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Mehr Schulen, mehr Wachstum

Meldung vom 16.02.2017 / KfW Entwicklungsbank

Reiner Klingholz sprach bei der KfW Frankfurt über die Vorteile der Förderung von Bildung

"Bildung entscheidet über die Zukunft der Menschheit", postulierte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, beim Entwicklungsforum der KfW in Frankfurt. Dabei zeigte er auch auf, wieso mangelnde Investitionen in Bildung fatale Folgen haben und wie die Krisen im Nahen Osten damit zusammenhängen.

Werden im Jahr 2100 zwölf Milliarden Menschen auf der Erde leben? Oder werden es nur etwa sieben sein, genau so viele wie heute? Die Weichen für die Entwicklung werden heute gestellt – und Investitionen in Bildung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Je mehr Mädchen und junge Frauen eine Sekundarschule besuchen, desto weniger Kinder werden sie bekommen. Dieser Zusammenhang ist weltweit festzustellen, bekräftigte der Wissenschaftler und Autor Reiner Klingholz bei seinem Vortrag in der KfW Frankfurt. Mädchen, die eine weiterführende Schule besuchen, heiraten später. Sie haben außerdem bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Frauen mit eigenem Einkommen können sich in Beziehungen besser durchsetzen, auch, was die Zahl der Kinder betrifft. Mehr Bildung und damit eine stärkere Selbstbestimmung der Frauen senken das Bevölkerungswachstum.

Wie Investitionen in die Bildung zu einem Wirtschaftsboom führen können, zeigte Klingholz am Beispiel von Bangladesch, das in den 70er Jahren noch ein sehr hohes Bevölkerungswachstum hatte. Doch die Regierung setzte auf Grund- und Sekundarbildung, insbesondere für Mädchen. Der Schulbesuch weiter Teile der Bevölkerung ermöglichte es, dass zunächst "verlängerte Werkbänke" in dem asiatischen Land angesiedelt wurden, heute bietet die Wirtschaft dort jedoch auch anspruchsvollere Stellen. Gleichzeitig bekommen die Frauen statt sieben durchschnittlich nur noch 2,3 Kinder. Im Vergleich dazu besteht vor allem in den Staaten in Subsahara-Afrika mit hohem Bevölkerungswachstum ein großer Nachholbedarf.

Ausnahmeregion Naher Osten

Den Nahen und Mittleren Osten stellte Reiner Klingholz als Ausnahmeregion dar. Trotz hoher Bildung bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Nur 40 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter haben überhaupt eine Beschäftigung. Dies liegt daran, dass traditionell Abschlüsse etwa in den Geisteswissenschaften angestrebt werden, die früher zu einer Karriere in der Staatsverwaltung führten. Doch die Behörden können die wachsende Zahl der Absolventen nicht mehr auffangen. "Dies ist kein Argument gegen Bildung, sondern für eine andere Bildung, die sich stärker am Arbeitsmarkt orientiert", stellte Reiner Klingholz klar. Technische Ausbildungen und Unternehmensgründungen sollten im Nahen und Mittleren Osten stärker gefördert werden. "Start-ups und insbesondere Frauen in der Region brauchen einen besseren Zugang zu Krediten", forderte er.

Unterricht muss besser werden

In der anschließenden Diskussion mit Abteilungsleiter Stefan Zeeb und dem Publikum wurde nach den Möglichkeiten gefragt, die die Digitalisierung für Bildung bringe. Klingholz verwies darauf, dass es bereits ein breites Angebot an Online-Kursen (Massive Open Online Courses/MOOC) gebe. Die Gates-Stiftung werde in Zukunft in globale Bildungsallianzen investieren. "Digitalisierung macht es möglich, Entwicklungsphasen etwa in Afrika zu überspringen", sagte Klingholz. "Das ist auch nötig, denn uns läuft die Zeit davon."

Die Qualität der Bildung müsse verbessert werden, etwa durch Schulung von Lehrern, darin waren sich der Vortragende und das KfW-Publikum einig. Denn in "völlig simplem Frontalunterricht in großen Klassen lernen die Kinder nicht, Wissen anzuwenden", betonte Klingholz.

Heute stehe das Thema Bildung vor allem deshalb auf der Agenda der Politik so weit oben, weil es dazu beitragen könne, Fluchtursachen zu bekämpfen. Doch könne es keine schnelle Lösung für Probleme geben, die sich langfristig angestaut hätten, befand Klingholz. "Förderung von Demokratie und Steigerung des individuellen und des volkswirtschaftlichen Einkommens sind vermutlich das Wichtigste an Bildung", fasste er zusammen.

Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

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