Wasserspeicherung und Hochwasserschutz zur Klimaanpassung im Rahmen von IWRM

Ziel des Moduls "Wasserspeicherung und Hochwasserschutz zur Klimaanpassung im Rahmen von IWRM, Phase 1+ 2" ist die Förderung der sozio-ökonomischen Entwicklung benachteiligter Gebiete in Tunesien und die Erhöhung der Klimaresilienz der Programmregion durch ein effizienteres, vorrausschauendes und nachhaltiges Wassermanagement. Durch umfassende Hochwasserschutzmaßnahmen im Medjerdatal (Gouvernorate Jendouba und Beja) sowie Wasserspeicherprojekte in Jendouba und Kairouan werden die wesentlichen Lebens- und Existenzgrundlagen der Menschen vor Hochwasserereignissen geschützt. Über eine verstärkte Oberflä-chenwassermobilisierung und der in Folge verbesserten Wasserversorgung in der landwirtschaftlichen Bewässerung wird zudem direkt die sozio-ökonomisch Entwicklung in der Modulregion gefördert. Hierdurch werden wichtige Arbeitsplätze in der Landwirtschaft erhalten und die Entstehung von neuen Beschäftigungsmöglichkeiten gefördert. Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
1. Neubau des Staudamms Raghai im Gouvernorat Jendouba in der Nähe der Stadt Ghardimaou bei der Einmündung des Oued El Jorf in den Fluss Raghai, ein Nebenfluss des Medjerda. Der geplante Staudamm wird ein Speichervolumen von ca. 40 Mio. m³ haben. Er wird zum Hochwasserschutz in der Region gebaut und soll zudem der Bewässerung von 5.200 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche sowie der Verbesserung der Trinkwasserversorgung der Delegation Ghardimaou dienen. Im Rahmen der Maßnahme werden ca. sieben Kilometer asphaltierter Straßen und nicht asphaltierter Wege geflutet, weshalb diese Strecken neu angelegt werden sollen. Des Weiteren ist der Bau ergänzender Straßen und einer Brücke geplant, um die Mobilität der Bevölkerung nach dem Dammbau zu erhalten bzw. im Vergleich zur Ist-Situation sogar zu verbessern.
2. Rehabilitierung und Erhöhung des bestehenden Staudamms Sidi Saad im Gouvernorat Kairouan. Um seine Funktionstüchtigkeit - Hochwasserschutz und Ermöglichung von Bewässerungslandwirtschaft - in der Region auch für die kommenden Jahrzehnte sicherzustellen, werden umfangreiche Stabilisierungs- und Modernisierungsmaßnahmen am Überlauf und anschließender Schussrinne des Staudamms vorgenommen. Darüber hinaus wird durch den Einbau einer Schwelle im Zuführungskanal zur Hochwasserentlastungsanlage das Speichervolumen um ca. 100-150 Mio. m³ erhöht. Das zusätzliche Stauvolumen kann nach der erfolgten Rehabilitierung nachhaltig für den Hochwasserschutz, aber auch zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt werden.
3. Umfassende Hochwasserschutzmaßnahmen im oberen Teil des Medjerdatals zwischen der algerischen Grenze und dem Staudamm Sidi Salem (Zone U1+M und Zone U2). In diesen Zonen sollen Deiche, Polder und Überflutungsflächen angelegt sowie Querschnittsanpassungen durchgeführt und voraussichtlich ein Hochwasserentlastungskanal zum Schutz der Stadt Bou Salem gebaut werden. In diesem Zusammenhang werden zudem Wartungsgeräte beschafft. Des Weiteren werden Maßnahmen getroffen, um der Erderosion am Ufer des Medjerda entgegenzuwirken.

Umwelt- und Sozialverträglichkeit

Das Vorhaben besteht aus drei Komponenten, der Rehabilitierung des Staudamms Sidi Saad, dem Neubau des Staudamms Raghai sowie aus Hochwasserschutzmaßnahmen im oberen Teil des Medjerdatals zwischen der algerischen Grenze und dem Staudamm Sidi Salem. Im Rahmen des integrierten Wasserressourcenmanagement (IWRM) werden diese drei Komponenten als Maßnahme der Klimaanpassung zur Wasserspeicherung und zum Hochwasserschutz im Nordwesten Tunesiens durchgeführt. Das Gesamtvorhaben wird aufgrund des Staudamm-Neubaus mit einer Staumauerhöhe von rund 40 m und einem voraussichtlichen Stauvolumen von 30-40 Millionen Kubikmeter, entsprechend der Nachhaltigkeitsrichtlinie der KfW Entwicklungsbank der USVP Kategorie A zugeordnet, da mit dem Neubau hohe Umwelt- und Sozialrisiken einhergehen. Die Risiken für die Rehabilitierung des Staudamms Sidi Saad und für die Hochwasserschutzmaßnahmen im Medjerdatal werden als erheblich (B+) angesehen, da insbesondere keine zusätzliche Landnahme erforderlich ist. Bei Vorhaben der Wasserspeicherung und des Hochwasserschutzes handelt es sich um große Baumaßnahmen mit schwerem Gerät, die potentiell signifikant negative Auswirkungen auf Umwelt (z.B. Änderung des hydrologischen Abflussregimes und damit verbundene gewässerökologische Risiken, Staubentwicklung, Lärm, Verschmutzungsrisiken durch Leckagen an Geräten) und soziale Belange (z.B. Arbeitssicherheit, Landerwerb, Umsiedlungen) haben können. Im Rahmen der unterschiedlichen Planungsstadien wurden und werden basierend auf den jeweiligen Planungsständen umfassende Umwelt und Sozialverträglichkeitsstudien und Umwelt- und Sozialmanagementpläne erstellt sowie Rahmen- und Aktionspläne für den Landerwerb und Umsiedlungsmaßnahmen für den Damm-Neubau. Diese werden mit fortschreitendem Planungsstand stetig aktualisiert und konkretisiert. Die Erstellung der Studien und Pläne erfolgt gem. der internationalen Standards als auch dem tunesischen Recht unter Einbindung der Bevölkerung und anderen relevanten Stakeholdern. Die finale Auslegung (Staudammhöhe, Stauvolumen sowie die spezifischen Hochwasserschutzmaßnahmen) werden im Rahmen der Detailplanung noch konkretisiert, um insbesondere die Anzahl der Betroffenen von physischer Umsiedlung als auch den Ressourcenverbrauch (Baumaterialien, Land, etc.) so weit wie möglich zu reduzieren, um negative Auswirkungen zu vermindern und gleichzeitig einen ausreichenden Hochwasser- und Erosionsschutz sowie stetiges Wasserdargebot für die Anrainerbevölkerung zu gewährleisten. Entsprechende Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen zum Schutz der Anwohner sowie der Ökosysteme sind deshalb von besonderer Wichtigkeit und wurden im Rahmen eines "Environmental and Social Commitment Plan (ESCP)" vertraglich zwischen KfW und den tunesischen Partnern vereinbart und beinhaltet u. A. auch die Einführung eines Beschwerdemechanismus als auch die Verpflichtung, die KfW unverzüglich über umwelt- und sozialrelevante besondere Vorkommnisse zu informieren. Diese Verpflichtungserklärung zum Umwelt- und Sozialmanagement während des gesamten Projektzyklus und die Einhaltung der im ESCP vereinbarten Maßnahmen, darunter fällt auch die Kompensation zur Wiederherstellung der Lebensgrundlagen, wird durch die KfW im Rahmen der Projektfortschrittskontrollen und durch den Einsatz eines internationalen Consultants kontinuierlich überwacht. Ferner werden die beiden Staudamm-Komponenten des Vorhabens von einem unabhängigen Expertengremium (Independent Panel of Experts) begutachtet, um die Dammsicherheit, die technische Auslegung als auch die Umwelt- und Sozialmaßnahmen unabhängig zu prüfen, umso die Entscheidungsträger der tunesischen Partner als auch die KfW zu unterstützen.

Land / Region / Institution Tunesien
Nummer 33574
Schwerpunkt Wasser und Abfall
Sektor 14040 - Flußgebietsentwicklung und -regulierung
USV-Kategorie A
Finanzierungsinstrument Entwicklungskredit
Weitere Geber -
Deutscher Finanzierungsbeitrag 116 Mio. EUR
Status aktiv
Auftraggeber BMZ
Projektpartner TUNESISCHE REPUBLIK, MINISTERE DE L'AGRICULTURE, DES RESSOURCES HYDRAULIQUES
Zuständige Abteilung Nordafrika und Sahel

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