Förderschwerpunkte
Niger - Hoffnung in der Provinz
Sohlschwellen reduzieren Konflikte zwischen Ackerbauern und nichtsesshaften Viehhaltern. Quelle: Bruno Schoen
In einer Staubwolke treiben Nomaden ihr Vieh durch den Norden der Provinz Tahoua. Sie folgen dem Wasser, das sich nach der Regenzeit in den Abflusstälern sammelt. Die Hirten halten sorgfältig Abstand zu den Feldern am Rand eines kleinen Dorfes. Im Niger ist fruchtbarer Boden rar - er bringt nicht nur Hirse, Zwiebeln und Bohnen hervor, sondern auch Konflikte zwischen Ackerbauern und nichtsesshaften Viehhaltern. Deshalb tragen die Sohlschwellen, die das Wasser in den Tälern halten und so zusätzliche landwirtschaftliche Flächen erschließen, dazu bei, soziale Spannungen zu mildern. Finanziert werden die Aufschüttungen von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Sie sind Teil eines umfassenden deutschen Engagements, das dazu beiträgt, den Menschen im ländlichen Raum des Niger eine Einkommens- und Lebensperspektive zu geben. "Lutte contre la pauvrete", abgekürzt LUCOP und übersetzt "Kampf gegen die Armut" lautet der Name des Programms.
LUCOP wurde 2004 vom Niger gemeinsam mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit initiiert. Die Einzelprojekte, die in den Regionen Tillabéri im Westen und Tahoua/Agadez im Norden des Landes angesiedelt sind, dienen einerseits dem Schutz landwirtschaftlicher Ressourcen, andererseits unterstützen sie die kommunale Selbstverwaltung, indem sie Dörfer und Gemeinden einbinden und diese bei der Realisierung wichtiger kommunaler Infrastrukturen unterstützen. Dazu hat die KfW Entwicklungsbank im Rahmen ihrer Finanziellen Zusammenarbeit den Kommunalentwicklungsfonds FICOD konzipiert, der sich als erfolgreiches und wirksames Instrument etabliert hat.
Unterschiedliche Vorzeichen, gleiches Problem
Auf den ersten Blick sind die Regionen Tillabéri und Tahoua/Agadez sehr unterschiedlich. Die Stadt Tillabéri liegt 200 km nördlich der Hauptstadt Niamey am Niger-Fluss, dem drittgrößten afrikanischen Strom nach Nil und Kongo. Von hier stammt ein Großteil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Niger. Die bescheidenen Erwerbsmöglichkeiten locken Bauern und Händler von weit her an: 1,3 Mio. Menschen leben auf 70.000 km². Der hohe Nutzungsdruck, dem das Kulturland ausgesetzt ist, geht zu Lasten der natürlichen Ressourcen.
Der Investitionsfonds FICOD arbeitet eng mit kommunalen Entscheidungsträgern und Gruppen zusammen. Quelle: Bruno Schoen
Die Region Tahoua/Agadez dagegen steht unter umgekehrten Vorzeichen: 340.000 km² Wüste - eine Fläche so groß wie Deutschland -, in der sich 500.000 Menschen verlieren. Die Stadt Agadez ist als Tuareg-Hochburg ein Unruheherd, der die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung bremst.
Was Tillabéri und Tahoua/Agadez verbindet, ist die Not der Menschen. 80 Prozent gelten als arm, davon 30 Prozent als extrem arm. Damit sind die Regionen selbst für nigrische Verhältnisse unterprivilegiert. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit steuert gegen, indem sie wichtige Infrastrukturmaßnahmen finanziert, etwa Gesundheitsstationen, Märkte und Busbahnhöfe. Ein zweites vordringliches Handlungsfeld ist die Landwirtschaft: Von der Bodenqualität und den Anbaumethoden hängt ab, ob die Ernte reicht, um die Bevölkerung zu ernähren.
Kommunale Entscheidungsträger als Ansprechpartner
Ansprechpartner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind die kommunalen Entscheidungsträger, also Dorf- und Gemeindevorsteher und Vertreter wichtiger zivilgesellschaftlicher Gruppen vor Ort. Die ersten Kommunalwahlen, die 2004 im Niger stattfanden, führten zur Bildung von 213 neuen Landgemeinden. Indem die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nun Landgemeinden in den Programmregionen unterstützt, hilft sie, die Bevölkerung in die Lage zu versetzen, ihre Rolle im Entwicklungsprozess des Landes kompetent wahrzunehmen und trägt so zur Dezentralisierung des Landes bei.
Im Programm LUCOP arbeitet die KfW Entwicklungsbank eng mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) zusammen. Bei den deutsch-nigrischen Regierungsverhandlungen im Dezember 2008 wurde beschlossen, das bisherige Schwerpunktprogramm in zwei eigene Programme "Dezentralisierung und Kommunalentwicklung" sowie "Landwirtschaft" zu teilen, um noch gezielter auf die Probleme des Landes eingehen und angepasste Lösungen entwickeln zu können.
Über den Schwerpunkt hinaus ist die KfW Entwicklungsbank im Niger noch in der HIV-Bekämpfung und der reproduktiven Gesundheit sowie im Bildungswesen engagiert.
Stand: Juli 2011