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"Asiens Antwort auf den Klimawandel ist von weltweiter Tragweite"

Meldung vom 26.04.2016 / KfW Entwicklungsbank

Seit 2013 leitet Takehiko Nakao die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank/ADB). Er ist damit der neunte Präsident der Finanzinstitution und stammt wie seine Vorgänger aus Japan. Der 60-Jährige hatte zuvor beim Internationalen Währungsfond IWF gearbeitet und 2012 als Vertreter seines Landes an den G7- und G20-Gipfeln teilgenommen.

Als die ADB 1966 gegründet wurde, war Asien eine der ärmsten Regionen der Welt. Heute zählt sie zu den dynamischsten. Doch es gibt noch viel zu tun. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen Asiens für die Zukunft?

Inzwischen hat Asien auf dem Gebiet der Wirtschaftsentwicklung und der Armutsreduzierung viel erreicht, aber noch immer leben 450 Millionen Menschen in extremer Armut. Die Geschlechtergerechtigkeit sollte noch verbessert werden. Maßnahmen zum Klimaschutz sind nach wie vor oberste Priorität. Der Privatsektor sollte ausgebaut werden. Und wir brauchen eine wirksamere regionale Zusammenarbeit.

Die meisten Volkswirtschaften Asiens wachsen nach wie vor sehr schnell. Dennoch nehmen die Unterschiede zwischen den Einkommen zu. Was unternimmt die ADB, um soziale Ungleichheit zu reduzieren?

Die ADB fördert Investitions- und Beschäftigungspotenziale, indem sie sich stark auf den Ausbau der Infrastruktur konzentriert und dabei zunehmend ärmere und rückständige Regionen in den ADB-Mitgliedstaaten, die Entwicklungsländer sind, in den Blick nimmt. Außerdem engagiert sich die ADB verstärkt in der Förderung der menschlichen Entwicklung einschließlich der Aus- und Fortbildung sowie der beruflichen Bildung, um die Einsatzmöglichkeiten der vorhandenen Arbeitskräfte zu verbessern.

Als Teil ihres Engagements für den Privatsektor fördert die ADB das Investitionsklima in den Entwicklungsländern unter ihren Mitgliedern und verbessert die Unterstützung für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen sowie den Aufbau integrationsfördernder Unternehmen, die erhebliche Beschäftigungs- und Wertschöpfungspotenziale bieten. Schließlich unterstützt die ADB Programme und Netzwerke zur sozialen Absicherung der ärmsten Bevölkerungsgruppen.

2014 wurde die Strategie 2020 der ADB einer unabhängigen Evaluierung unterzogen. Eine der Schlussfolgerungen des Berichts lautet, dass die Umweltzerstörung in Asien ein erhebliches Risiko darstellt. Welche Fortschritte wurden seither erzielt, um die Nachhaltigkeit beim Umwelt- und Ressourcenschutz zu verbessern?

Viele Länder Asiens und des pazifischen Raums haben sich einer grünen Wachstumspolitik verschrieben. Sie haben sich nachdrücklich dazu verpflichtet, Wirtschaftswachstum in einer Weise anzustreben, dass Kohlendioxid-Emissionen und Umweltbeeinträchtigungen begrenzt werden. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung kennen die Entscheidungsträger in den Entwicklungsländern der Region die Bedeutung dieser Politik und möchten zu den globalen Bemühungen um die Minderung von Emissionen beitragen.

Dennoch bleibt noch sehr viel zu tun. Schnelle Urbanisierung bedeutet eine Verschlechterung der Luft-, Boden- und Wasserqualität. Wir müssen mehr darauf achten, Mittel durchzuleiten – vor allem Mittel aus der Privatwirtschaft – und Erfahrungen, innovative Ansätze und Technologien zu nutzen, um in diesem dynamischen Teil der Welt ökologische Nachhaltigkeit zu erreichen.

Asien zählt zu den Regionen, die weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Nicht zuletzt deshalb wird die ADB ihre jährlichen Zusagen im Bereich der Klimafinanzierung bis 2020 auf 6 Milliarden USD verdoppeln. Davon sollen 4 Milliarden USD auf den Klimaschutz, insbesondere erneuerbare Energien und Energieeffizienz, und 2 Milliarden USD auf Klimaanpassung entfallen, etwa widerstandsfähige Infrastruktur und eine bessere Vorbereitung auf klimainduzierte Naturkatastrophen.

Zum ersten Mal findet die Jahrestagung der ADB in Deutschland statt. Welche Ergebnisse erwarten Sie?

Wir gehen davon aus, dass viele Fragen in Frankfurt diskutiert werden, darunter die Netzkonformität, Investitionen und Handel zwischen Asien und Europa sowie die Chancen und Risiken, die durch engere Verbindungen zwischen beiden Regionen im Falle von Krisen entstehen könnten. Da wir auch den 50. Jahrestag unserer Gründung vorbereiten, hoffe ich, dass es ein konstruktives und produktives Treffen sein wird.

Wir haben viele gemeinsame Interessen mit unseren deutschen Gastgebern, darunter den Privatsektor und seine Rolle in der Entwicklung, die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen, den Finanzsektor und die Stärkung von Geschäftsbanken sowie die Notwendigkeit, etwa durch berufliche Aus- und Fortbildung und die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze. Damit stellt sich die Frage, wie die Sicherheit von Arbeitsbedingungen verbessert werden kann – was Deutschland etwa in Bangladesch in der Textilindustrie fördert—und wie Entwicklungsländer innerhalb der Wertschöpfungskette nach oben gebracht werden können.

Ein weiteres wichtiges Thema sind der Klimawandel und Umsetzung der Verpflichtungen der COP 21. Deutschland ist hier ein wichtiger Fürsprecher. Asiens Antwort auf den Klimawandel ist von globaler Tragweite, da ein Drittel der weltweiten Treibhausemissionen auf Asien entfallen, ebenso wie ein Drittel der weltweiten Produktion.

Wie kann Deutschland zum Erfolg der Jahrestagung beitragen?

Deutschlands Entscheidung, die Jahrestagung 2016 auszurichten, liegt auf einer Linie mit seinem langfristigen Engagement, Entwicklung und Nachhaltigkeit in Asien und im pazifischen Raum zu fördern, und mit der zunehmenden Bedeutung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, der Europäischen Union und unserer Region.

Wir freuen uns, dass Frankfurt als erstrangiger Finanzplatz und Wirtschaftsstandort in Europa zum Tagungsort gewählt wurde. Die erste ADB-Anleihe war im September 1969 in Frankfurt auf den Markt gebracht worden. Die Tagung wird dazu beitragen, im öffentlichen wie privaten Sektors vermehrte Aufmerksamkeit für die Entwicklungsagenda Asiens zu wecken.

ADB und KfW haben 2014 eine Absichtserklärung für Kofinanzierungen in Höhe von 2 Milliarden Dollar geschlossen. Wie bewerten Sie die bisherige Bilanz dieser Vereinbarung?

Dank der Absichtserklärung mit der KfW konnte die ADB Kofinanzierungen in sehr wichtigen Sektoren erweitern und aufstocken, und zwar bei 84 Prozent aller kofinanzierten Projekte in den Bereichen Klima und erneuerbare Energien. Bisher wurden im Rahmen der vereinbarten 2 Milliarden USD sechs Projekte mit einem Gesamtwert von 1,35 Milliarden USD (65 Prozent) abgeschlossen.

Ursprünglich waren nur fünf Länder in die Absichtserklärung einbezogen. Doch angesichts des Erfolgs vereinbarten ADB und KfW, zusätzlich zu den bereits vorhandenen, prioritären Ländern Bangladesch, Indien, Indonesien, Mongolei und Vietnam noch Afghanistan, die Volksrepublik China, Myanmar, Nepal und Sri Lanka aufzunehmen.

ADB und KfW haben auch einen Personalaustausch eingeführt, um ihre jeweiligen Geschäftsprozesse besser zu verstehen und die Abstimmung im Bereich der Kofinanzierung zu verbessern.

Ende 2015 bekamen wir Besuch von einer hochrangigen KfW-Delegation, um den Fortschritt unserer Beziehungen und Potenziale künftiger Zusammenarbeit im Bereich der UN-Nachhaltigkeitsziele und des Klimawandels zu erörtern. Das nächste High-Level Meeting soll im ersten Quartal 2017 in Frankfurt stattfinden.

Die Fragen stellte Charlotte Schmitz.

Takehiko Nakao - ADB President

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