Bedeutung für Entwicklung und Armutsminderung

Neue Wege, neue Märkte

Rikschafahrer auf lehmiger Straße vor Brücke

Ländlicher Weg in Bangladesch. Quelle: Michael Wenzel

Unpassierbare Straßen, hohe Transportkosten, unsichere Verkehrsmittel - ob in Asien, Afrika oder Lateinamerika: Überall leiden besonders die Armen unter den schlechten Verkehrsbedingungen. Der Zugang zu Märkten, Arbeitsplätzen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen scheitert am Weg dorthin. Ein höherer Lebensstandard ist oft eng mit einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur verbunden. Darum kommen Investitionen in Transport und Verkehr besonders der armen Bevölkerung zugute. Die KfW Entwicklungsbank unterstützt solche Vorhaben auf mehreren Ebenen.

Verkehrsprojekte, die der direkten Armutsbekämpfung dienen, greifen dort, wo fehlende Transportmöglichkeiten das wirtschaftliche und soziale Leben behindern oder sogar zum Stillstand bringen.

Ein Beispiel: Eine häufig überflutete Straße verhindert, dass Bauern ihre Erträge zum Markt bringen; Frauen zum Arzt, Kinder in die Schule kommen. Der Neubau der Straße gibt der gesamten Region die Chance, sich zu entwickeln. Die Menschen können geschäftliche und soziale Kontakte knüpfen, Handel treiben und öffentliche Einrichtungen besuchen. Zudem schaffen Bau und Instandhaltung der Straße Arbeitsplätze.

Zielgruppenanalysen im Vorfeld solcher Projekte sollen gewährleisten, dass die Hilfe möglichst schnell und effektiv die am stärksten Benachteiligten erreicht. Ob der Effekt nachhaltig ist, wird durch Wirkungsanalysen nach Abschluss der Projekte deutlich. Dabei wird bewertet, in welchem Maß sich die Verbesserung der Verkehrssituation auf den Alltag der Bevölkerung und vor allem auf ihre Arbeits- und Einkommenssituation ausgewirkt hat.

Wirtschaftsentwicklung durch leistungsfähige Transportinfrastrukturen

Bei Vorhaben zur indirekten Armutsbekämpfung steht die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes im Vordergrund. Dazu wird der Aufbau einer leistungsfähigen Transportinfrastruktur unterstützt, zum Beispiel der Bau von Fernstraßen, Eisenbahntrassen, Häfen und Flughäfen. Sie sind Voraussetzung für eine steigende Produktivität, die Erschließung neuer Märkte und letztendlich für die Teilhabe des Landes an der Weltwirtschaft. Die besondere Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel sorgt überdies für Kostenersparnisse durch einen sinkenden Rohstoffverbrauch.

Mehr Wirtschaftswachstum bedeutet auch mehr Steuereinnahmen. Dadurch erhalten die Regierungen mehr Handlungsspielraum, um Programme zur Armutsbekämpfung zu finanzieren.

Bei ihrem Engagement konzentriert sich die KfW Entwicklungsbank auf Projekte, die möglichst breitenwirksam sind und direkt der armen Bevölkerung zugute kommen (Pro-Poor Growth). Eine besonders wichtige Zielgruppe sind die Frauen. Oft haben sie keinen Zugang zu Transportmitteln - obwohl sie in der Regel die Familie versorgen und dabei oft sehr lange Wege auf sich nehmen müssen. Viele Frauen sind zusätzlich erwerbstätig. Besitzt eine Familie ein Verkehrsmittel, zum Beispiel ein Fahrrad oder einen Ochsenkarren, ist seine Nutzung meistens dennoch dem Mann vorbehalten. Bessere Wege und der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs erleichtern den Frauen den Wechsel zwischen Haushalt und Arbeitsplatz und führen zu deutlichen Zeitersparnissen im täglichen Alltag. Gezielte Projekte für Frauen fördern zudem ihre Teilnahme am wirtschaftlichen und sozialen Leben. Ein Beispiel dafür ist die Einrichtung von Marktständen in Bangladesch, die für Frauen reserviert sind.

Stand: Mai 2012