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Meldung vom 09.07.2021 / KfW Entwicklungsbank

KfW fördert Ausweitung der Sozialhilfe für arme Familien in Tunesien

Kinder arbeiten in einem Klassenzimmer
Gerade kinderreiche, ärmere Familien bilden ein wichtiges Potenzial für die Zukunft des Landes und brauchen Hilfe in der Pandemie.
Die Corona-Pandemie stürzt vor allem sozial schwache Familien Tunesiens in eine Krise, die ihre Armut noch verschärft. Die Regierung konzentrierte sich auf die Eindämmung der Pandemie, wodurch sich die geplante Sozialreform verzögerte. Die bereits bestehende Basis-Sozialhilfe wurde daher zunächst ausgebaut und die Zielgruppe erweitert. Die KfW finanziert diese Coronahilfen in einer zweiten Phase im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) mit einem weiteren Zuschuss in Höhe von 10 Mio. EUR, der Ende Juni vereinbart wurde.

Tunesien ist von der Pandemie stark betroffen. Allein im Juni starben über 2.000 Menschen an Corona, die Krankenhäuser sind bereits überlastet und beginnen zu improvisieren. Die Inzidenz im Urlaubsort Sousse liegt bei über 500 Infizierten pro 100.000 Einwohner. Vor allem die ärmere Bevölkerung ist darauf angewiesen, trotz der Ansteckungsgefahr weiter zur Arbeit zu gehen – wenn denn der Job noch besteht. Daher wird die bereits laufende Unterstützung für sozial schwache Familien umso dringender benötigt.

Die KfW hatte bereits im vergangenen Jahr 12 Mio. EUR aus der Corona-Soforthilfe des BMZ für das UNICEF-Programm zur Verfügung gestellt. Jetzt wurden weitere 10 Mio. EUR vereinbart, um das erfolgreiche Vorhaben in einer zweiten Phase weiterzuführen. Die Sozialhilfen erleichtern es armen Familien, die Einkommensverluste aufgrund der Pandemie soweit auszugleichen, dass sie Nahrung und den Schulunterricht der Kinder sichern können. Sozial schwache Familien lebten bisher meist von informellen Arbeiten, die von den coronabedingten Einschränkungen besonders stark betroffen sind und daher oft einfach entfallen.

Neu in der zweiten Phase ist nun, dass der Kreis der Empfänger ausgeweitet und die Dauer der Hilfen verlängert wurden. Bisher erhielten nur bis zu drei Kinder pro bedürftiger Familie im Alter von bis zu fünf Jahren die Unterstützung, jetzt zählen alle Kinder unter fünf Jahren zu den Empfängern. Dadurch stieg die Zahl der begünstigten Kinder von ursprünglich 40.000 auf 116.000. Die Sozialhilfe wird für sie rückwirkend ab April 2021 ausgezahlt. Ursprünglich war geplant, die Zahlungen Ende Juli auslaufen zu lassen. Doch die Pandemie ist noch nicht gebannt und zeigt weiter ihre Auswirkungen. Die Zahlungen wurden daher bis Ende Dezember 2021 verlängert.

Die Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, erhalten monatlich 30 tunesische Dinar (etwa neun EUR) pro Kind unter fünf Jahren. In Zukunft werden alle bedürftigen Kinder bis zum 18. Lebensjahr unterstützt. Angestrebt wird, dass mit der ersten und zweiten Phase des Vorhabens insgesamt 426.000 Kinder und Jugendliche bis Ende des Jahres 2021 Sozialhilfen erhalten. In Kommunikationskampagnen wird für den Besuch von Schulen geworben, über Wege zu ausgewogener Ernährung und die Bedeutung von Impfungen informiert. Ab Anfang des kommenden Jahres soll die Weltbank die Finanzierung des Programms übernehmen.

Tunesien unterstützt die armen Familien des Landes bereits seit Mitte der 80er Jahre mit Geldtransfers, doch waren die Programme bisher zersplittert. Geplant ist, im Rahmen einer Sozialreform ein Dachprogramm für bestehende Hilfen einzuführen. Aber das Krisenmanagement zur Eindämmung der Pandemie und zwei Regierungswechsel verzögerten die Reform. Das KfW-Vorhaben ist in die Reformpläne eingebettet.

Die Reform zielt auf die Einführung eines Basisschutzsystems ab, das Teil eines von mehreren Gebern, unter anderem der KfW und der Weltbank, finanzierten Reformprogramms in Tunesien ist. Das von der KfW aus Mitteln des BMZ kofinanzierte UNICEF-Programm dient zur kurzfristigen Überbrückung, bis das neue Sozialsystem eingeführt wird. Es hilft den Kindern dabei, ihr Potenzial für die Zukunft zu entfalten. Das Vorhaben leistet einen Beitrag zur Armutsbekämpfung, zur Ernährungssicherung und zu mehr Bildung.

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