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"Bittere Armut und beklemmende Trostlosigkeit"

Meldung vom 15.09.2016 / KfW Entwicklungsbank

Vor fünf Jahren wurde Südsudan unabhängig. Doch nach einer kurzen Phase der Entspannung und Euphorie über den jüngsten Staat der Erde gibt es keinen Grund mehr zum Feiern: Vor einigen Wochen ist erneut Gewalt ausgebrochen. Tausende Menschen fliehen und suchen Schutz in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern oder im Sudan. KfW-Abteilungsdirektor Burkhard Hinz besuchte das Lager Shagarab im Osten des Sudan.

Herr Hinz, mit Flüchtlingslagern verbinden wir momentan vor allem die Unterbringung der Syrer, die vor Krieg in ihrem Land fliehen. Wie ist das Flüchtlingslager Shagarab entstanden?

Der Sudan ist ein wichtiges Aufnahme- und Transitland für Flüchtlinge in Afrika. Etwa 460.000 Menschen, hauptsächlich aus Eritrea und dem Südsudan, haben dort Zuflucht gefunden. Im Südsudan herrscht seit 2013 ein Bürgerkrieg, der Konflikt ist immer noch nicht ausgestanden und hat sich zuletzt leider weiter verschärft. Viele der ohnehin unter katastrophaler Armut leidenden Menschen sind nunmehr zusätzlich traumatisiert. In Eritrea bietet die Regierung – trotz erster zaghafter Schritte einer politischen Öffnung – gerade den zahlreichen jungen Menschen keine erkennbare berufliche und persönliche Perspektive und hat eine Generation von Flüchtlingen produziert. Im Durchschnitt kommen monatlich 1.100 Flüchtlinge aus Eritrea über die Grenze nahe Kassala in den Sudan, wo sich das Lager befindet. Aber auch zahlreiche Jugendliche aus Äthiopien und Somalia fliehen in den Sudan. Einige fallen auch in die Hände skrupelloser Menschenhändler, ehe sie überhaupt das Lager erreichen.

KfW-Abteilungsdirektor Burkhard Hinz
KfW-Abteilungsdirektor Burkhard Hinz besuchte das Lager Shagarab im Osten des Sudan.

Was haben Sie im Lager erlebt?

Der Osten des Sudan ist eine der ärmsten Gegenden des Landes. Und entsprechend herrschen auch im Flüchtlingslager bittere Armut und beklemmende Trostlosigkeit. Es ist nicht zu vergleichen mit den organisiert wirkenden Zeltlagern, wie wir sie beispielsweise aus Bildern in Europa kennen. In Shagarab leben 35.000 Menschen isoliert in der Wüste, verteilt auf insgesamt drei Camps, zumeist in Lehmhütten, umgeben von Müll. Es gibt keinen Strom und so gut wie keine Toiletten. Shagarab gibt es seit 1985, dort sind Kinder zur Welt gekommen und aufgewachsen – hinter einem Stacheldraht. Tausende Kinder leben dort allein: Eltern lassen sie zurück und machen sich auf den Weg nach Europa. Ich habe immer noch den sechsjährigen, offensichtlich anlehnungsbedürftigen Jungen vor Augen, den seine Mutter in Shagarab allein gelassen hat. Im Lager gibt es nur für ganz Wenige Aussicht auf Arbeit oder Einkommen. Die gefährliche Weiterreise nach Europa ist oft der einzige Ausweg. Die meisten jungen Männer, die dort ankommen, ziehen bereits nach kurzem Aufenthalt wieder weiter.

Wie kommen die Flüchtlinge überhaupt weiter?

Sie vertrauen sich den Schleppern an. Es sind gut organisierte Schlepperbanden, die auf Websites zum Beispiel behaupten, in Deutschland bekomme jeder Flüchtling bei Ankunft 5.000 Euro. Über zwei Routen, von denen die eine über Ägypten und die zweite über Libyen führt, schleusen sie die Menschen nach Europa ein.

Was tut Deutschland, um den Menschen in diesen Lagern zu helfen?

Die Bundesregierung unterstützt Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden im Osten des Landes – auch über die KfW. Konkret finanzieren wir Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungschancen. Die Zielgruppe sind sowohl minderjährige Flüchtlinge als auch die Kinder in der Region, von denen momentan nur etwa die Hälfte zur Schule geht. Geschützt werden außerdem Kinder, die allein fliehen und an den Grenzen in die Hände von Schlepperbanden geraten können. Darüber hinaus wird die Infrastruktur in den Gemeinden, die sich in direkter Nachbarschaft zu Shagarab befinden, verbessert: Hier geht es etwa um Bau und Rehabilitierung von Klassenzimmern, Wasserversorgungssystemen und Sanitäreinrichtungen für Schulen sowie Hygieneaufklärung. In den Camps geht es darum, den Bewohnern Einkommensmöglichkeiten zu verschaffen.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Wir arbeiten eng mit den vor Ort tätigen Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen zusammen. Sechs Millionen Euro werden von UNICEF umgesetzt. UNHCR, das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, wird mit neun Millionen Euro unterstützt. Dieses Geld fließt in Alphabetisierungskurse, finanzielle oder handwerkliche Grundbildung: Frauen besuchen beispielsweise Näh- und Stickereikurse, Männer lernen Metallarbeiten. Damit sollen sich die Chancen der Menschen verbessern, sich eine Zukunft aufzubauen und konkrete Möglichkeiten zur Einkommenserzielung zu erhalten.

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