Engagement der KfW Entwicklungsbank

Zugang zu Finanzdienstleistungen

Ein Mann sitzt hinter seinem Obst, das er verkauft.

Ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen können arme Bevölkerungsgruppe ihr Selbsthilfe-Potenzial nicht entfalten. Quelle: KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net

Übergreifendes Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die Förderung armutsorientierter und effizienter Finanzsysteme durch die KfW Entwicklungsbank. In den bisher unterversorgten Teilen der Bevölkerung in Entwicklungs- und Transformationsländern wird durch Vertiefung des Finanzsektors, Verbreiterung der Produktpalette sowie durch Beiträge zu mehr Stabilität des Finanzsystems ein nachhaltiger Zugang zu angepassten Finanzdienstleistungen ermöglicht.

Das Engagement der KfW Entwicklungsbank im Finanzsektor fußt auf dem Sektorkonzept Finanzsystementwicklung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Darin ist ein systemischer Förderansatz vorgegeben, das heißt die Förderung setzt am Finanzsektor insgesamt an, um eine hohe Struktur- und Breitenwirkung zu erzielen.

Die KfW Entwicklungsbank setzt eine ganze Palette klassischer, aber auch innovativer Finanzierungsinstrumente ein: Refinanzierungslinien, Garantien, strukturierte Finanzierungen, Beteiligungen, Lokalwährungsansätze und begleitende Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Neben der direkten Unterstützung für Finanzintermediäre reicht das Engagement bis zum Aufbau von Einlagensicherungssystemen oder zur Unterstützung bei der Einführung von Verbriefungen. Dabei stehen Haushaltsmittel des BMZ, aber auch eigene Mittel (Förderkredite, Förderbeteiligungen) zur Verfügung.

Die Ansätze umfassen:

  1. downscaling: Einführung und Ausbau eines Geschäftssegments für Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen sowie untere Einkommensgruppen bei bestehenden Geschäftsbanken
  2. upgrading: Begleitung von Transformationsprozessen informeller und semi-formeller Finanzintermediäre und deren Integration in das nationale Finanzsystem
  3. greenfielding: Aufbau neuer, zielgruppenorientierter Finanzintermediäre, wie zum Beispiel Mikrofinanzinstitutionen
  4. linkage: Anbindung informeller Finanzintermediäre an den nationalen und internationalen Finanzmarkt.

Die KfW Entwicklungsbank arbeitet heute in rund 70 Ländern mit einem breiten Spektrum lokaler Finanzinstitutionen wie Mikro- und Geschäftsbanken, Refinanzierungsinstituten, Dorfkassen, Nicht-Regierungsorganisationen sowie regionalen und überregionalen Mikrofinanzierungsfonds zusammen. Bevorzugte Partner sind innovative, risikobereite und kundenorientierte private Finanzinstitutionen, die bei der Erschließung neuer Kundensegmente, etwa von Kleinst- und Kleinbetrieben, oder bei der Entwicklung neuer Finanzprodukte unterstützt werden.

Großes Portfolio

Das Finanzsektorportfolio betrug Ende 2010 5,97 Milliarden Euro, davon entfiel rund ein Fünftel auf Haushaltsmittel des BMZ, vier Fünftel kamen aus Mitteln, die die KfW selbst am Kapitalmarkt aufnahm, etwa in Form von Förderkrediten. Diese Mittel vervielfachen die Haushaltsmittel, ohne die das Finanzsektorengagement in der Form nicht möglich wäre.

Durch den revolvierenden Einsatz der langfristigen Refinanzierungsmittel entfaltet die Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) dabei eine zusätzliche Hebelwirkung. Das Finanzsektorengagement der KfW hat vielfach Modellcharakter und wirkt dadurch strukturbildend und breitenwirksam.

Breite Kompetenz

Wichtige Grundlagen der Arbeit der KfW Entwicklungsbank sind das Bankpotenzial mit dem spezifischen Know-how, den Instrumenten und Synergiewirkungen durch Nutzung der Kompetenz anderer Teile der KfW Bankengruppe, sowie die internationale Vernetzung. Ein Team von Spezialisten im Kompetenz-Center Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung verfolgt die Produktentwicklung, bringt die Erfahrungen der KfW in die internationale Diskussion ein und sorgt über hausinterne Aus- und Fortbildung. Aufgrund ihrer Erfahrung ist die KfW Entwicklungsbank gefragter Partner multilateraler Institutionen bei der Kofinanzierung, aber auch in einer Führungsfunktion bei der Gestaltung von Finanzsektorvorhaben.

Für die Finanzsektorförderung stehen vor allem drei Themen im Vordergrund: Die Beibehaltung der international herausragenden Stellung bei der Mikrofinanzierung, der Ausbau entwicklungspolitisch förderungswürdiger strukturierter Finanzierungen sowie der Ausbau der Ansätze bei Umweltfinanzierungen. Wichtige Entwicklungs- und Querschnittsthemen sind Responsible Finance, Mikroversicherungen, Lokalwährungsfinanzierung, Wohnraum- und ländliche Finanzierung.

Stand: Juli 2011