Meldung vom 20.01.2016 / KfW Entwicklungsbank

Am Beginn einer neuen Welt(Un-)Ordnung?

Diskussion über internationale Politik und Zusammenarbeit

Das Jahr 2015 brachte Gipfeltreffen, das Pariser Klimaabkommen und große menschliche Tragödien in der Ukraine, im Nahen Osten und auf den Fluchtrouten. Diese Ereignisse und ihre Folgen standen im Mittelpunkt des 76. Berliner Fachgesprächs zur Globalisierung der KfW. Unter dem Titel "Am Beginn einer neuen Welt(Un)-Ordnung? Internationale Politik und Zusammenarbeit nach 2015" diskutierten im historischen Kassensaal namhafte Expertinnen und Experten. Rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten eine anregende Diskussion.

Dr. Norbert Kloppenburg, Mitglied des Vorstands der KfW Bankengruppe, unterstrich in seinem Grußwort die Notwendigkeit internationaler Kooperation in einer Welt, in der unsere Werte- und Friedensordnung bedroht sind. Die KfW stelle sich diesen Aufgaben, indem sie in Schwellen- und Entwicklungsländern einen wichtigen Stabilisierungsbeitrag leistet, der heute auch Fluchtursachenbekämpfung umfasst.

Unsicherheit und Fragilität auf der Welt haben zugenommen

Botschafter Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, betonte die massiv gestiegene Volatilität auf der Welt, die zu einer Verstetigung der internationalen Fluchtbewegungen führen werde. Insgesamt hätten die Unsicherheit und Fragilität auf der Welt zugenommen, was die Vorausschau auf das kommende Jahr deutlich erschwere. Das erhöhe die Bedeutung und den Wert der Diplomatie. 2016 werde ein Jahr der Weichenstellungen.

Prof. Lars-Hendrik Röller, Leiter der Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Energiepolitik im Bundeskanzleramt, betonte, dass neben den internationalen Herausforderungen auch die innereuropäische Krise noch nicht überwunden sei. Mit Schengen und dem Euro seien zwei der wichtigsten Pfeiler der EU weiter gefährdet. Wie im Rahmen der G7 bereits geschehen, müsse man sich auf die westliche Wertegemeinschaft besinnen.

Claudia Roth bei der Podiumsdiskussion
Engagierte Teilnehmerin an der Debatte: die Bundestagsabgeordnete Claudia Roth.

Roth: Entwicklungszusammenarbeit darf nicht instrumentalisiert werden

Die Bundestagsabgeordnete Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sah im krisengeschüttelten Europa darüber hinaus auch die wachsende Gefahr des Populismus und einer Renationalisierung. Die Welt brauche jedoch ein starkes und gemeinsames Europa. Außenpolitik dürfe nicht nur innenpolitischen Erwägungen folgen, sonst könne sie nicht nachhaltig sein. So dürfe etwa die Entwicklungszusammenarbeit in der Flüchtlingsfrage nicht instrumentalisiert werden, wie auf dem Valletta-Gipfel gegenüber der Afrikanischen Union geschehen.

Dr. Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), beklagte einen Mangel an Orientierung in der deutschen Wirtschaft. Wofür stehe Deutschland und Europa? Was sei moralisch erlaubt? fragt er. Zwar würden Investitionen durch die deutsche Wirtschaft immer wieder auch Staaten stabilisieren, die keine "lupenreinen Demokratien" seien. Doch auch die Wirtschaft habe eine Rolle zu spielen in einer wertegeleiteten Außenpolitik. In der Textilbranche, die sich auf nachhaltiges Wirtschaften in der gesamten Lieferkette verpflichtet habe, werde dies besonders deutlich.

Insgesamt zeigte die Debatte, dass die Welt in diesem Jahr vor großen Herausforderungen steht. Einfache Lösungen konnten die Expertinnen und Experten nicht anbieten. Die Suche nach Wegen aus den Krisen wird weitergehen müssen.

Expertinnen und Experten diskutierten beim Fachgespräch kontrovers und konstruktiv über die globalen Herausforderungen in den kommenden Jahren.