Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.

Sicht auf den Nationalpark Phong Nha Ke Bang
Vietnams lange Küstenlinie und Nord-Süd-Ausdehnung bieten Raum für eine ungewöhnlich große Vielfalt von Ökosystemen, endemischen Pflanzen- und Tierarten. Außerdem hat die schöne Landschaft ein erhebliches touristisches Entwicklungspotential. Das gilt auch für die zentral-vietnamesische Provinz Quang Binh, in der sich der Nationalpark Phong Nha Ke Bang befindet. Der Nationalpark liegt unmittelbar an der Grenze zu Laos und gehört zum Annamiten-Gebirgszug, der für seine bizarren Kalkfelsen und -höhlen sowie für seine ungeheure Artenvielfalt bekannt ist. In den Annamiten werden regelmäßig neue Tierarten entdeckt. Dazu gehören unter anderem die Saola-Antilope (annamitisches Wildrind), der Riesenmuntjak, das gestreifte Annamiten-Kaninchen und der bedrohte Graue Kleideraffe.
Mit etwa 90.000 Hektar Schutzgebietsfläche ist der Park aber nach international akzeptierten Maßstäben zu klein, um Tier- und Pflanzenpopulationen dauerhaft zu sichern. Eine Erweiterung des Parks um etwa 33.000 Hektar wird unter anderem von der UNESCO gefordert, um ihm internationale Anerkennung und den begehrten Status eines Weltnaturerbes für Biologische Vielfalt zu verschaffen. Neben der Parkerweiterung bedarf es dafür eines verbesserten Managements und einer umweltverträglichen Regelung der Straßennutzung beziehungsweise weiterer Ausbaupläne.
Auch der Tourismussektor, der sich dynamisch, aber nicht umweltgerecht entwickelt, ist Bedrohung und Chance gleichermaßen für den Park. Derzeit kommen pro Jahr zirka 200.000 Touristen hauptsächlich aus dem Inland, die sich die berühmten Kalkhöhlen des Parks vom Boot aus anschauen. Die örtliche Bevölkerung hat daran Anteil etwa durch Bootsverleih sowie Hotel- und Gaststättengewerbe. Insbesondere das Parkmanagement und die Regulierungsbehörden sind gefordert, die touristische Infrastruktur bereitzustellen und zu unterhalten.
Drei von vier Familien in der Projektregion leben unterhalb der Armutsgrenze und erwirtschaften ihr kärgliches Einkommen in erster Linie aus Ackerbau, Tierhaltung und - meist illegaler - Waldnutzung (Wilderei und Holzdiebstahl). Die Bevölkerung hat kaum legalen Zugang zu Waldressourcen und daher keine echte Alternative zur illegalen Nutzung der Wälder, wenn sie sich mit Brenn- und Bauholz, Pilzen, Früchten und anderen Nahrungsmitteln, Zier- und Heilpflanzen oder auch Wildfleisch versorgen will, ob zum eigenen Gebrauch oder für den Markt.
Für viele Produkte reicht der Handel bis nach China. Daher tragen auch professionelle und kommerzielle Wilderer, Holzfäller und Schmuggler zu der intensiven Ausbeutung und Plünderung der Wälder bei. Die Straßen durch den Nationalpark (vor allem Ho Chi Minh Highway und die Road 20 ) erleichtern den Zugang zum Park sowie den Abtransport der "heißen" Ware. Gerade die Flächen, Lebensräume, Tiere und Pflanzenpopulationen, die an Straßen grenzen, sind am stärksten gefährdet. Es droht ein Teufelskreis: Von ökologischer Degradierung zum Rückgang der Arten und Lebensräume bis hin zum Totalverlust.
Die Probleme liegen in der starken illegalen Nutzung, in mangelnden beziehungsweise korrupten Kontrollen und Rechtsdurchsetzung der Naturschutzbehörden sowie in der großen Armut der ansässigen Bevölkerung. Dem soll nun durch ein neues, groß angelegtes deutsch-vietnamesisches Naturschutzvorhaben entgegen gewirkt werden. Im Auftrag der Bundesregierung unterstützen die KfW Entwicklungsbank und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit die Provinzregierung von Quang Binh und die Parkverwaltung Phong Nha Ke Bang technisch und finanziell.

Ranger im Nationalpark
Im Gegenzug werden bereits vor und zu Projektbeginn eine Reihe von Vorleistungen erbracht, die für den Erfolg dieser Kooperation und die angestrebte Anerkennung als Weltnaturerbe von entscheidender Bedeutung sind: Erstens, die Ausweitung des Schutzgebiets um zirka 33.000 Hektar (UNESCO- World Heritage Forderung). Zweitens, die Kooperation mit namhaften Naturschutzorganisationen, zoologischen Gärten und Gesellschaften (zum Beispiel WWF, Flora Fauna International, Zoo Köln, Zoologische Gesellschaft Frankfurt), die unter anderem dabei helfen werden, Schlüsselarten zu erfassen und Managementkonzepte zu entwickeln. Drittens, intensives Vorgehen gegen illegalen Holzeinschlag, Wilderei und gegen den Handel mit illegalem Holz oder Wildfleisch. Viertens wird auf den Ausbau der Road 20 verzichtet und fünftens werden grenznahe Biodiversitätskorridore erhalten.
Das Vorhaben ist das erste Naturschutzprojekt der KfW Entwicklungsbank in Vietnam, allerdings gab es in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Forstprojekte und eine entsprechend große Sachkenntnis. Die GTZ bringt ihre Erfahrungen aus Projekten der Technischen Zusammenarbeit ein, insbesondere hinsichtlich der Rangerausbildung, Land- und Ressourcennutzungsplanung oder auch der Erstellung von Katastern. Beide Institutionen verfügen über breite Erfahrung auf diesem Gebiet, denn Deutschland ist international einer der größten Geber im Naturschutz und beim Erhalt der biologischen Vielfalt.
Das Konzept verknüpft Naturschutz mit nachhaltiger Entwicklung der Projektregion und ihrer Bevölkerung. Dabei wird es fünf Schwerpunkte geben: Das Parkmanagement und den Parkschutz, die Verbesserung des Waldzustandes und der Waldbewirtschaftung unter anderem durch Nutzungsrechte für die lokale Bevölkerung, die Förderung von alternativen Einkommensmöglichkeiten, Tourismusentwicklung und komplementäre Querschnittsmaßnahmen wie strategische Umweltprüfungen, Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen sowie Umweltkommunikation. Gemeinsam mit den vorgenannten Naturschutzorganisationen und Zoos wird das Überwachen des Parks und der illegalen Eingriffe professionalisiert und objektiviert.
Auch wenn das Vorhaben gerade erst begonnen hat und einige Jahre vergehen, ehe über den Erfolg der Kooperation sinnvoll geurteilt werden kann, sind die Vorzeichen ermutigend, dass die ehrgeizigen Ziele erreicht werden, die da lauten: Erhalt der biologischen Vielfalt des erweiterten Nationalparks (künftiges Weltnaturerbe) und Armutsminderung für möglichst viele der 56.000 Menschen, die hier leben. Deutschland unterstützt Vietnam, weil das Projekt nicht nur im nationalen Interesse des Partnerlandes, sondern auch im internationalen Interesse einer globalen Strukturpolitik liegt.
Stand: April 2008