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Welt-Aids-Tag

Meldung vom 29.11.2019 / KfW Entwicklungsbank

„Peer Education“ – junge Südafrikaner engagieren sich im Kampf gegen HIV / Aids

Junge Afrikanerinnen unterhalten sich auf einer Messe
Gleichaltrige Ansprechpartner engagieren sich im durch die FZ geförderten Jugendprogramm „Activate!“ und versuchen die jungen Menschen dort zu erreichen, wo sich ihre soziale Realität abspielt.

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag – er erinnert an die Menschen, die an den Folgen der Infektion verstorben sind und an die weltweit 37,9 Millionen Menschen, die mit HIV leben. Viele von ihnen werden nur unzureichend versorgt. In etlichen Ländern sind Aufklärung und Prävention weiterhin mangelhaft– aus ganz unterschiedlichen Gründen. Seit Anfang der 80er Jahre bis 2013 haben sich etwa 74,9 Millionen Menschen mit HIV infiziert; allein 2018 starben weltweit 770.000 Menschen an den Folgen der Erkrankung. Mit fast 54 Prozent aller HIV-Neuinfektionen sind Ost- und das südliche Afrika am stärksten betroffen. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich die KfW Entwicklungsbank im Bereich HIV / Aids in 22 Ländern mit rund 434 Mio. Euro. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Aufklärung von Jugendlichen mit besonderem Fokus auf Mädchen in Subsahara-Afrika und Bereitstellung von Kondomen und anderen Verhütungsmitteln.

Situation in Südafrika

In Südafrika leben 7,7 Millionen Menschen mit dem Virus – jeder fünfte Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren ist infiziert. In den vergangenen Jahren wurden Fortschritte gemacht: Seit 2010 hat sich die Zahl der Todesfälle etwa halbiert und im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Neuinfektionen von 390.000 auf 240.000 gesunken. Die Regierung hat sich im Rahmen internationaler Vereinbarungen verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass 90 Prozent der Betroffenen über ihre Infektion Bescheid wissen und behandelt werden. Erhebliche Anstrengungen sind nötig, um diese Ziele zu erreichen.

Mehr als 60 Prozent der Infizierten sind Frauen und auch die Zahl der Neufinfektionen unter jungen Frauen zwischen 15 und 24 Jahren ist doppelt so hoch wie unter Männern gleichen Alters. Erschreckend: nur knapp die Hälfte der jungen Menschen dieser Altersgruppe weiß Bescheid über das Risiko einer HIV-Übertragung durch sexuelle Kontakte. Diejenigen, die sich am ehesten neuinfizieren, kommen aus schwierigen Verhältnissen: Armut, Gewalt gegen Frauen, Perspektivlosigkeit, zerrissene Familienbande. Die finanzielle Abhängigkeit gerade junger Frauen macht den sorglosen Umgang mit sexuell übertragbaren Krankheiten wahrscheinlicher. Ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist. Die FZ unterstützt dafür Maßnahmen, die auf Verhaltensänderung durch „Peer Education" abzielen. Engagierte Jugendliche werden in ihrer Entwicklung zu Führungspersönlichkeiten unterstützt, arbeiten anschließend in lokalen Gemeinden und geben das weiter, was sie zuvor selbst gelernt haben: Selbstbewusstsein erlangen und Initiative ergreifen.

Eine Krankenschwester führt einen HIV-Test durch und berät den Klienten.
Eine Krankenschwester führt einen HIV-Test durch und berät den Klienten.

Lesedi Meza vom Netzwerk „Activate!“

Eine der jungen Teamleiterinnen des landesweiten Jugendnetzwerks „Activate!“ ist Lesedi Meza. Vor fünf Jahren hat sie an dem Trainingsprogramm für Jugendliche teilgenommen, das von der südafrikanischen Stiftung DGMT mit Unterstützung der FZ angeboten wird. „Durch das Programm habe ich viel über Identität, Führung, die Arbeit der lokalen Regierung gelernt und auch, wie man verschiedene Interessengruppen einbindet“ sagt Lesedi. Seit 2012 haben über 4200 junge Menschen das „Activate! Leadership Program“ durchlaufen und bleiben über eine moderierte Platform als Netzwerk miteinander in Kontakt. Heute ist Lesedi Mentorin für das Programm „Boy Child You Matter“, das sie selbst ins Leben gerufen hat. „Im Programm versuche ich, die vernachlässigten Jungen anzusprechen, damit aus ihnen bessere Männer werden. Es gibt es viele Fälle von häuslicher Gewalt in Südafrika“, erklärt sie. In Johannesburg betreut sie 15 männliche Jugendliche, die nicht mehr zur Schule gehen oder drogenabhängig sind. Den Jungen will sie zum Beispiel unternehmerische Fähigkeiten vermitteln, die ihnen später zu einem Job verhelfen können. Im Land liegt die Arbeitslosenquote bei 29 Prozent, unter Jugendlichen sind es sogar 53 Prozent.

Bumb'Ingomso: Zukunft gestalten

Mädchen und junge Frauen zu stärken ist auch das Ziel des Programms „Bumb'Ingomso“ in der Provinz Eastern Cape, die eine der höchsten Infektionsraten landesweit aufweist. Der Name stammt aus der lokalen Sprache Xhosa und bedeutet „Zukunft gestalten“. In dem Programm werden verschiedene Ansätze der HIV-Prävention für die jungen Frauen miteinander kombiniert. Dazu gehören medizinische Angebote, wie zum Beispiel die jugendspezifische Qualifikation von Personal und die Einrichtung separater Sprechstunden an den öffentlichen Gesundheitszentren. In Schulen und den Stadteilen werden Clubs und Zusammenschlüsse fachlich begleitet, in denen Mädchen und Freuen sich gegenseitig helfen und unterstützen und dabei auch Gesundheitsfragen, Genderidentitäten / Gendernormen und andere gemeinsame Themen adressieren. Zur Bekämpfung von sexueller Gewalt arbeitet das Programm mit den lokalen Gemeinden sowie mit Polizei und Justiz zusammen und bietet für die Betroffenen sozial-psychologische Beratung an. Berufsberatung und Berufsvorbereitung sowie begleitende Angebote in Berufsschulen und der lokalen Universität bieten Unterstützung und helfen dabei, Chancen und berufliche Perspektiven zu schaffen und Lösungen für individuelle Probleme zu finden. Das aktive Netzwerk von Bumb'Ingomso besteht aus rund 9000 jungen Frauen, die sich gegenseitig unterstützen und damit ihre Resilienz gegen HIV und andere Risiken stärken.

Über diese zwei Programme hinaus werden in Südafrika im Bereich HIV-Prävention mehr als 1.5 Millionen HIV-Tests und Beratungsgespräche finanziert sowie 60 Gesundheitszentren vor allem im ländlichen Raum erweitert und ausgestattet.

Weiterführende Informationen:

Netzwerk „Activate"

Bumb'Ingomso

Kontakt

KfW Entwicklungsbank

Telefon

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E-Mail

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