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Meldung vom 03.08.2021 / KfW Entwicklungsbank

Ein Jahr nach der Explosionskatastrophe - Beirut und der Libanon zwischen Krise und Wiederaufbau

Arbeiter räumen einen Trümmerhaufen auf
Libanesen und Syrer räumen die Trümmer weg.

Am 4. August 2020 explodierten 2750 Tonnen Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut. Eine gewaltige Druckwelle erfasste große Teile der Stadt. Bilder der Zerstörung gingen um die Welt. Mehr als 200 Menschen verloren ihr Leben, über 6000 wurden verletzt. Hunderttausende mussten ihre zerstörten oder einsturzgefährdeten Häuser verlassen. Ein Jahr später ist der Wiederaufbau vollem Gange. Auch die KfW verstärkt ihr Engagement mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

"Der 4. August hat die Situation vieler Menschen noch einmal schlagartig verschlechtert ", berichtet Sascha Stadtler, Leiter des Beiruter Büros der KfW. Schon vor der Explosion sah sich der Libanon enormen Herausforderungen gegenüber. Das Land befand sich mitten in einer der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten 150 Jahre. Arbeitslosigkeit und Staatsschulden waren erdrückend hoch. Zusätzlich suchen seit 2015 über eine Million Flüchtlinge Schutz vor dem syrischen Bürgerkrieg im Libanon. Eine Herausforderung für die oft marode Infrastruktur in dem kleinen Land. „Mit der Explosion lagen dann auf einmal ganze Stadtviertel in Schutt und Asche“, erinnert sich Stadtler. „Schulen, Krankenhäuser – durch die gewaltige Druckwelle wurde Infrastruktur - auch weit entfernt - beschädigt.“

Freiwillige aus dem ganzen Land begannen unmittelbar nach dem Unglück mit den Aufräum- und Aufbauarbeiten. Auch die KfW und ihre Projektpartner haben schnell reagiert und Mittel aus bereits laufenden Projekten eingesetzt. Gemeinsam mit UNICEF wurden beschädigte Schulgebäude in Stand gesetzt, über 3700 Wassertanks ersetzt und Leckagen im Netz repariert. Über 3500 Schüler konnten zum Lernen in sichere Gebäude zurückkehren. Syrische Flüchtlinge und Libanesen haben gemeinsam die arbeitsintensiven Aufräumarbeiten im Rahmen eines KfW-finanzierten Programmes vorangetrieben. In einer Folgephase dieses Projektes von ILO und UNDP setzten sie nun öffentliche Gebäude wieder in Stand.

Doch auch ein Jahr nach der Explosion bleiben die Herausforderungen groß. Rund 5.000 Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen sind nach Schätzungen unmittelbar von der Explosion betroffen. Harte Ausgangsbeschränkungen haben zusätzlich tausende Kleinunternehmer in den Bankrott getrieben. Gleichzeitig steigen die Nahrungsmittelpreise aufgrund des Währungsverfalls immer weiter. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze. Viele junge Libanesen versuchen angesichts ausbleibender Reformen das Land zu verlassen.

In dieser Situation verstärkt die KfW mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das deutsche Engagement im Libanon. „Es geht um Unterstützung, die direkt bei der Bevölkerung ankommt“, erklärt Marc Engelhardt, Abteilungsleiter Nahost in der KfW, der sich im Juli ein Bild von der Lage mache. Die KfW wird sich dafür in Kürze mit 10 Millionen Euro an der Lebanon Financing Facility for Reform, Recovery and Reconstruction beteiligen. In einer ersten Phase erhalten unter anderem kleinere Unternehmen Hilfen, um ihren Betrieb wieder aufzunehmen und das wirtschaftliche Leben anzukurbeln. Außerdem werden besonders benachteiligte Gruppen bei der Rückkehr in wiederaufgebaute Wohnungen unterstützt. Zur Finanzierung des Fonds haben sich mehrere Geber unter Federführung der Weltbank zusammengeschlossen, um ihre Unterstützung zu koordinieren. Bis Jahresende plant die KfW zudem weitere 20 Millionen für den Wiederaufbau von Straßen und öffentlichen Plätzen in benachteiligten Gegenden Beiruts bereitzustellen. „Dabei leitet uns immer der Grundsatz: building back better“, erklärt Marc Engelhardt. „Am Ende des Wiederaufbaus soll eine Gesellschaft stehen, die widerstandsfähiger gegenüber künftigen Krisen ist.“

Neben der dringend benötigten Hilfe zum Wiederaufbau von Beirut, engagiert sich die KfW auch für langfristige Perspektiven im Rest des Landes. Seit 2020 gehört der Libanon zu den ausgewählten Partnerländern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), mit denen langfristige Entwicklungsziele verfolgt werden. Allein 2020 beliefen sich die Neuzusagen auf 203 Millionen Euro. Ein besonderer Fokus der Arbeit liegt darauf, sozialen Spannungen vorzubeugen und die Situation von Geflüchteten und vulnerablen Libanesen möglichst direkt zu verbessern.

Video der Elementary School Rehabilitation

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