Bedeutung für Entwicklung und Armutsminderung
Der Anfang vom Ende der Armut
Bildung ist wichtig, um der Armut zu entkommen. Quelle: Ulrich Jahn
Der ewige Teufelskreis der Bildungsarmut: Wer arm ist, geht weniger oder gar nicht in die Schule. Und wer weniger in der Schule war, bleibt arm. Eine gute Bildung ist die Grundlage, das eigene Leben zu verbessern. Weltweit ist es das oberste Ziel, die Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Dieser globalen Herausforderung haben sich im September 2000 alle Staats- und Regierungschefs auf dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen in New York gestellt. Bildung ist hierfür der Grundstein. Und so heißt es gleich im zweiten Entwicklungsziel der acht Jahrtausend-Ziele (Millennium Development Goals): Bis 2015 soll sichergestellt sein, dass alle Kinder in der ganzen Welt eine Primarschule abschließen können.
Bildung bietet höhere Chancen auf Arbeit und Einkommen und eröffnet Wege, eigene Begabungen und Interessen zu entfalten. Bildung erhöht das Selbstbewusstsein von Kindern und jungen Erwachsenen, fördert ihre sozialen Kompetenzen und vermittelt wichtige lebenspraktische Fähigkeiten. Bildung gibt den Menschen eine Stimme, mit der sie sich in der Gesellschaft Gehör verschaffen können. Menschen, die lesen und schreiben können und über Wissen verfügen, sind fähig, ihre persönlichen Rechte einzufordern und sich aktiv an sozialen und politischen Prozessen zu beteiligen. Eine solide Grundbildung verbessert auch das Gesundheit- und Ernährungsverhalten und trägt zur Verringerung der Geburtenraten bei. Sie schafft zudem Umweltbewusstsein und ist somit ein Grundstein für die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen.
Bildung zahlt sich für alle aus
Bildung bringt nicht nur den einzelnen Menschen voran. Auch das Gemeinwesen hat einen Nutzen davon: Wenn besser Gebildete ein höheres Einkommen erzielen, steigen auch die Steuereinnahmen des Staates. Zudem erhöhen gut ausgebildete Arbeitskräfte die Produktivität und verbessern die Qualität der Arbeitsleistung. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass eine höhere Bildungsqualität direkt wirtschaftliches Wachstum steigert. Wo der Staat in Grundbildung - und in einem zweiten Schritt - in berufliche Bildung investiert, erzielt er die höchsten Gewinne - für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft.
Das dritte Millenniumsziel geht einen Schritt weiter. Es hat zusätzlich die Stärkung von Mädchen und Frauen im Blick. Bis spätestens 2015, so das Ziel, soll ihre Benachteiligung auf allen Bildungsebenen, von der Grundschul- bis zur Hochschulbildung, abgebaut werden. Denn überall auf der Welt zeigt sich, dass Grundbildung und im Anschluss berufliche Ausbildung einschließlich Hochschulbesuch von Mädchen und Frauen entscheidend für die (wirtschaftliche) Entwicklung eines Landes sind.
Mädchen und Frauen, die lernen durften, werden auch als Mütter ihre Kinder selbstverständlich in die Schule schicken. Eine solide Grundbildung stärkt ihre Rolle als Frau. Sie achten in ihrer Familie auf eine bessere Ernährung und Hygiene. Mädchenbildung bewirkt mehr Gesundheit und vor allem eine niedrigere Geburtenrate. Damit erhöht sich neben der Lebensqualität auch das Familieneinkommen - ein wichtiger Grundstein im Kampf gegen Armut.
Neben den Millenniumszielen der UNO gibt noch andere internationale Vereinbarungen zur Bildung. Dazu gehört das Weltbildungsforum, das im April 2000 in Dakar im Senegal getagt hat. Verabschiedet wurde der Aktionsplan "Bildung für Alle" mit 6 Zielen, die sich mit der frühkindlichen Förderung und Primarschulerziehung, Analphabetenrate, Lernbedürfnissen, Geschlechtergefälle und Bildungsqualität befassen. Diese Ziele haben im Bildungssektor eine wichtige Bedeutung. Ihre Erreichung wird jährlich von einer Expertenkommission überprüft und der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Ergebnis ist, dass zwar Fortschritte in den genannten Bereichen zu verzeichnen sind, einige Staaten aber die Ziele bis 2015 - genauso wie die Millenniumsziele - nicht erreichen werden. Daher sind noch erhebliche Anstrengungen und konzertierte Aktionen erforderlich. Sowohl bei uns, aber gerade auch in den Partnerländern.
Erst dann werden wir nachhaltig Bildung für Alle erreichen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Armut leisten.
Stand: Juli 2011