Tipp: Aktivieren Sie Javascript, damit Sie alle Funktionen unserer Website nutzen können.

Wettlauf mit der Zeit

Meldung vom 10.08.2020 / KfW Entwicklungsbank

Pflegerinnen und Pfleger an der Rezeption.
Die Pflegekräfte stellen sich auf eine steigende Anzahl an COVID-19-Patienten ein.

Vier Krankenhäuser zur Behandlung von COVID 19-Patienten finanziert die KfW im Auftrag der Bundesregierung im Irak. Die Zeit eilt: Im Herbst wird dort ein Höhepunkt der Pandemie erwartet. Bis dahin sollen die Krankenhäuser fertig gestellt sein.

Von Charlotte Schmitz

Für KfW-Portfoliomanager Moritz Remé kann es nicht schnell genug gehen. Er drängt seine Kollegen zu Überstunden, um die Verträge und Unterlagen für den Bau von vier Krankenhäusern mit je 100 Betten im Irak möglichst schnell anzustoßen. Diese sollen in den Großstädten Baghdad, Basra, Mosul und Süleymaniye errichtet werden. Die KfW finanziert im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Bau mit zunächst 15 Mio. EUR.

Dort wird die Hilfe dringend erwartet. Dr. Ali Rizgari, Direktor der Gesundheitsbehörde in Süleymaniye schildert die verzweifelte Lage. Im Juli werden durchschnittlich 200 Neuinfektionen täglich allein in seiner Stadt festgestellt, zehn Tote sind jeden Tag zu beklagen. „Es ist äußerst wichtig, hier ein neues Krankenhaus zu bauen, denn wir haben derzeit keine Einrichtung, die auf ansteckende Krankheiten spezialisiert ist“, schildert Dr. Rizgari die Lage. „Die Corona-Patienten sind auf vier Krankenhäuser verteilt, die nicht dafür ausgelegt sind. Häufig müssen wir Patienten evakuieren, um Platz zu machen für die Corona-Erkrankten.“ Er befürchtet, dass Patienten, die nicht zu den COVID 19-Fällen gehören, derzeit unzureichend versorgt werden.

Eine Simulation des Ansteckungsverlaufs nach einem WHO-Modell ergab, dass die irakischen Ballungszentren im Herbst am stärksten von der Pandemie heimgesucht werden. Bis dahin sollen die vier Behelfskrankenhäuser in Modulbauweise errichtet sein. Consultant Michael Weinhara von EPOS Health Management brütet über den Plänen. Wo ist der nächste Wasseranschluss, wo der nächste Transformator eines Elektrizitätswerks? Der Strombedarf eines Krankenhauses ist nicht durch einen einfachen Anschluss ans Netz zu decken, es werden höhere Kapazitäten benötigt. Wie viele Kilometer Kabel müssen bis zur nächsten Trafostation gelegt werden? Dies alles sind Faktoren, die über die Kosten der Krankenhäuser entscheiden. Wenn Bau und Ausrüstung möglichst günstig sind, könnte noch ein weiteres Krankenhaus entstehen, vermutlich im Westen Bagdads. Weinhara steht in täglichem Kontakt mit dem Träger REFAATO (Reconstruction Fund for Areas Affected by Terroristic Operations) und dem Gesundheitsministerium.

Die Krankenhäuser werden dringend gebraucht. Im Irak gibt es derzeit nur knapp 50.000 Krankenhausbetten, davon etwa 630 Intensivbetten. Hochrechnungen haben ergeben, dass im Herbst im Irak in etwa die doppelte Menge an Betten benötigt werden, davon 12.000 Intensivbetten allein für COVID-19-Patienten.

„Wir nutzen verkürzte Verfahren der KfW, die bei solchen Krisensituationen möglich sind“, erklärt KfW-Experte Moritz Remé. An die Stelle internationaler Ausschreibungen treten Preisanfragen direkt bei Bauunternehmen im Irak. „Unsere Entwürfe für die Behelfskrankenhäuser sind eine sehr schlanke Antwort auf die Krise, aber wir müssen das Rennen gegen die Zeit gewinnen“, verdeutlicht Remé. Trotz der Notlage seien die bürokratischen Strukturen – auf beiden Seiten, wie er betont – beharrlich. „Ich versuche, jeden Tag Zeit zu gewinnen, damit das Projekt vorankommt“, sagt Remé. Gleichzeitig wird Wert darauf gelegt, dass die Krankenhäuser im Irak auch nach einem Abflauen der Epidemie nutzbar sein werden. Dies muss bei der Planung berücksichtigt werden.

Unterdessen kämpft Dr. Ramadhan, Direktor der Gesundheitsbehörde in Mosul, mit der stetigen Zunahme der COVID 19-Fälle in seiner Stadt. Mosul gehört zu der Region, die jahrelang vom Islamischen Staat (IS) beherrscht war. „Durch Anschläge und den Kampf zur Befreiung der Stadt sind unsere Krankenhäuser stark zerstört“, erklärt Dr. Ramadhan. Das einzige Krankenhaus mit Isolierstation befinde sich in Mosul und biete lediglich 40 Betten für die Behandlung von COVID 19-Patienten. Er beklagt, dass ihm außerdem Diagnosekits und Beatmungsgeräte fehlen.

KfW-Consultant Weinhara arbeitet fieberhaft an der Beschaffung von Ausstattungsgegenständen für die im Irak geplanten Krankenhäuser. Die Lieferzeit für Beatmungsgeräte liegt derzeit bei mindestens sieben Monaten. Durch seine langjährige Berufserfahrung und das dadurch aufgebaute Netzwerk konnte Weinhara für die KfW ein Kontingent von Geräten sichern, die wegen ihrer Bedienerfreundlichkeit normalerweise in Notfallambulanzen und Rettungsfahrzeugen eingesetzt werden. Sie könnten im Irak gute Dienste leisten. Beatmungsgeräte sind derzeit weltweit gefragt, jede Art von Geräten wird sofort aufgekauft. Wenn alle an einem Strang ziehen und die mindestens vier Krankenhäuser im Irak bald stehen, könnten sie im Laufe eines Jahres die Versorgung für mindestens 7.000 stationäre Patienten sicherstellen. Die Pandemie kann nur gemildert werden, wenn Infektionen diagnostiziert, Infizierte isoliert und Erkrankte angemessen behandelt werden.

Kontakt

KfW Entwicklungsbank

Telefon

069 74 31-42 60

E-Mail

info@kfw-entwicklungsbank.de