Projekt - Naturschutz
Kamerun - Paradies ohne Grenzen
Grenzüberschreitender Naturschutz im Kongo-Becken sichert auch mit deutscher Hilfe den Lebensraum seltener und bedrohter Tierarten wie Tieflandgorillas oder Bongo-Antilopen. Quelle: Florian / weitclick / WWF
Ein Elefant stapft durch den Sangha-Fluss, die Grenze zwischen Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Ein Wildhüter folgt ihm mit dem Fernglas. Die Stoßzähne des Bullen sind auf dem Schwarzmarkt einige Tausend Dollar wert. Früher mussten die Patrouillen oft tatenlos zusehen, wie auf der anderen Seite des Flusses Wilderer die Tiere töteten. Seitdem Kamerun, ZAR und die Republik Kongo vereinbart haben, das grenzüberschreitende Trinationalen Sangha-Schutzgebietes (TNS) gemeinsam zu schützen, machen die Elfenbeinräuber nicht mehr so leicht Beute. Die KfW Entwicklungsbank trägt über die FZ dazu bei, diesen einzigartigen Naturraum zu sichern.
Auf 28.000 Quadratkilometern Fläche erstreckt sich im zentralafrikanischen Kongobecken ein Paradies für Elefanten, Tieflandgorillas, Schimpansen und Bongo-Antilopen. Drei Nationalparks stoßen hier aneinander: Lobeke in Kamerun, Dzanga-Ndoki in ZAR und Nouabale-Ndoki in der Republik Kongo. Zahlreiche Flüsse speisen ein ökologisch unglaublich reiches Waldgebiet. Viele Tier- und Pflanzenarten gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.
Lange Zeit sah es so aus, als würde dieses Paradies sterben. Anfang der 70er Jahre begann die industrielle Ausbeutung der Wälder im Südosten Kameruns. Korrupte Beamte ließen die Holzbarone gewähren und schritten auch gegen die zunehmende Wilderei nicht ein. Sägewerke wurden gebaut, Arbeitersiedlungen entstanden mitten im Wald, was den Lebensraum der Wildtiere zusätzlich einengte. Ein neues Forstgesetz zwang die Industrie 1994 zum Umdenken: Es verknüpft die Prinzipien einer nachhaltigen Waldnutzung mit Zielen der Armutsbekämpfung. So müssen Unternehmen, die eine Holzkonzession erwerben wollen, selbst für Straßen, Schulen und Krankenstationen sorgen.
Balanceakt in der Randzone
Kameruns Regierung hat mit deutscher Unterstützung ein nationales Nutzungs- und Schutzkonzept für das Ökosystem erarbeitet. Die Lokalverwaltung ist eingebunden, ebenso die Privatwirtschaft, vor allem Holz- und Safariunternehmen. Im Managementplan für den Lobeke-Nationalpark spielt dessen 7.000 Quadratkilometer große Randzone eine besondere Rolle, weil dort Dörfer liegen und die Menschen ökologisch verträgliche Arbeit benötigen. So ist Fischen oder das Sammeln von Waldprodukten außer Holz in Teilen des Parks erlaubt. Die Menschen, die dort leben, profitieren von den Einnahmen aus Forststeuern und Jagdgebühren. Ihre Interessen werden von einem lokalen Komitee vertreten, das regelmäßig mit dem Schutzgebietsdirektor zusammentrifft.
Ein Problem ist die unzureichende finanzielle Ausstattung des Parkmanagements. Die Kosten werden nur zu einem geringen Teil durch touristische Einnahmen gedeckt. Auf Grund der Abgelegenheit der Region werden die Gästezahlen auch künftig überschaubar bleiben. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit strebt an, die Finanzierung der Nationalparks auf ein stabiles Fundament zu stellen. Dies geschieht durch die Beteiligung am TNS Trust Fund, einer regionalen Umweltstiftung. Sie unterstützt den Betrieb aller drei Nationalparks im Kongobecken. Hauptziele sind der Schutz des Naturraums und die nachhaltige Entwicklung der Randzonen. Intensiver Austausch zwischen den Regierungen von Kamerun, ZAR und Republik Kongo ist erwünscht und wird gefördert. Die Stiftung hat die Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft, mit Sitz in Großbritannien. Dem Vorstand gehört ein Vertreter der KfW Entwicklungsbank an.
Touristen überzeugen
Aus den Zinserträgen des Fonds können die Parks Unterkünfte bauen, Ausrüstungsgüter anschaffen, Reparaturen bezahlen und die Patrouillen durchführen. Der Fonds soll aber nicht als bloßes Finanzierungsinstrument wirken. Genauso wichtig sind die Impulse, die er zum Dialog der nationalen Behörden beisteuert.
Auf dieser Ebene werden die Weichen für effektiven Naturschutz gestellt: Die Länder vereinbarten beispielsweise, dass die bewaffneten Wildhüter sich auf gemeinsamen Patrouillen frei über die Grenzen hinweg in den Schutzgebieten bewegen können. Bereits ausgehandelt ist ein Abkommen über freien Grenzübertritt für Parkangestellte. Ein ähnliches Abkommen soll den Bewegungsradius von Urlaubern vergrößern und so die Attraktivität der Region steigern.
Trinationaler Park Sangha
| Land | Kamerun | Kongo, ZAR |
|---|---|---|
| Sektor / BMZ-Förderbereich | Biodiversität | |
| BMZ-Projektnummer | 2004 65 302 | 2099 12 650 |
| Status | in Durchführung | in Vorbereitung |
| FZ-Mittel in Mio. Euro | 5 | 20 |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | -- | -- |
Weiterführende Informationen
Stand: Juli 2011