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Meldung vom 28.01.2021 / KfW Entwicklungsbank

“Remote“ arbeiten birgt enorme Chancen für die Entwicklungszusammenarbeit

Konferenz von BMZ und KfW: Zusammenarbeit mit Partnern auch „aus der Ferne“

Moderatorin Carmen Hentschel führt durch die digitale Konferenz
Moderatorin Carmen Hentschel führte durch die Konferenz.

Über 800 Teilnehmer aus aller Welt nahmen an der Konferenz „Fragile Contexts, Digitalisation, Remote Management, Monitoring and Verification“ von BMZ und KfW Mitte Januar 2021 teil, die Corona-bedingt online stattfand. Sie präsentierte Möglichkeiten für die Entwicklungszusammenarbeit, Projekte aus der Ferne zu planen, zu steuern, zu überwachen und zu evaluieren. Die COVID 19-Pandemie hat den Bedarf an solchen Lösungen sprunghaft wachsen lassen. Welche neuen Wege öffnen sich damit der Entwicklungszusammenarbeit?

„Das Arbeiten in fragilen Kontexten ist die neue Normalität“, erklärte Stephan Opitz, Mitglied der Geschäftsbereichsleitung der KfW Entwicklungsbank. „Die Erfahrungen bei der Fernsteuerung von Vorhaben in fragilen Ländern helfen jetzt, auch in Zeiten von Corona mit den gegebenen Reisebeschränkungen, Vorhaben umzusetzen.“

Was bisher vornehmlich in Ländern wie etwa Afghanistan, dem Jemen oder Südsomalia notwendig war, nämlich Steuerung, Monitoring und Evaluierung auf Distanz, wird in Zukunft sehr viel mehr genutzt werden. Möglichkeiten von Remote Management, Monitoring and Verification (RMMV) erprobt die KfW Entwicklungsbank auch in eigens dafür eingerichteten Räumen, den RMMV-Labs. Ihre Erfahrungen sammelt sie seit 2018 im RMMV-Handbuch, das noch im Laufe dieses Jahres aktualisiert und veröffentlicht wird.

Enorme Chancen

„Bei RMMV in fragilen Kontexten geht es weniger um das, was wir tun, als vielmehr darum, wie wir es tun“, sagte Prof. Claudia Warning, Abteilungsleiterin Asien, Südost- und Osteuropa, Naher Osten, Lateinamerika, Zivilgesellschaft und Kirchen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Die dringende Frage ist: Wie können wir handlungsfähig bleiben und Risiken reduzieren, gleichzeitig die Wirkung unserer Vorhaben verbessern?“ Die Digitalisierungsstrategie des BMZ besitzt in der Agenda 2030 eine hohe Priorität.

Die Konferenz stellte eine Fülle neuer Methoden vor, um RMMV zu ermöglichen und zu erleichtern. Die KfW präsentierte etwa die Plattform „OSCAR“, ein Geo-Informationssystem für das Gesundheitswesen. OSCAR wurde bereits für Nepal implementiert, es zeigt die Reichweite von Krankenhäusern, ihre Ausstattung mit Gesundheitspersonal und aktuell die Inzidenz der COVID 19-Pandemie. In wenigen Monaten lässt sich das System für andere Länder adaptieren. Es ist bewusst als Open Source-Lösung gestaltet, um interessierten Programmierern eine Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Laptop der die Konferenz zeigt.
Über 800 Teilnehmer aus aller Welt nahmen an der RMMV Konferenz, die Corona-bedingt online stattfand.

RMMV-Handbuch der KfW

Die KfW-Experten Maja Bott, Marlene Schild und Michael Gruber stellten das RMMV-Handbuch der KfW vor, das derzeit grundlegend überarbeitet wird. Es bietet eine Hilfestellung, um RMMV-Methoden schon beim Design eines Vorhabens oder sogar bereits in ersten Gesprächen mit Partnerregierungen mitzudenken. In die Projekte sind typischerweise zahlreiche Akteure eingebunden, von den Auftraggebern über die Ministerien der Partnerregierung bis hin zu Consultants, anderen Gebern und den Vertreterinnen und Vertretern der Zielgruppe. Die klare Definition von Begriffen und Tools im neuen RMMV-Handbuch wird den Dialog zwischen diesen Beteiligten erleichtern. Die Diskussion bei der Konferenz zeigte, dass noch Fragen offen sind. Wie wirkt sich RMMV auf die Kosten eines Projekts aus? Wie kann der Versuchung des Mikro-Managements widerstanden werden? Wie sind Datenredundanzen zu vermeiden? Wie können die Daten der Zielgruppen geschützt werden?

Die Fülle der Lösungen, die Geber, Entwicklungsbanken, Stiftungen, der Privatsektor, die Wissenschaft und Nicht-Regierungsorganisationen bei der Konferenz präsentierten, zeigen die Dynamik, mit der RMMV derzeit vorangetrieben wird. Die Auswertung von Satellitendaten, Monitoring per Smartphone-Apps und Künstliche Intelligenz ermöglichen ungeahnte Einsichten in die Projektregionen. Damit entsteht eine neue Transparenz in den Fortschritt und die Wirkung von Entwicklungsvorhaben. In zwei weiteren Experten-Workshops wurden verschiedenen Kapitel des Handbuchs vertieft betrachtet. Zudem wurden alle Interessierte eingeladen, das aktualisierte Handbuch vor Veröffentlichung zu kommentieren.

In einer virtuellen Messe zeigten Organisationen wie die Europäische Raumfahrtagentur ESA, Oxfam und andere ihre Instrumente und Methoden für RMMV.

Datensicherheit beachten

Bei aller Euphorie über die technischen Möglichkeiten bleibt der Grundsatz „do no harm“ zu berücksichtigen. Ann-Kathrin Bregovic von Arqaam Monitoring und Evaluation betonte die ethischen Rahmenbedingungen von RMMV. Allen voran müsse das Einverständnis aller Beteiligten eingeholt werden, und zwar nach einer gründlichen Information darüber, welche Daten zu welchem Zweck erhoben würden. Die Daten müssen verschlüsselt und sicher gespeichert und übermittelt werden. „Hinter jeder Dateneinheit steht ein Mensch“, sagte Bregovic.

Andreas Foerster, BMZ-Referatsleiter für Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit, erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass beim Projektdesign von Anfang an zu überlegen sei, welche Daten für ein angestrebtes Projektziel überhaupt benötigt werden und wie diese so effizient wie möglich gesammelt und analysiert werden könnten. Er stellte verschiedene Leuchtturmprojekte des BMZ vor, wie etwa die Online-Lernplattform atingi, und präsentierte das Dashboard, das einen Überblick über die Qualität und Quantität der Digitalisierungsvorhaben des Ministeriums bietet. Die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit sei von Datennutzung bestimmt (data driven), prognostizierte Foerster.

Vertrauen schaffen

Vor einer „Rekolonialisierung“ der Entwicklungsländer durch die Datennutzung der westlichen Welt warnte Lionel Bodin von Accenture Development Partnerships. „Es gibt keine einfache Antwort.“ Er erwartet eine zunehmende Verschmelzung von analoger und digitaler Realität.

„RMMV wird unsere Arbeitsweisen fundamental verändern“, sagte Stephan Opitz im Schlusswort zur Konferenz, an der sich die Teilnehmenden mit Online-Abstimmungen und Chats lebhaft beteiligten. „Wir werden durch diese Technologien näher an den Begünstigten dran sein. RMMV ist eine Investition, um qualitativ bessere und noch wirksamere Projekte für diese Menschen aufzusetzen – egal wie entlegen deren Zuhause auch sein mag“.