren die alten Sorten verschrien als das Getreide der „armen Leute“. Das Bild scheint sich mittlerweile zu wandeln. Immer sichtbarer werden die Vorteile der „Opportunity Crops“ – für die Ernährung, die Stärkung der Widerstandsfähigkeit und die Eröffnung neuer Märkte.

Neue Pflanzensamen als Teil einer großen Initiative

Die Sammelmission in Kenia ist Teil des Projekts „Potenzial der Vielfalt – Förderung von Opportunity Crops – Power of Diversity“. Im Auftrag des BMZ fördert die KfW Entwicklungsbank das Projekt mit 10 Mio. Euro. Neben Kenia sind auch Nigeria, Sambia, Indien und Kolumbien beteiligt.

Der „Crop Trust“ ist eine internationale Organisation mit Sitz in Bonn. Ziel: die Biodiversität sowie die Vielfalt an Saatgutarten von Nutzpflanzen zu bewahren und verfügbar zu halten. Der Crop Trust finanziert mit den Erträgen seines Kapitalfonds die wichtigsten internationalen Genbanken. Und: gemeinsam mit der norwegischen Regierung und dem Nordic Genetic Resource Centre (NordGen) betreibt der Crop Trust den Svalbard Global Seed Vault, den globalen Saatguttresor auf Spitzbergen. Dort wird eine Mindestanzahl von Saatkörnern der zur Ernährung wichtigen Lebensmittel wie Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln, Früchte, Nüsse und Wurzelgemüse gelagert, die in einem Katastrophenfall ausgeliefert und nachgezüchtet werden können.

Der Global Crop Diversity Trust - Crop Trust