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Nigeria wird poliofrei

Meldung vom 18.10.2019 / KfW Entwicklungsbank

Ein Säugling bekommt eine Polio-Impfung.
Eine UNICEF Gesundheitshelferin impft ein kleines Kind in Nigeria gegen Polio.

Seit dem 21. August 2016 gab es in Nigeria, und damit auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, keine Neuansteckungen mit dem Wildpolio-Virus. Diese 3-jährige Unterbrechung der Ansteckung stellt einen wichtigen Meilenstein dar auf dem Weg zur offiziellen Zertifizierung Nigerias als poliofrei.

Bei Poliomyelitis (kurz: Polio) handelt es sich um eine von Viren hervorgerufene Infektionskrankheit, die die Nervenzellen befällt und zu bleibenden Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod führen kann. Die Krankheit ist nicht heilbar und trifft vor allem Kinder unter fünf Jahren, weswegen sie auch unter dem Namen Kinderlähmung bekannt ist.

Im Jahr 1988 wurde anlässlich der 41. Weltgesundheitskonferenz die weltweite Polioausrottung als wichtiges Ziel festgelegt. Dieses Ziel verfolgt auch die „Global Polio Eradication Initiative“ (GPEI), eine öffentlich-private Partnerschaft von nationalen Regierungen unter der Leitung der fünf Hauptpartner – der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Rotary International, den US-amerikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Bill & Melinda Gates Foundation. Heute – mehr als 30 Jahre später – stehen wir kurz davor, dieses Ziel zu erreichen: Unter dem Schirm der GPEI ist es u.a. bereits gelungen, die Zahl der endemischen Länder von 125 auf noch drei, nämlich Afghanistan, Pakistan und Nigeria, zu reduzieren.

Nigeria auf der Zielgeraden

Die globale Strategie der GPEI sowie die nationalen, jährlich aktualisierten Polio-Bekämpfungs-Notfallpläne (Nigeria Polio Eradication Emergency Plan – NPEEP) haben die Weichen dafür gestellt, dass die Übertragung des Wildpolio-Virus in Nigeria seit 2016 gestoppt werden konnte. Die nigerianische Regierung wird bei der Umsetzung dieser Notfallpläne von den GPEI-Partnern und der Gebergemeinschaft unterstützt. Seit 2005 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) über die KfW mit dem „Programm zur Bekämpfung der Kinderlähmung“ rund 162 Mio. Euro für die Poliobekämpfung in Nigeria, insbesondere für die Unterstützung bei der Implementierung der Notfallpläne, bereitgestellt.

Neben landesweiten Routineimpfungen, sieht der jährliche Polio-Notfallplan landesweite und regionale Sonderimpfkampagnen mit Unterstützung durch WHO und UNICEF vor. Eine immense logistische Herausforderung besteht hierbei in der zeitgerechten Verteilung der Impfstoffe sowie der Rekrutierung, Einweisung und Überwachung der jährlich rund 200.000 –400.000 Impfhelfer und Gemeindemobilisatoren, von denen viele Frauen sind. Ziel ist es, alle Kinder unter fünf Jahren durch Impfungen vor dem Polio-Virus zu schützen, auch in den sicherheitskritischen nördlichen Regionen Nigerias, in denen islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram immer wieder Anschlägen verüben. Ein situationsspezifisches Sicherheitskonzept, das die Begleitung von Impfpersonal durch das nigerianische Militär beinhaltet sowie die sog. „Hit-and-run–Strategie“, die kurzfristige Organisation und schnelle Durchführung einer Impfkampagne, sollen die Gesundheitshelfer bei ihren Einsätzen in den gefährlichen Regionen schützen.

Zwei nigerianische UNICEF-Helferinnen unterhalten sich.

Das rasche Bevölkerungswachstum sowie die prekäre Sicherheitslage im Nordosten des Landes stellen weiterhin Risiken für ein Wiederauftreten des Wildpolio-Virus dar. Umso wichtiger ist es, Nigeria und GPEI auch weiterhin zu unterstützen, um die Erfolge zu sichern.

Im Rahmen der Regierungskonsultationen vom 3. – 4. Oktober 2019 sowie anlässlich der Reise des Bundesgesundheitsministers Spahn nach Nigeria am 5. Oktober 2019 hat die Bundesregierung weitere 26,8 Mio. Euro für eine neue Phase des „Programms zur Bekämpfung der Kinderlähmung“ zugesagt, bei dessen Durchführung der Partner von der KfW seit nunmehr 14 Jahren begleitet wird. Die Mittel sollen noch in diesem Jahr zur Umsetzung des nationalen Polio-Notfallplans 2020 zur Verfügung gestellt werden.

Nigeria ist auf der Zielgeraden: Es könnte schon bald offiziell als poliofrei zertifiziert und von der Liste der endemischen Länder gestrichen werden und damit den Weg für die Zertifizierung des afrikanischen Kontinents als poliofrei ebnen – ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur weltweiten Ausrottung Wildpolio-Virus.

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