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Meldung vom 15.03.2021 / KfW Entwicklungsbank

Niger: Den Hunger besiegen und dem Klimawandel trotzen

Mehr Erträge durch höhere Wasserverfügbarkeit und bessere Kleinbewässerungsinfrastruktur - Zweite Projektphase feierlich beim Staudammstandort in Kaora-Foga eröffnet.

Christine Plastrotmann mit Premierminister Brigi Rafini
Christine Plastrotmann (Chargée d'Affaires der Botschaft) mit Premierminister Brigi Rafini.

Die Republik Niger ist ein Agrarstaat. Mehr als 80 % der nigrischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die allerdings meist traditionell und wenig effizient betrieben wird. Durch den Ausbau der Kleinbewässerungsinfrastruktur lassen sich die landwirtschaftlichen Erträge deutlich steigern, wie das Projekt mit dem Titel „Förderung der Kleinbewässerung und der Ernährungssicherheit“ der KfW zeigt. Weil es so erfolgreich war, finanziert die KfW Entwicklungsbank mit 43 Mio. EUR im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nun eine zweite Phase. Die neue Projektphase wurde am 8. März 2021 feierlich durch den nigrischen Premierminister Brigi Rafini in der Region Tahoua eröffnet.

Die Landwirtschaft im Niger könnte deutlich produktiver sein, als sie derzeit ist. Obwohl ein Großteil der Bevölkerung von ihr lebt, bleibt sie hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das liegt vor allem an der häufig fehlenden Infrastruktur zur Wasserrückhaltung und Bewässerung. Zudem wirken sich die geringe Fruchtbarkeit der Böden, der starke Schädlings- und Krankheitsdruck sowie wenig nachhaltige und produktive Anbaumethoden erschwerend auf die landwirtschaftliche Produktion der Kleinlandwirte aus. Nicht nur die Produktion, auch die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte ist wenig entwickelt.

Hinzu kommt: Die Niederschlagsmengen schwanken, durch den Klimawandel noch stärker als früher; Extremwetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen nehmen zu. Dadurch fehlt einerseits Wasser, andererseits schwemmt es in bei starken Niederschlägen die Felder aus oder fließt ungenutzt ab. Beides wirkt sich negativ auf die Erträge der Kleinlandwirte aus.

Christine Plastrotmann und KfW-Büroleiterin Kerstin Laabs mit Kindern vor dem Schild "Vive la coopération allemande".
Christine Plastrotmann und KfW-Büroleiterin Kerstin Laabs mit Kindern vor dem Schild "Vive la coopération allemande".

Verbesserte Ernährungssicherheit durch gestiegenen Getreide- und Gemüseanbau

Dass es auch anders geht, zeigt ein Projekt der KfW in den Regionen Agadez, Tahoua und Tillabéri. Dort wurden seit 2017 unter anderem Sohlschwellen zur Erhöhung des Grundwasserspiegels, Brunnen und Kleinbewässerungsperimeter errichtet. Jetzt ist das ganze Jahr über Wasser verfügbar, so dass auch in der Trockenzeit Gemüse und Getreide angebaut werden können und Wasser für die Viehhaltung vorhanden ist.

Dadurch hat sich die durchschnittliche Anbaufläche der Bewässerungslandwirte deutlich erhöht. Außerdem können sie statt ein nun bis zu drei Mal im Jahr anpflanzen und ernten. Beim Anbau von Tomaten und Kartoffeln sind die Erträge beispielsweise signifikant angestiegen: An den Projektstandorten in der Region Tahoua konnten rd. 84 % mehr Tomaten geerntet werden und in der Region Tillabéri steigerten die vom Projekt begünstigten Kleinlandwirte ihre Kartoffelerträge um rd. 83 %. Das macht einen großen Unterschied in einem Land, in dem ein Teil der Bevölkerung regelmäßig hungert.

Potenziale bisher nur zu einem Bruchteil genutzt

Schätzungen zufolge könnten fast 11 Millionen Hektar Anbaufläche durch den Ausbau der Bewässerungsinfrastruktur im Niger für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden; derzeit geschieht das erst bei knapp 128.000 Hektar und damit nur bei etwa 1,2 Prozent der möglichen Fläche. Diesen Wert in den nächsten Jahren auf 5 Prozent zu steigern, ist ein prioritäres Ziel der nigrischen Regierung. Deshalb finanziert die KfW im Auftrag des BMZ jetzt eine zweite Phase des Vorhabens mit dem Titel „Förderung der Kleinbewässerung und der Ernährungssicherheit“ (auf Französisch:„Promotion de la Petite Irrigation et de la Sécurité Alimentaire (PISA)“). Der Präsident der Nutzergruppe Sabara in der Gemeinde Tajaé kommentiert: „Schon jetzt spüren wir den Rückgang der Abwanderungsrate, die Diversifizierung der Nahrungsmittel sowie gestiegene Zahlen bei den Schulbesuchern. Angesichts des Interesses und der Begeisterung in der Bevölkerung freuen wir uns über die Ausweitung des Programms."

Ähnlich wie bei PISA I geht es darum, die Verfügbarkeit von Wasser durch kleine bauliche Maßnahmen zu verbessern, die Bewässerungsflächen auszuweiten und gleichzeitig den Bau von Viehtränken, Lagerhallen und Pisten zu den nächsten Märken zu finanzieren. Auch der Erosionsschutz gehört zu den vielfältigen Maßnahmen, die zusammengenommen der nigrischen Landwirtschaft einen Modernisierungsschub verleihen sollen. Ausgewählt werden sie nicht am grünen Tisch, sondern über ein partizipatives Antragsverfahren, bei dem Kommunen und Nutzergruppen Anträge zur Finanzierung einreichen können. Regionale Auswahlkomitees, denen auch zivilgesellschaftliche Akteure angehören, entscheiden anhand sozialer, ökologischer, technischer und wirtschaftlicher Kriterien, welche der eingegangenen Anträge förderwürdig sind. So ist sichergestellt, dass die Veränderungen auch wirklich bei denjenigen ankommen, die sie am dringendsten brauchen: den Kleinlandwirten. Bei PISA I wurden 1.218 Anträge eingereicht, wovon insgesamt 193 Anträge finanziert werden konnten. Im Zuge der zweiten Phase kann nun ein Großteil der noch nicht bedienten Anträge umgesetzt werden.

Schaffung von Perspektiven

Rund 460.000 Menschen haben von der unter PISA I bereitgestellten Infrastruktur profitiert. Auch am Ende der zweiten Phase, die bis 2025 vorgesehen ist, werden zahlreiche nigrische Kleinbauern mehr ernten und einnehmen können, aller klimatischen Veränderungen durch die Erderwärmung zum Trotz. Mit Blick auf den Staudammstandort Kaoura-Foga, an dem die Eröffnungsfeier der zweiten Projektphase stattfand, unterstrich der nigrische Premierminister Brigi Rafini, dass im Zuge des Staudammbaus die Wasserverfügbarkeit und damit zusammenhängend die landwirtschaftliche Produktion signifikant gesteigert werden kann. Dies habe wiederum positive Auswirkungen auf die lokale Wirtschaftsentwicklung sowie den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Ähnliche Wirkungen können auch an den zahlreichen anderen Projektstandorten von PISA 2 erzielt werden. Dies ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil einige Projektstandorte in sicherheitskritischen Gebieten liegen, wo es bislang an vielversprechenden Perspektiven mangelte. Durch die Maßnahmen von PISA 2 ergeben sich für die lokale Bevölkerung ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten.

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