Der Wassersektor im Jemen
"Robuste" Methoden
Wasserversorgung im Jemen. Quelle: KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net
Mit Vorhaben der Wasserversorgung sollen mehr Menschen den Zugang zu hygienisch unbedenklichem Trinkwasser erhalten. Die verbesserte Abwasserentsorgung soll die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung im Projektgebiet mindern. Letztlich zielen alle Maßnahmen darauf ab, die gesundheitliche Situation der Menschen zu verbessern und damit einen Beitrag zur Verringerung der Armut zu leisten.
Diesen Wirkungszusammenhängen wollen wir gemeinsam mit wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen am Beispiel des städtischen Wassersektors in der Republik Jemen, in dem die FZ seit vielen Jahren engagiert ist, durch den Einsatz von "robusten", quantitativ-gestützten Methoden tiefer auf den Grund gehen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie lokale Institutionen im Partnerland sind in diese Wirkungsanalyse eingebunden, mit der auch Informationen über den Einfluss von Dezentralisierung und Corporate Governance (gelungenem Management) im Wassersektor auf die Wirkungen des Projektes gewonnen werden sollen.
Quantitativ gestützte Methoden erlauben eine Isolierung und Messung der Wirkungen, die von der verbesserten Wasserversorgung oder Abwasserentsorgung - und eben nicht von anderen Einflussfaktoren, die ebenfalls auf die Zielgruppe einwirken - ausgehen. Voraussetzung für den Einsatz dieser Methoden ist jedoch eine geeignete Datenbasis, die erst zusammengestellt oder neu erhoben werden muss.
Wichtig für die Evaluierung: Eine Kontrollgruppe
Um exakt bestimmen zu können, welche Einflussfaktoren auf die Entwicklung der Gesundheitssituation der Zielgruppe wirken, benötigt man nicht nur Informationen über die Zielgruppe selbst, sondern es muss auch eine so genannte Kontrollgruppe bestimmt werden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht von dem Projekt betroffen war, also keinen Zugang zu Wasserver- oder Abwasserentsorgung bekommen hat, ansonsten aber mit der Zielgruppe des Projektes weitestgehend vergleichbar ist.
Bei der Untersuchung im Jemen werden für die Bildung einer solchen Kontrollgruppe diejenigen Stadtteile der Projektstädte miteinander verglichen, die zu unterschiedlichen Zeiten an die Wasserver- bzw. Abwasserentsorgung angeschlossen wurden. Mit Hilfe von Befragungen soll eine aussagekräftige Stichprobe von Haushalten klären, wie sich die gesundheitliche Situation und die allgemeinen Lebensbedingungen der Menschen durch das Projekt verändert haben. Zusätzlich werden Daten von lokalen Gesundheitsämtern und Schulen erhoben, um die Entwicklung der Gesundheits- und Bildungsindikatoren im Zeitverlauf bestimmen zu können.
Auch erhoffen sich die Evaluierer, Informationen über den Einfluss von Dezentralisierung und Corporate Governance im Wassersektor auf die Wirkungen des Projektes zu erhalten.
Liegen sämtliche benötigten Informationen vor, werden die verschiedenen Daten mit ökonometrischen Methoden analysiert, die den tatsächlichen Nettoeffekt des Projektes herausfiltern. Es wird also möglich, wissenschaftlich exakt zu bestimmen, welche Wirkungen die Projekte - und nicht andere Nebeneffekte - entfaltet haben.
Stand: Mai 2012