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Wälder aufforsten in Tadschikistan

Meldung vom 08.10.2019 / KfW Entwicklungsbank

Ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel in einem armen Land

Natur und Berge
Neue Bäume sichern Hänge, die schon von Erosion betroffen sind.

In Tadschikistan sind mit KfW-Unterstützung Tausende Hektar Wald wieder hergestellt worden, ein Großteil davon zusammen mit der örtlichen Bevölkerung. Die neuen Bäume schützen vor Erosion, erhalten die Artenvielfalt, machen weniger anfällig gegen die Folgen des Klimawandels – und sichern den betroffenen Menschen zusätzliches Einkommen.

Tadschikistan wird immer wieder von Naturkatastrophen wie Erdrutschen oder Lawinen heimgesucht. Das hat mit der Topographie des zentralasiatischen Staates zu tun – es ist erdbebenanfällig und mehr als die Hälfte der Landesfläche liegt auf über 3.000 Metern Höhe –, aber auch mit der Übernutzung von Ressourcen. Besonders die Wälder wurden in den vergangenen Jahren stark dezimiert und vor allem für Brennholz genutzt: Einst bestand das Land zu etwa einem Fünftel aus Wald, mittlerweile sind es noch zwischen zwei und drei Prozent.

Gefahr von Erdrutschen und Lawinen

Dieser Verlust hat ernsthafte Folgen. Denn Wälder stabilisieren Böden und verhindern bei Niederschlag das Abrutschen von Erd- und Schneemasse – in einem Bergland wie Tadschikistan eine lebenswichtige Funktion. Zumal die Niederschläge angesichts des Klimawandels noch zunehmen sollen.

Prognosen zufolge steigt die mittlere jährliche Temperatur dort um mindestens 2,9 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts, was unter anderem eine Zunahme von Starkregenereignissen nach sich zieht. Dadurch steigt die Gefahr von klimabedingten Katastrophen wie Überflutungen, Schlamm- und Schneelawinen sowie Erdrutschen noch weiter, obwohl Tadschikistan schon heute damit zu kämpfen hat. Alles in allem ist das Bergvolk eines der ärmsten Länder der Region und wird zugleich mit am stärksten vom Klimawandel betroffen sein.

Drei Bauer stehen auf einem Feld
Drei Waldarbeiter; sie profitieren von der Wiederaufforstung.

Insofern spielt der Wald eine besondere Rolle: Er hilft Tadschikistan dabei, mit den neuen klimatischen Bedingungen besser zurecht zu kommen. Aus diesem Grund hat die KfW im Auftrag des BMZ bis vor kurzem ein umfangreiches Vorhaben zur Wiederaufforstung in den vier Bezirken Farkhor, Khovaling, Vanj und Gorno Badachshan durchgeführt.

Pachtangebote für die Bevölkerung

Auf mehr als 6.500 Hektar Fläche entstanden neue Wälder oder beschädigte wurden wiederhergestellt. Der Großteil davon zusammen mit der örtlichen Bevölkerung, die Land für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren pachten konnte. Im Gegenzug mussten die insgesamt fast 600 Pächter, darunter etwa 10 Prozent Frauen, bestimmte Auflagen zum Aufforsten und zu nachhaltiger Bewirtschaftung erfüllen.

Allerdings lassen sich unter solchen Bedingungen Einnahmen zum Beispiel aus dem Verkauf von Früchten und Holz erst nach ein paar Jahren erzielen. Damit die Pächter trotzdem gleich von Beginn an Geld verdienen konnten, gehörte zu jeder Parzelle auch direkt nutzbare Fläche. Das erhöhte den Anreiz zum nachhaltigen Umgang mit dem gepachteten Areal.

Neue Baumschulen liefern die Setzlinge

Auf diese Weise trugen die Pächter rund zwei Drittel der 6.500 Hektar Wald bei, den Rest erledigten lokale Forstämter. Um ausreichend Setzlinge zur Verfügung zu haben, denn es kamen nur heimische Arten zum Einsatz, wurden darüber hinaus mehr als 60 Baumschulen gegründet, zum Teil auch wieder in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Forstmanagementpläne, Schulungen für Mitarbeiter lokaler Forstämter, neue Gebäude und Geräte sowie Kampagnen zum Wert von Wäldern ergänzten die Maßnahmen, die die KfW in Zusammenarbeit mit der GIZ durchgeführt hat.

“Die Kombination aus Aufforstung, Waldschutz und Pacht hat sich in Tadschikistan sehr bewährt”, urteilt KfW-Projektmanager Frank Mörschel. “Dadurch bekommen die Menschen Zugang zu knappen Landressourcen, sie können ihr Einkommen aufbessern und leisten einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel sowie zum Schutz der natürlichen Artenvielfalt.” Ein Modell, das sich auch für andere arme Länder und Gegenden eignen könnte, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind.

Feld in Tadschikistan
Setzlinge in einer Baumschule. Im Hintergrund sichtbar: Abrutschgefährdetes Gefälle.

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