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Die Welt ist nicht auf Kurs – im Kampf gegen den Hunger

Meldung vom 21.10.2020 / KfW Entwicklungsbank

Veranstaltung der KfW Entwicklungsbank zusammen mit der Welthungerhilfe

Eine Kenianerin mit Maske träg ihr Kind auf dem Rücken und Einen Beutel Lebensmittel in der Hand.
Mutter und Kind im kenianischen Slum Kibera. Ausreichend und gesunde Nahrung zu erhalten, ist für die Armen in Zeiten von Corona noch schwieriger geworden.

In den vergangenen 20 Jahren hat die Weltgemeinschaft deutliche Fortschritte beim Zurückdrängen des Hungers gemacht. Allerdings ist die Geschwindigkeit, mit der das geschah, nicht hoch genug, um ihn in absehbarer Zeit zu beseitigen. Und jetzt droht COVID-19, diesen positiven Trend umzukehren. Was in Zeiten der Pandemie im Kampf gegen den Hunger am besten zu tun ist, darum drehte sich eine virtuelle Podiumsdiskussion der Welthungerhilfe in Zusammenarbeit mit der KfW anlässlich der Vorstellung des diesjährigen Welthungerindexes.

Nach wie vor leiden 690 Mio. Menschen unter Hunger, wie der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, vorrechnete. 144 Mio. Kinder seien wachstumsverzögert, 47 Mio. Kinder litten an Auszehrung und 5,3 Mio. Kinder unter fünf Jahren seien zuletzt jährlich an den Folgen von Unterernährung gestorben. In elf Ländern, darunter zahlreiche südlich der Sahara wie im Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, in Somalia und Madagaskar, ist die Lage sehr ernst. In weiteren 40 ist sie ernst. „Wenn es so weitergeht, werden mindestens 37 Länder das Ziel ´Zero Hunger´ bis zum Jahr 2030 nicht erreichen“, so Mogge.

Dabei stammen diese Zahlen noch aus Zeiten vor der Pandemie. Deshalb ist anzunehmen, dass sich die Lage noch weiter zuspitzen wird. Ohne schnelle Hilfen, sagte Ertharin Cousin, Agrarexpertin und Gastwissenschaftlerin an der Stanford Universität, in einer Keynote-Ansprache litten bereits zum Ende dieses Jahres 130 Mio. Menschen zusätzlich an Hunger. Die Weltbank zitierte sie mit der Prognose, dass Subsahara-Afrika die erste Rezession in 25 Jahren und Lateinamerika den schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit dem Beginn der Aufzeichnung von Wachstumsraten erleben werde.

Dabei hat COVID-19, wie Cousin ausführte, noch einmal die Schwächen unseres globalen Ernährungssystems offengelegt: Es sei weder fair noch nachhaltig. „Umso dringlicher ist jetzt rasches und entschlossenes Handeln auf allen Ebenen und über alle Sektoren hinweg“, so Cousin. Und dazu brauche es deutlich mehr Finanzmittel: Aktuellen Studien zufolge wären zusätzlich 14 Mrd. EUR pro Jahr für Entwicklungs- und Schwellenländer nötig. Das käme einer Verdoppelung der bisherigen internationalen Mittel gleich.

Soziale Distanz eignet sich nicht für Staaten

Auch KfW-Abteilungsleiterin Barbara Schnell vertrat in ihrem Grußwort die Ansicht, die Pandemie zeige deutlicher als jemals zuvor: „Globale Herausforderungen brauchen internationale Zusammenarbeit.“ Soziale Distanz sei wichtig zum Eindämmen der Pandemie. „Aber sie eignet sich nicht für Staaten. Und sie darf nicht zum bestimmenden Faktor in der Außen- und Sicherheitspolitik werden.“ COVID-19 zwinge zu gemeinsamem Handeln und zwar mit einem umfassenden One-Health-Ansatz, der die Gesundheit von Menschen, Tier und Umwelt als Einheit betrachtet und nachhaltige Landwirtschaft in diesen größeren Zusammenhang stellt.

Die KfW habe im Auftrag der Bundesregierung direkt im Frühjahr ein 5 Mrd. EUR umfassendes Corona-Sonderprogramm auf den Weg gebracht, das sowohl kurzfristige Hilfen in Form etwa von medizinischem Gerät als auch langfristige Unterstützung für Gesundheits-, Agrar- und Ernährungssysteme enthalte.

Lebhafte Debatte um den besten Weg

Im Anschluss an Grußwort, Keynote und die Vorstellung der neuen Hungerzahlen aus dem Welthungerindex entspann sich eine lebhafte Debatte über den besten Weg, um die negative Wirkung von COVID-19 auf die Welternährungslage abzumildern. Es diskutierten die Professorin Sabine Gabrysch von der Berliner Charité, die Unterabteilungsleiterin Cornelia Berns vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie Ursula Langkamp, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in Sierra Leone.

Die drei deckten ein breites Feld an Aspekten ab, waren sich aber insgesamt einig, dass das bisherige Ernährungssystem in dieser Form nicht funktioniert: Zu ungerecht, zu unausgewogen, zu umweltfeindlich und zu wenig an den Bedürfnissen der Armen und kleinen Produzenten orientiert. In der Summe sprachen sich die Referentinnen vor allem für eine stärkere Förderung von Kleinbauern aus. Sie müssten produktiver werden und benötigten dafür angemessenes Werkzeug, klare Landnutzungsrechte sowie bessere Zugänge zu Märkten, Lieferketten und Finanzdienstleistungen und schließlich auch faire Preise für ihre Produkte. Hier seien Regierungen gefordert.

In einem Flüchtlingscamp im Südsudan trennt eine junge Mutter Spreu von Getreide, neben sich ihr Baby auf einer Matte.
Grundnahrungsmittel allein reichen nicht für eine ausgewogene Ernährung. Hier trennt eine junge Mutter Spreu von Getreide in einem Flüchtlingscamp im Südsudan.

Zudem braucht es für eine gesunde Ernährung, darüber wurde ebenfalls ausführlich geredet, mehr als Grundnahrungsmittel wie Reis, Weizen oder Mais. Sie ist erst zusammen mit Vitaminen, Proteinen und Nährstoffen, also zum Beispiel mit Obst, Gemüse, Nüssen und Samen, ausgewogen. Kalorien allein reichen nicht. Um diese Vielfalt zu gewährleisten, empfiehlt sich auch eine Vielfalt bei Pflanzenarten und Anbaumethoden. Nur damit und mit produktiveren Kleinbauern lasse sich das Ziel erreichen, alle Menschen ausreichend und gesund zu ernähren.

Jeder trägt Verantwortung

Hunger ist allerdings nicht nur ein Phänomen entfernter Weltgegenden, sondern hat auch direkt mit jedem und jeder in den reicheren Ländern zu tun, wie verschiedene Rednerinnen feststellten. Welchen Preis wir für Lebensmittel zahlen, wie viel Essen wir verschwenden, wie viel Fleisch wir konsumieren, ob wir regional kaufen – all das beeinflusst das komplexe System der globalen Nahrungsmittelproduktion. „Jeder trägt Verantwortung“, lautete sinngemäß die Devise.

Ähnlich argumentierte auch die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, als sie am Ende der Veranstaltung festhielt: Hunger ist kein isoliertes Phänomen, sondern „Frieden, Hunger, Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Gesundheit gehören zusammen.“ Diesen Konnex habe die Pandemie noch einmal drastisch vor Augen geführt.

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