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Meldung vom 21.07.2022 / KfW Entwicklungsbank

Power-to-X – Potenzial auch in Algerien

Ein Mann hält eine Rede auf einer Bühne, neben ihm steht eine Fahne
Karim ould Chih während des Workshops in Algier.

Im September 2021 vereinbarten Algerien und Deutschland eine vertiefte Zusammenarbeit in zwei Themenfeldern: Privatsektor- und Finanzsektorförderung und Erneuerbare Energien. Mitte Juli fand nun in Algier ein Workshop mit algerischen Ministerien, dem Fraunhofer-Institut und der KfW Entwicklungsbank statt – sondiert wurden Möglichkeiten der Erzeugung von grünem Wasserstoff.

35 Vertreter aus dem algerischen Außenministerium, dem Ministerium für Energie und Bergbau, dem Ministerium für Energiewende und Erneuerbare Energien, dem Industrieministerium und dem Ministerium für Höhere Bildung sowie der Fraunhofer-Gesellschaft und der KfW Entwicklungsbank nahmen teil. Von algerischer Seite eröffneten der Generaldirektor für Prospektion des Ministeriums für Energie und Bergbau, Herr Medjelled, und der Kabinettschef des Ministeriums für Energiewende und Erneuerbare Energien, Professor Hammoudi, den Workshop. Die KfW hat die Fraunhofer-Gesellschaft beauftragt, eine Studie mit dem Titel "Bewertung und Analyse des Power-to-X-Marktes und der Investitionsmöglichkeiten für Algerien" durchzuführen. Es werden Szenarien entwickelt, die die Bewertung der Ressourcen für erneuerbare Energien, eine Analyse des Potenzials für die Produktion von grünem Wasserstoff, die Identifizierung von potenziellen Standorten, die Errechnung der Kosten für die Wasserstoffproduktion und den Transport sowie die Bewertung der Nachhaltigkeit umfassen. „Der Workshop lief prima“, berichtet Karim ould Chih, in der KfW verantwortlich für das Vorhaben. „Die algerischen Partner sind sich des Potenzials von grünem Wasserstoff für die Entwicklung ihres Landes bewusst und bringen sich aktiv in die Durchführung der Studie ein.“

Bereits 2015 wurde die deutsch-algerische Energiepartnerschaft geschlossen, sie zielt zum einen darauf ab, einen Beitrag zur globalen Energiewende zu leisten und zum anderen die algerischen Bemühungen beim Ausbau erneuerbarer Energien zu unterstützen. Algerien besitzt ein hohes Potenzial an erneuerbaren Energien, vor allem an Wind- und Solarenergie, das zurzeit noch fast nicht genutzt wird. Die durchschnittliche jährliche Sonneneinstrahlung liegt bei 2.650 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter, im Süden des Landes bei über 3.000 kWh pro Quadratmeter. Zum Vergleich: in Deutschland liegt die Sonneneinstrahlung bei rund 1.000 kWh! Neben sehr guten Bedingungen für die Erzeugung erneuerbarer Energien gibt es entlang der Nordküste Algeriens eine hervorragende logistische Infrastruktur mit rund 15 Häfen, einem ausgedehnten Gasnetz und zahlreichen Raffinerien.

Grüner Wasserstoff zählt zu den vielversprechendsten Energie-Alternativen der Zukunft. Er gilt als der entscheidende nächste Schritt in der Energiewende. Vor allem für energieintensive und schwer elektrifizierbare Branchen wie die Stahlherstellung oder für den Schwerlastverkehr sind alternative Brennstoffe unverzichtbar, um die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Wasserstoff ist ein vielfältig einsetzbarer Energieträger. Er wird bereits heute, v.a. in der chemischen Industrie eingesetzt, jedoch bislang nicht klimaneutral. Er kann in Brennstoffzellen oder als Basis für synthetische Kraft- und Brennstoffe genutzt werden. Er kann aber auch als Speicher überschüssiger erneuerbarer Energien dienen (Power-to-X). Allerdings wird für die Gewinnung von Wasserstoff mithilfe des Elektrolyseverfahrens sehr viel Strom benötigt. Umso wichtiger, dass der Strom aus regenerativen Quellen kommt, denn erst dann ist der Wasserstoff „grün“. Wasserstoff ist für Algerien eine Chance, dem Ausbau erneuerbarer Energien einen weiteren Impuls zu geben.

Flächenmäßig ist Algerien das größte Land Afrikas und das bevölkerungsreichste im Maghreb. Die Wirtschaft ist stark abhängig von Erdöl, Erdgas und petrochemischen Produkten – aufgrund stark schwankender Weltmarktpreise ein wirtschaftliches Risiko. Etwa 95 % der Exporte machen diese Rohstoffe aus und sorgen für 60 % der Staatseinnahmen. Noch sind fossile Reserven vorhanden: Algerien steht bei den nachgewiesenen Erdgasvorkommen an 11. Stelle weltweit, beim Erdöl an 16. Stelle. Aktuell interessieren sich einige europäische Länder – darunter Deutschland und Italien – sehr für algerisches Gas als Ersatz russischer Lieferungen. Mittelfristig möchte Algerien aber seine Wirtschaft stärker diversifizieren und unabhängig von fossilen Energien werden. Die Voraussetzungen vor allem für Solarenergie sind hervorragend. 2020 wurde eigens ein „Ministerium für Energiewende und erneuerbare Energien“ geschaffen, das gemeinsam mit dem Energieministerium im Workshop vertreten war.