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Fachkräftemangel in Laos

Meldung vom 23.12.2019 / KfW Entwicklungsbank

Innovatives Finanzierungsmodell für berufliche Bildung

4 Berufsschüler arbeiten an Kabeln
Laos benötigt Fachkräfte in vielen Sektoren. Hier bereiten sich Schüler einer Berufsschule auf ihre künftigen Aufgaben im Fahrzeugbau vor.

Seit 2004 fördert die KfW Entwicklungsbank den Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems in Laos. In der abschließenden Phase soll ein neuartiger Finanzierungsfonds die Kooperation von Berufsbildungsstätten und Privatsektor landesweit stärken und in die Zukunft führen.

Bei der dual-kooperativen Ausbildung sammeln Berufsschüler schon während der Ausbildung praktische Erfahrungen, sie verlassen die Schule als Facharbeitskräfte. Viele laotische Führungskräfte haben im Rahmen entwicklungspolitischer Zusammenarbeit in der ehemaligen DDR studiert. Sie haben die Vorteile dieser in Deutschland üblichen Ausbildungsform vor Jahrzehnten selbst erlebt und fördern heute die Entwicklung eines dualen Ausbildungssystems im eigenen Land. Denn die schnell wachsende laotische Wirtschaft braucht zunehmend Facharbeiter – und von denen gibt es noch immer zu wenige. Die KfW Entwicklungsbank unterstützt Laos seit fünfzehn Jahren bei der Einführung eines dualen Ausbildungssystems, die Gesamtzusagen aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) betragen über 30 Mio. Euro. „Wir freuen uns über die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit unseren laotischen Partnern“, erklärt Jan Wiegelmann, Leiter des KfW-Büros in der laotischen Hauptstadt Vientiane, „nur mit vereinten Kräften kann die Bildungswende gelingen“. Die Etablierung des neuen Berufsbildungssystems erfordert Zeit, Geld und Anstrengung: Bis 1986 wurde in Laos Planwirtschaft betrieben und noch heute bieten viele Berufsschulen Kurse an, die keine Arbeitsmarktrelevanz haben. „Ich erlebe den Facharbeitermangel als Wachstumsbremse, sowohl bei uns als auch bei unseren Auftraggebern“, erklärt etwa Chanthaboune Keobounekhoune, der früher in Leipzig studiert hat und heute der CEO eines laotischen Unternehmens für UXO Clearance ist, das Kampfmittelräumung betreibt. Zu seinen Auftraggebern zählen Infrastruktur-Firmen beispielsweise aus dem Straßen- oder Dammbau. Und längst nicht nur in diesen Branchen werden qualifizierte Arbeitskräfte gesucht.

Erfahrung mit dem dualen Ausbildungssystem

Die KfW Entwicklungsbank hat gemeinsam mit dem laotischen Bildungsministerium bereits vier Programme zur Förderung von Berufsbildungsprojekten abgeschlossen. Dabei wurden Schulgebäude, Werkstätten und Wohnheime gebaut, Maschinen und Lehrmaterial zur Verfügung gestellt, die Verbesserung der Berufsschullehrer-Ausbildung in die Wege geleitet. Die Evaluierung 2018 war vielversprechend. Im Zentrum der letzten Phase steht nun ein innovativer Finanzierungsfonds: Privatunternehmen und Berufsschulen können sich gemeinsam um finanzielle und technische Unterstützung für neue Ausbildungsgänge bewerben.

Mit dem laotischen Vizebildungsminister Prof. Dr. Kongsy Sengmany – der als ehemaliger Gaststudent in der DDR ausgezeichnet Deutsch spricht – haben wir uns über die Fortschritte in der Bildungswende unterhalten.

Dr. Kongsy, warum haben so viele Laoten keinen Beruf erlernt, der auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird?

Wir erleben derzeit einen massiven Umbruch bei der Nachfrage nach Bildung. Hatten eine Zeit lang vor allem Büroberufe starken Zulauf, so gibt es derzeit einen regelrechten Ansturm auf technische Berufe. Was uns fehlt, ist eine kontinuierliche, mit den staatlichen Entwicklungsprioritäten verzahnte und eng mit der Wirtschaft koordinierte berufliche Orientierung und Beratung. Dem können wir am besten mit der dualen Ausbildung Rechnung tragen, die mit Einführung des TVET-Gesetzes 2013 auch gesetzlich verankert wurde.

Das Lao-German Technical College (LGTC) in der Hauptstadt Vientiane nimmt eine Schlüsselrolle bei der Einführung dualer Bildungsgänge ein. Was zeichnet dieses College aus?

Am LGTC sind alle wichtigen Grundberufe für Metall- und Elektroindustrie vertreten. Schon heute werden die Ausbildungsgänge flexibel am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtet. Etwa 650 Absolventen verlassen jährlich diese Bildungseinrichtung – und es gibt dreimal so viele Bewerber. Zurzeit wird das LGTC um einen neuen Campus erweitert, um neue Berufe im Bereich schwerer Baumaschinen und Fördergeräte anbieten zu können, die in der Bauwirtschaft und im Bergbau gefragt sind.

Wie wird das duale Ausbildungskonzept im Land aufgenommen?

Bisher konnte vor allem das LGTC Erfahrungen in der dual-kooperativen Ausbildung sammeln. Hier sind die Zahlen vielversprechend. Die Erfolge vor allem bei der Vermittlung von Berufsschul-Absolventen in Beschäftigungsverhältnisse lassen den Zuspruch zu diesem neuen Konzept wachsen. Denn noch meinen viele Menschen: Je höher der Bildungsabschluss, desto größer die Berufseignung. Nur etwa 10% der Jugendlichen nehmen deshalb eine Facharbeiterausbildung auf, während 80% höhere Abschlüsse oder das Studium bevorzugen. Was noch immer fehlt, ist eine Ausbildungsbedarfsanalyse, die auf klaren Arbeitsmarktdaten beruht und in einer Klassifikation der Ausbildungsberufe mündet.

Vize-Bildungsminister Kongsy
Vizebildungsminister Prof. Dr. Kongsy Sengmany treibt die Berufsbildungsreform in Laos voran – damit Jugendliche einen nützlichen Beruf erlernen und Unternehmen fähige Fachkräfte im Land finden.
Lassen sich die Erfolge des LGTC auf andere Berufsschulen übertragen?

Die guten Erfahrungen des LGTC und dessen intensive Kontakte zu Unternehmen sind im ganzen Land bekannt. Die dabei entstehende „Win-Win-Situation“ für das College und die Unternehmen hat sich herumgesprochen, inzwischen beginnt an anderen Berufsschulen eine ähnliche Entwicklung. Doch das Knowhow über das Konzept der dualen Ausbildung und die berufspädagogischen Grundlagen verbreitet sich nicht automatisch. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit Unterstützung der KfW und der GIZ noch einen weiten Weg vor uns haben. Im Rahmen des aktuellen Programms werden wir nun auch zu der wichtigen Frage der Finanzierung dualer Ausbildung Neuland beschreiten.

Ein Finanzierungsfonds soll Unternehmen und Berufsschulen dabei unterstützen, gemeinsame Berufsbildungsangebote aufzubauen. Wie groß ist das Interesse der Firmen?

Das Interesse ist insgesamt groß, weil ja die Chance geboten wird, qualifiziertes Personal unter realen Betriebsbedingungen auszubilden. Allerdings sind bisher besonders Firmen mit europäischem Hintergrund und den entsprechenden Erfahrungen an der dualen Ausbildung interessiert. Wichtig wird sein, dass es uns gemeinsam mit dem Projektteam gelingt, die Ziele und Bedingungen dieser Art von Berufsbildungsfinanzierung überzeugend darzulegen. Und es geht darum, gemeinsam mit den Vorreitern Beispiele zu schaffen, die weitere Firmen anregen, sich in der Berufsbildung zu engagieren.

Mit welchen Maßnahmen wird der Fonds bekannt gemacht?

Wir nutzen ein breites Spektrum an Möglichkeiten: Bei der nationalen Berufsbildungskonferenz wurde das Projekt allen Schuldirektoren vorgestellt. An der laotischen Industrie- und Handelskammer und bei ausländischen Handelskammern in Laos finden Informationsveranstaltungen statt. Mit etlichen Branchenorganisationen gibt es eine enge Zusammenarbeit. Und neben den existierenden Beratungsstellen wird zurzeit mit Hochdruck an einem Internet-Portal gearbeitet, an dem geschulte Berater bei der Antragstellung helfen.

Für welche Branchen ist es besonders wichtig, neue Ausbildungsberufe anzubieten?

Das Programm schließt keine Branchen aus. Dennoch ergeben sich natürlich Schwerpunkte, zum Beispiel Landwirtschaft, Bergbau, der Tourismus- und Dienstleistungssektor sowie die verarbeitende Industrie. Eine starke Spezialisierung ist im technischen Bereich erforderlich. Neue Ausbildungsgänge etwa für Starkstromelektriker, Solartechniker, Mechatroniker oder IT-Experten sind ebenso wichtig wie eine gründliche Modernisierung bestehender Ausbildungsgänge. In Laos kann man zum Beispiel in vielen Geschäften mit dem Handy bezahlen. Auch das stellt neue Herausforderungen an klassische Berufe wie etwa den Buchhalter.

Laos und die KfW Entwicklungsbank arbeiten seit langem erfolgreich zusammen. Wie wichtig ist der Austausch mit deutschen Experten für Sie?

Ohne diesen Austausch und die deutsche Unterstützung hätten wir die Berufsbildung nicht auf den Stand bringen können, den wir heute erreicht haben. Das Ziel besteht nun darin, das Angebot an arbeitsmarktrelevanter Berufsausbildung und ihre Qualität weiter zu erhöhen. Die Wirtschaft des Landes entwickelt sich in hohem Tempo. Da werden viele Fachkräfte gebraucht.

Portrait von Herr Keobounekhoune, CEO der Auslao Investment and Consulting Co., Ltd
Chanthaboune Keobounekhoune ist CEO der Auslao Investment and Consulting Co., Ltd, Das Unternehmen ist wie viele andere Firmen in Laos vom Facharbeitermangel betroffen.

Die Hoffnungen der Wirtschaft

„Die Betriebe brauchen Arbeitskräfte, die auf dem neuesten Stand sind und Fachkompetenz haben“, sagt auch Chanthaboune Keobounekhoune, der CEO des UXO Clearance-Unternehmens. Und er nennt ein Beispiel: „Ich habe einen sehr guten Kontakt zum UXO Lao Training Center in Laos. Wir geben dem Center regelmäßig Feedback, welche Lehrinhalte gut und wichtig sind. Aber es gibt dort nicht genügend Trainer, und viele Trainer verfügen nicht über praktische Erfahrung. Auch wird nur an veralteten Suchgeräten ausgebildet. Meine Mitarbeiter nehmen deshalb an Schulungen in Deutschland teil. Nun aber bietet das neue Finanzierungsprogramm technische Unterstützung für Kooperationsprojekte mit Berufsschulen an. Ich finde diese Möglichkeit sehr interessant!“

Je mehr Menschen die Chancen erkennen, desto schneller kann es vorangehen mit der Berufsbildungswende in Laos. Zum Wohl der Betriebe, der Volkswirtschaft – und nicht zuletzt der vielen jungen Leute, die Arbeit suchen.

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