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Meldung vom 09.09.2021 / KfW Entwicklungsbank

KfW beim Biodiversitäts-Kongress in Marseille

Vorstandsmitglied Christiane Laibach hat am IUCN World Conservation Congress teilgenommen und dort mehrere Initiativen zum Schutz der Artenvielfalt vorgestellt.

Vorstandsmitglied Christiane Laibach mit dem Chef der französischen AFD, Rémie Rioux
Viele Veranstaltungen, viele Termine in Marseille: Hier bei einem Interview mit dem Chef der französischen Entwicklungsagentur AFD, Rémy Rioux.

In Marseille haben sich seit dem 3. September Experten aus der ganzen Welt zum IUCN World Conservation Congress getroffen, um nach Wegen zu suchen, den besorgniserregenden Verlust an Biodiversität zu stoppen. Der Schwund der Arten hat in den letzten Jahren an Geschwindigkeit zugenommen und inzwischen Ausmaße angenommen, die weit über ein vertretbares Maß hinausgehen: Im Schnitt stirbt alle 11 Minuten eine Art unwiederbringlich aus. Die KfW als einer der größten Geber im Biodiversitäts-Schutz weltweit war auch in Marseille vertreten und hat dort einige ihrer neuesten Initiativen vorgestellt.

Vorstandsmitglied Christiane Laibach nahm vier Tage am Kongress teil und hat unter anderem den Legacy Landscapes Fund (LLF) präsentiert. Dabei handelt es sich um ein innovatives Finanzierungsinstrument, das öffentliche und private Geber zusammenbringt, um einige der wichtigsten Biodiversitätshotspots in Entwicklungsländern dauerhaft und verlässlich zu fördern.

Denn 80 % der Biodiversität konzentrieren sich auf 20 % der Erdoberfläche und sind überwiegend in ärmeren Weltgegenden zu finden, die für effektiven Naturschutz häufig nicht die nötigen Mittel haben. Diese Lücke versucht der LLF zu schließen. Die KfW Entwicklungsbank hat im Auftrag der Bundesregierung eine Anschubfinanzierung von zunächst 82,5 Mio. EUR geleistet. Bundesentwicklungsminister Müller kündigte beim IUCN-Kongress in einer Videobotschaft eine weitere Zahlung von knapp 40 Mio. EUR an.

Ein Fonds, der privates Geld mobilisiert

Außerdem sind diverse philanthropische Geber wie die Gordon and Betty Moore Foundation beteiligt, so dass sich die verfügbaren Mittel des LLF derzeit auf knapp 155 Mio. EUR summieren. Geplant ist, weitere private und öffentliche Geber zu gewinnen und bis zum Jahr 2030 insgesamt 1 Mrd. EUR aufzubringen. Damit könnten mindestens 30 der artenreichsten Gegenden weltweit dauerhaft finanziert und damit wertvolle Biodiversität für die ganze Welt gesichert werden.

Blick in eine der Konferenzhallen der UICN
KfW-Vorständin Christiane Laibach (Mitte) stellt den Legacy Landscapes Fund in Marseille vor. Außerdem auf dem Podium: Bertrand Walckenaer (Vize-CEO der AFD) und Julia Miranda Londoño von IUCN.

Christiane Laibach stellte den LLF in Marseille zusammen mit dem früheren Premierminister von Äthiopien, Hailemariam Desalegn, dem stellvertretenden Leiter der französischen Entwicklungsagentur, Bertrand Walckenaer, der Exekutiv-Direktorin des LLF, Stefanie Lang, und einigen anderen internationalen Persönlichkeiten einer größeren Öffentlichkeit vor.

Sie schätze den Fonds vor allem deshalb, sagte Laibach, weil er flexibel und global einsetzbar sei, mit privaten und philanthropischen Partner zusammenarbeite, langfristig Mittel sichere und die lokale Bevölkerung einbinde. „Mit dem LLF machen wir einen großen Schritt nach vorn im Biodiversitätsschutz.“ Zugleich lud sie andere Geber ein, sich an diesem außergewöhnlichen Fonds zu beteiligen, um gemeinsam noch mehr für den Artenschutz zu erreichen.

Unterstützung für Naturschutz im südlichen Afrika

Außerdem gab Laibach in Marseille den Startschuss für eine neue Fazilität für grenzüberschreitende Naturschutzgebiete im südlichen Afrika. Diese sogenannte Transfrontier Conservation Financing Facility (TFCA FF), die die KfW im Auftrag der Bundesregierung zusammen mit der Regionalorganisation Southern African Development Community (SADC) aufgelegt hat, soll – ähnlich wie der LLF, nur regional begrenzt – die Einnahmen von Naturschutzgebieten auf eine solide Basis stellen.

Das ist gerade jetzt besonders dringend, weil viele Parks wegen der Corona-Pandemie stark unter den wegbrechenden Einnahmen aus dem Tourismus leiden, die bis zu 85 % zurückgegangen sind. Deutschland beteiligt sich mit 23 Mio. EUR an der TFCA FF, weitere Geber sollen folgen. Die Umweltministerin Malawis, Nancy Tembo, lobte die Fazilität als „einen großen Gewinn“ für die ganze Region.

Blick in eine der Konferenzhallen der UICN
Überall Gespräche und Austausch: Blick in eine der Konferenzhallen.
Artenschutz genauso wichtig wie Klimaschutz

Am IUCN-Kongress nahmen nach Angaben des Veranstalters insgesamt mehr als 4.000 Biodiversitäts-Expertinnen und -Experten aus aller Welt teil, weitere 3.400 online. Eröffnet wurde der Kongress u. a. vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron, vom Vize-Präsidenten der EU-Kommission, Frans Timmermans, von der EZB-Chefin Christine Lagarde und dem Schauspieler und Umweltschützer Harrison Ford. Sie alle setzten sich dafür ein, den Biodiversitätsschutz rasch zu verstärken und dafür ehrgeizige internationale Ziele zu vereinbaren.

Wissenschaftler raten dazu, bis zum Jahr 2030 30 % der Erdoberfläche unter Schutz zu stellen – „30:30-Ziel“. Christiane Laibach, die bei der Eröffnungszeremonie ebenfalls zugegen war, sagte dazu: „Bei der nächsten Conference of the Parties (COP) zur Biodiversitätskonvention im chinesischen Kunming brauchen wir ein klares Signal, dass Artenschutz genauso wichtig ist wie Klimaschutz. Wir brauchen einen Paris-Effekt.“

Interview mit Stefanie Lang, Exekutiv-Direktorin des LLF, im Deutschlandfunk

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