Meldung vom 23.01.2026 / KfW Entwicklungsbank

Investieren in praxisnahe Ausbildung

Jobsuchende und Unternehmen profitieren gleichermaßen

Hawassa Polytechnic College beim Kochen in Äthiopien
Studierende im Bereich Gastronomie und Hotellerie

Äthiopien hat mit 130 Millionen Menschen eine sehr junge, schnell wachsende Bevölkerung. Seit Mitte der 2000er Jahre hat sich das Land zur drittgrößten Volkswirtschaft in Afrika-Subsahara entwickelt. Aber der Großteil der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft oder im informellen Sektor, ein Drittel lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Doch seit einigen Jahren gibt es einen wachsenden Privatsektor – doch die Anforderungen der Privatunternehmen an qualifiziertes Personal kann der äthiopische Arbeitsmarkt nicht ausreichend befriedigen. Besonders in ingenieurwissen­schaftlichen und technischen Berufszweigen sind Fachkräfte kaum zu finden. Dabei ist der Pool an Arbeitskräften groß. Wie in vielen afrikanischen Ländern ist die äthiopische Bevölkerung sehr jung, das Durchschnittsalter beträgt knapp 17 Jahre. Die Bildungs­reformen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass die Zahl der Berufsschul­absolventen und -absolventinnen stark zugenommen hat, doch viele Ausbildungs- und Studiengänge haben mit dem, was in der Praxis verlangt wird, nur wenig zu tun. Häufig sind Lehrkräfte unzureichend ausgebildet und die Ausstattung der Einrichtungen ist mangelhaft. Die Folge: nach absolvierter Ausbildung finden viele Jugendliche kaum adäquate Arbeitsplätze.

Die KfW unterstützt in Zusammenarbeit mit der GIZ die äthiopische Regierung im Auftrag der Bundesregierung bei der Weiterentwicklung des Berufsbildungs­sektors. Ausbildungs­einrichtungen werden praxisnah umgestaltet und ausgestattet, Lehrer werden qualifiziert. Davon sollen junge Leute, die eine Ausbildung machen, wie auch Unternehmen, die qualifiziertes Personal brauchen, gleichermaßen profitieren. Seit 2002 gibt es das deutsche Engagement – mittlerweile haben mehr als 30.000 junge Männer und Frauen davon profitiert, mehr als 100 Unternehmen wurden in die Berufs- und Hochschulbildung eingebunden.

Ein Beispiel ist das Hawassa Polytechnic College, knapp 300 km südlich von Addis Abeba. Es wurde 1990 gegründet und bietet technische und berufliche Ausbildungen in drei Bereichen an, die jeweils viele Berufe umfassen: Industrie, wirtschaftliche Infrastruktur sowie Hotel- und Tourismus­branche. Die Ausbildungen sind abgestimmt auf den Bedarf von Unternehmen – mit dem Ziel, dass sie auf nationalen und globalen Märkten wettbewerbsfähig sind. Die Vision für das College: hochwertige Ausbildungs­gänge anbieten, die dem Bedarf von Wirtschaft und Industrie entsprechen.

Die Ausbildungs­schwerpunkte umfassen Bereiche wie: Maschinenbau und Fertigungstechnik, Elektrotechnik und Elektronik, Bau- und Zivilschutz­technik, Informatik, Mechatronik, Lebensmittel­verarbeitung, Textil­verarbeitung und Umwelttechnik.

Im Ausbildungsgang Modedesign und Textilherstellung gibt es mehr als 600 Studierende, etwa 70 Prozent der Absolventen finden eine Anstellung in größeren Textilunternehmen. Zur Ausbildung gehört aber auch der Erwerb betriebswirtschaftlichen Know-hows, denn viele Auszubildende möchten sich selbständig machen.

Frau beim Nähen in Äthiopien
Eden Zefure, 21, ist im ersten Jahr ihres Studiums. Schon seit ihrer Kindheit wollte sie Modedesignerin werden und nähen lernen. Nach der Ausbildung möchte sie zunächst in einem Unternehmen Erfahrungen sammeln, danach aber als Selbständige ein eigenes Geschäft aufbauen.
Mechaniker beim Arbeiten in Hawassa
Studierende aus dem Fachbereich Mechatronik und Automobiltechnik
Hawassa Polytechnic College beim Kochen in Äthiopien
Mekdes Mulualem, 20, noch ganz am Anfang ihrer Berufsausbildung: „Ich möchte Köchin werden - und dieses College hat den besten Ruf. Motiviert und inspiriert zu dieser Studienwahl haben mich Kochsendungen im Fernsehen.“
Maschinenbauer in Äthiopien
Mesay Teshome, 33, Lehrer für Mechanik: „Ich arbeite hier seit etwa 10 Jahren. Früher haben wir mit sehr alten Maschinen gearbeitet, aber jetzt haben wir – gefördert durch die KfW- moderne Maschinen, die mit der neuesten Technologie ausgestattet sind. Wir bauen auch unsere eigenen Maschinen, um im Training und bei Wettbewerben weiterzukommen.“