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Der Managuasee - von einer Kloake zum Naherholungsgebiet

Meldung vom 20.03.2020 / KfW Entwicklungsbank

Techniker auf der Kläranlage.

Der Managuasee, auch Lago Xolotlán genannt, ist einer der beiden großen Süßwasserseen in Nicaragua. Er erreicht eine Länge von fast 60 Kilometern und ist bis zu 32 Kilometer breit. An seinem Ufer liegt die Hauptstadt Managua mit mehr als einer Million Einwohnern. Lange Zeit wurden die Abwässer sowohl der Haushalte als auch der Industrie ungeklärt in den See geleitet, er galt dadurch als biologisch so gut wie tot. Die Umgebung war nicht bewohnbar – auch wegen des furchtbaren Gestanks – und die Existenzgrundlage der Fischer gefährdet.

2004 wurde mit Unterstützung der deutschen Finanziellen Zusammenarbeit mit dem Bau einer Kläranlage begonnen, insgesamt 26 Mio. EUR steuerte die KfW Entwicklungsbank im Auftrag der Bundesregierung aus Bundesmitteln bei. Die Anlage wurde im Februar 2009 eingeweiht und filtert nun täglich 160.000 Kubikmeter Abwässer, davon profitieren rd. 780.000 Bewohner. Innerhalb von zwei Jahren nach der Eröffnung der Anlage hatte sich die Wasserqualität des Sees bereits deutlich verbessert und die lokale Fischereiindustrie erholte sich. Am Seeufer gibt es nun die Flaniermeile „El Malecón“, die sowohl einheimische Besucher als auch Touristen anzieht. Es wurde eine lange Uferpromenade mit zahlreichen Restaurants und Attraktionen angelegt. Für die Bewohner Managuas bedeutet das eine Steigerung der Lebensqualität – nicht nur, was die Freizeitmöglichkeiten, sondern auch die Verbesserung ihrer Gesundheitssituation angeht.

Für den Betrieb der Anlage wurde eine Privatsektorbeteiligung mit der britischen Firma Biwater vereinbart. Dieses Konzept läuft so erfolgreich, dass es nach Ablauf des durch die FZ mitfinanzierten Betreibervertrags (2009 - 2014) vom Projektträger, dem nicaraguanischen Wasserversorgungsunternehmen ENACAL, fortgeführt und auf andere Kläranlagen im Land übertragen wurde. Der Schlüssel zum Erfolg des Projekts war die Erarbeitung einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung mit niedrigen laufenden Betriebskosten.

Klaranlage von Managua
Blick auf die Kläranlage.

Die Anlage wurde so konstruiert, dass sie unter Einsatz geeigneter Aufbereitungstechnologien langfristig erschwinglich ist. Technologisch gab es mit der sogenannten Tropfkörperreinigung eine echte Neuheit in Zentralamerika. Sie erfordert eine vergleichsweise einfache maschinelle Ausstattung bei relativ hohen Reinigungsleistungen zu verhältnismäßig niedrigen Betriebs- und Wartungskosten. Das Projekt verfolgt außerdem einen ganzheitlichen Ansatz: Im Rahmen von derzeit laufenden Ergänzungsmaßnahmen wird das bei der Klärschlammbehandlung entstehende Biogas zur Energieversorgung der Anlage genutzt und der behandelte Klärschlamm getrocknet und als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt.

Das Produkt „BIOsólidos XOLOTLÁN“ ist reich an Nitraten und erfüllt die gesetzlichen Normen. Im Zuge der Zulassung als Dünger für den nicaraguanischen Markt hat ENACAL außerdem auf einem Testgelände die Wirksamkeit des Düngers auf das Wachstum verschiedener Pflanzenarten untersucht.

Da die Anlage nach nun zehn Jahren Betrieb an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, wird derzeit ein Folgeprogramm zur Erweiterung der Behandlungskapazität vorbereitet. Im Rahmen dieses Programms sollen weitere Haushalte in Managua an die Kläranlage angeschlossen und außerdem die Abwässer der beiden angrenzenden Städte Tipitapa und Ciudad Sandino, die bislang noch unbehandelt in den See gelangen, ordnungsgemäß geklärt werden. Damit werden nicht nur die im Hinblick auf einen saubereren Managuasee bereits erreichten Erfolge gesichert, sondern die Wasserqualität des Sees noch weiter verbessert.

Kläranlage von innen
Der Verkauf des Düngers ist eine verlässliche Einnahmequelle.

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