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Meldung vom 15.02.2021 / KfW Entwicklungsbank

Sudan – wichtige und schnelle Unterstützung für ein Land im Umbruch

Mann läuft mit Plastiktüte durch Khartoum
Straßenszene in Khartum.

Im Jahr 2020 hat die Bundesregierung die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Sudan wieder aufgenommen. Die Herausforderungen sind enorm, nötige Reformen werden durch den Aufbau eines sozialen Sicherungsnetzes begleitet. Dafür hat die KfW bis Ende Januar 2021 insgesamt 100 Mio. EUR für drei Programme aus Mitteln des BMZ bereitgestellt.

Seit dem Kollaps des Regimes unter Umar al-Bashir im November 2019 befindet sich der Sudan in einer Phase des Umbruchs. Nach 30 Jahren Diktatur und Misswirtschaft keimt in der Bevölkerung die Hoffnung auf Friedensbildung, gute Regierungsführung und wirtschaftliche Erholung. Besonders die jungen Menschen haben hohe Erwartungen an die Übergangsregierung unter Abdalla Hamdok und hoffen, dass sich ihre Lebensbedingungen schnell verbessern werden. Die Regierung unternimmt enorme Reformanstrengungen, doch die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen sind riesig und die Unterstützung für die Regierung steht auf fragilem Fundament.

Multilaterale Organisationen und Entwicklungspartner, darunter auch Deutschland und die EU, haben sich zusammengetan, um das Land in seinem Transitionsprozess zu unterstützen. Nicht zuletzt, weil der Sudan auch für die Stabilität am Horn von Afrika, Nordafrika und der Sahelzone von großer politischer Bedeutung ist, beschloss der Bundestag im Februar 2020 die offizielle Wiederaufnahme der lang unterbrochenen Entwicklungszusammenarbeit mit der sudanesischen Regierung. Damit wurden auch für die KfW Entwicklungsbank die Weichen gestellt, ihr Engagement im Sudan auszubauen.

Bereits seit einigen Jahren arbeitet die KfW im Auftrag der Bundesregierung mit dem Kinderhilfswerk UNICEF und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um die Situation von Kindern und die Ernährungssituation der Menschen zu verbessern. So wird seit 2017 unter anderem für 42.000 Menschen Zugang zu Wasser- und Sanitärversorgung verbessert, 15.000 Kinder profitieren vom Ausbau von Schulen und über 13.000 Kinder auf der Flucht erhielten psychosoziale Unterstützung.

Frauen bei einem Gespräch im Healthcare Center
Von UNICEF betriebenes Gesundheitszentrum in Kassala.

Nun geht es darum, den fragilen Transitionsprozess und die Friedensbemühungen der Übergangsregierung zu unterstützen. Die Regierung muss dringende wirtschaftliche Reformen angehen, einerseits um die enorme Schuldenlast und die hohe Inflation zu verringern und andererseits, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung spürbar zu verbessern. Beide Ziele zu vereinbaren, ist eine knifflige Aufgabe. Durch die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie und die extremen Überflutungen im Herbst 2020 haben viele Menschen ihre Lebens- und Einkommensgrundlage verloren.

Um diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten für die Bevölkerung abzufedern, sollen die Reformen durch den Aufbau eines sozialen Sicherungsnetzes begleitet werden. Dafür hat die KfW bis Ende Januar 2021 insgesamt 100 Mio. EUR für drei Programme aus Mitteln des BMZ bereitgestellt.

Im Zentrum der Unterstützung steht das „Sudan Family Support Program“ (SFSP). Über dieses Programm sollen in den kommenden zwei Jahren bis zu 80 % der sudanesischen Bevölkerung mit direkten Transferzahlungen an die Familien erreicht werden. Dafür beteiligt sich die KfW Entwicklungsbank mit 60 Mio. EUR gemeinsam mit zahlreichen anderen internationalen Gebern am Treuhandfonds “Sudan Transition and Recovery Support” (STARS), der von der Weltbank verwaltet und in Zusammenarbeit mit der sudanesischen Regierung umgesetzt wird.

Das SFSP wird zunächst in und um die Hauptstadt Khartum gestartet. Damit auch die ländlichen Regionen des Sudans zeitnah unterstützt werden, finanziert die KfW zusätzlich mit 20 Mio. EUR des BMZ einen ländlichen Piloten des SFSP in den besonders benachteiligten Regionen Nord- und Westdarfur. Dort ist nach jahrelangen bewaffneten Kämpfen die wirtschaftliche Not besonders ausgeprägt. Den Familien mangelt es an Nahrungsmitteln, Grundversorgung und wirtschaftlichen Perspektiven. Die Umsetzung dieser Maßnahmen vor Ort erfolgt durch das Welternährungsprogramm (WEP), das dabei eng mit der sudanesischen Regierung kooperiert.

Über die aktuellen Herausforderungen hinaus herrscht insbesondere unter Müttern und Kleinkindern im Sudan ein besonders großer und struktureller Unterstützungsbedarf: Knapp 90 % aller Kinder erhalten nicht die empfohlene Mindestmenge an Nahrung, 30 % aller Mütter sind ebenfalls unterernährt – die Langzeitfolgen für die Entwicklung der Kinder sind gravierend. Mit weiteren 20 Mio. EUR unterstützt die KfW im Auftrag des BMZ deshalb den Aufbau eines „1.000 Tage-Programms“ zur sozialen Sicherung für Mütter und Kinder in den für ihre Entwicklung besonders bedeutenden ersten 1.000 Tagen ihres Lebens. Das Programm ist Teil des Corona-Sofortprogramms des BMZ. Es wurde gemeinsam von KfW und UNICEF entwickelt und ist im Sudan das erste seiner Art. Rund 50.000 Mütter bzw. schwangere Frauen und ihre – geschätzt 50.000 - Kinder sollen Transferzahlungen zum Kauf von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten erhalten. In Ergänzung dazu werden die (angehenden) Mütter im Bereich gesunde Ernährung und Hygiene geschult. Die berechtigten Frauen und Mütter werden in Gesundheitszentren registriert und erhalten personalisierte Bankkarten. Dieses Vorgehen erlaubt eine hohe Sicherheit bei den Transferzahlungen und ermöglicht zudem eine genaue Überprüfung des Zahlungsverkehrs.

Diese neuen Initiativen zur Unterstützung des sudanesischen Transitionsprozesses fügen sich in den ganzheitlichen Ansatz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ein. Neben der sozialen Sicherung und der wirtschaftlichen Wiederbelebung stehen im Fokus des FZ-Engagements die Stärkung der Resilienz vulnerabler Bevölkerungsschichten und die Verbesserung von Basisdienstleistungen wie Gesundheit, Bildung und Trinkwasserversorgung.

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