Mikrofinanzierung

Fairer und verantwortungsvoller Umgang mit Kunden 

Geld liegt in und vor einer Brieftasche auf einem Tisch. Daneben liegen Zitronen.

Mikrofinanzierung gehört zu den Kernkompetenzen der KfW Entwicklungsbank. Quelle: KfW-Bildarchiv / photothek.net

Mikrofinanzierung hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren. Immer mehr Mikrofinanzinstitutionen (MFI) arbeiten auf finanziell tragfähiger Grundlage und sind von Subventionen unabhängig. Von den Erfolgen der MFI angezogen, betreten auch immer mehr private und institutionelle Financiers diese Bühne. Ein ermutigendes Zeichen, obwohl damit auch hohe Erwartungen verbunden sind. 

Die Globale Finanzkrise machte auch vor MFI und deren Kunden nicht halt. Durch die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise bei den Kunden sind die Kreditrisiken gestiegen. Vor diesem Hintergrund haben sich viele MFI aber als erstaunlich robust erwiesen. In diesem Kontext versteht die KfW Entwicklungsbank ihr Mikrofinanzierungs-Engagement als Beitrag, den Auswirkungen der Krise für MFI mit guter Performance entgegenzuwirken. 

Mit der Anfang 2009 lancierten globalen Microfinance Enhancement Facility stellt die KfW Entwicklungsbank zusammen mit der Bundesregierung und der International Finance Corporation (IFC) und anderen Entwicklungsfinanzierern Refinanzierungsmittel zur Verfügung, die als Folge der globalen Finanzkrise von der Zurückhaltung privater Investoren und einem geringeren Zufluss von Spareinlagen betroffen sind. Hierdurch konnte eine starke Signalwirkung nach der Finanzkrise erzielt werden.

Eine Antwort auf die Finanzkrise: 'Responsible Finance'

Neben der Mittelbereitstellung ist aber auch die Verbreitung von Responsible-Finance-Prinzipien eine der zentralen Antworten auf die Finanzkrise. Im Mittelpunkt steht ein fairer, verantwortungsvoller Umgang der geförderten Finanzinstitutionen mit ihren Kunden. Die KfW Entwicklungsbank begrüßt deshalb internationale Initiativen wie die unter anderem von der Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) initiierten Client Protection Principles.

Die Erweiterung der Refinanzierungsbasis, der Zugang zu Ersparnismobilisierung, der Aufbau lokaler Kapitalmärkte, eine rigorose, verantwortungsvolle und transparente Kreditvergabe, der verstärkte Zugang zu Lokalwährungsfinanzierung und die Erweiterung der Eigenkapitalbasis stellen weitere entscheidende Faktoren zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit von MFI dar. An diesen Herausforderungen setzt das Mikrofinanzengagement der KfW Entwicklungsbank an.

Kernkompetenzen der KfW

Kernkompetenzen der KfW Entwicklungsbank

Aufteilung des KfW Mikrofinanz-Portfolios

Mit einem Portfolio von 2,3 Milliarden Euro, davon rund drei Viertel aus Eigenmitteln, gehört die KfW zu den weltweit größten Financiers von Mikrofinanzierung, insbesondere bei Beteiligungen und bei Engagements in den Regionen Lateinamerika und Osteuropa/Zentralasien. Aber auch in Subsahara-Afrika nimmt die KfW bereits den Spitzenrang unter den Financiers der Mikrofinanzierungsinstitutionen ein. Damit leistet die KfW einen wichtigen Beitrag, um einer wachsenden Zahl von Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu ermöglichen.

Mikrofinanz-Portfolio seit 2001

KfW Mikrofinanz-Portfolio seit 2001

Die KfW Entwicklungsbank setzt eine Bandbreite von Finanzierungsinstrumenten ein, die auf den jeweiligen Bedarf der geförderten Finanzinstitutionen abgestimmt sind. Der Großteil entfällt auf Refinanzierungslinien, jedoch haben Beteiligungen an Bedeutung zugenommen.

Die Finanzierungsinstrumente der KfW

Die Finanzierungsinstrumente der KfW

Gute Rahmenbedingungen, starke Institutionen

Doch es geht nicht nur um die Steigerung der finanziellen Zusagen allein. Erfolgreiche Mikrofinanzansätze brauchen förderliche Rahmenbedingungen und vor allem starke Institutionen, die ihr Wachstumspotenzial ausschöpfen. Das heißt konkret: Viele MFI bedürfen noch eingehender Stärkung, um finanziell nachhaltig zu bleiben und dabei die entwicklungsfördernde Orientierung nicht aus dem Blick zu verlieren. Die KfW Entwicklungsbank begleitet aktiv die Graduierung von Mikrofinanz-Nichtregierungsorganisation (NRO) zu 'vollwertigen' Finanzinstitutionen.

Um den vielen dynamischen MFI eine solche Entwicklung zu ermöglichen, müssen Reformen im gesetzgeberischen, institutionellen und regulatorischen Umfeld begleitet werden. Über unterschiedliche Kontakte dringt die KfW auf positive Veränderungen, etwa indem sie eine Zentralbank bei der Einführung eines Gesetzes über strukturierte Finanzierungen berät.

Anerkannter Partner

Aber auch international wird die Arbeit der KfW in der Mikrofinanzierung anerkannt und geschätzt. Nach dem CGAP Smart Aid For Microfinance Index (CGAP bedeutet Consultative Group to Assist the Poor) im Jahr 2007, stand die KfW im Jahr 2011 abermals auf dem Prüfstand. Dabei wurde der KfW erneut eine Spitzenposition unter den teilnehmenden Institutionen zuerkannt. Insbesondere die durchgängige Umsetzung internationaler Förderstandards, die hohe Qualifikation der Projektmanager und die große Bandbreite an Förderinstrumenten wurden positiv hervorgehoben.

Die KfW Entwicklungsbank ist aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Know-hows zudem ein gefragter Partner multilateraler Institutionen bei der Kofinanzierung von Mikrofinanzvorhaben. So hat sie in Afrika die Mikrofinanzinitiative MIFSSA gestartet, die den Aufbau mehrerer Mikrobanken vorsieht. Ferner wurde bei dem G8-Treffen in Heiligendamm der afrikabezogene Regional Micro Small and Medium Enterprises Investment Fund (REGMIFA) ins Leben gerufen. Zusammen mit der Weltbanktochter Investment Finance Corporation (IFC) wurde auch in Asien eine regionale Mikrofinanzinitiative (MIFA) lanciert.

Zusammen mit anderen Entwicklungsfinanciers - wie etwa die IFC, die Agence Française de Développement (AfD), die European Investment Bank (EIB), die European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) und die niederländische FMO - sorgt die KfW in globalen Mikrofinanzfonds für gute Mikrofinanzpraktiken und -standards.

Die hervorragende Bewertung durch Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) ist Auszeichnung und Ansporn zugleich, nicht nachzulassen in dem Bemühen, den Zugang nach Finanzdienstleistungen quantitativ und qualitativ weiter auszudehnen. So hat die KfW Entwicklungsbank einen Microfinance Innovation Fund aufgelegt, mit dem auch sehr kleine, innovative Vorhaben gefördert werden können.

Mit neuen Ansätzen zur Lokalwährungsfinanzierung versucht die KfW Entwicklungsbank den Bedürfnissen zahlreicher MFI entgegenzukommen, sich stärker in Landeswährung zu refinanzieren. So hat sie sich maßgeblich an dem Lokalwährungsfonds TCX beteiligt.

Wachsende Bedeutung erlangen Mikroversicherungen zur Verbesserung der sozialen Sicherung armer Bevölkerungskreise. MFI spielen hier eine wichtige Rolle als Vertriebskanal von Versicherungsprodukten, da sie ihre Kunden und deren Bedürfnisse genau kennen. Die KfW Entwicklungsbank hat mehrere Studien in ausgewählten Ländern finanziert und entwickelt geeignete Förderansätze.

Nachweisbare Wirkungen

Mikrofinanzvorhaben entfalten zahlreiche entwicklungsförderliche Wirkungen. Zunächst schaffen sie Einkommen und Beschäftigung für Hunderttausende Menschen und stellen damit, ergänzend zu Bemühungen in anderen Sektoren, wichtige Beiträge zum Kampf gegen die Armut dar. Insbesondere Frauen erhalten durch Mikrofinanzierung mit ihrem Einkommen mehr Perspektiven für sich und ihre Familien und genießen mehr gesellschaftliche Anerkennung. Der Finanzsektor selbst wird durch Mikrofinanzierung auf vielfältige Weise gestärkt: Er erreicht mehr Menschen, verbreitert seine Produktpalette und kann damit seine Ressourcenmobilisierungs- und Intermediationsfunktion (Umwandlung von Spareinlagen in Kredit) effektiver und effizienter erfüllen.


Weiterführende Informationen

Stand: Juli 2011