Integrierter Ansatz

Alle machen mit - alles wird genutzt

Ein Berg voller Kompost vor der Kompostierungsanlage

Organische Abfälle werden kompostiert. Quelle: KfW

Vordringliche Aufgabe der Vorhaben, die die KfW Entwicklungsbank in der Abfallwirtschaft finanziert, ist es, die Voraussetzungen für eine geordnete, zuverlässige und nachhaltige, das heißt auch finanzierbare Entsorgung der Abfälle zu schaffen. Neben der Bereitstellung der erforderlichen Basisinfrastruktur beinhaltet dies den Aufbau und die Stärkung geeigneter institutioneller und organisatorischer Strukturen – vor allem Trägeraufbau, Einführung und Anpassung von Gebührensystemen, Umweltbewusstseinsbildung und die Qualifikation des Personals. 

Dabei verfolgen wir einen integrierten Ansatz, das heißt, wir beziehen alle Komponenten ein - von der Einsammlung einschließlich frühzeitiger Trennung verwertbarer Abfälle bis zur umweltverträglichen Ablagerung. Zudem werden - neben häuslichen und hausmüllähnlichen Abfällen - auch die Abfallarten berücksichtigt, die gemeinsam mit Hausmüll behandelt und abgelagert werden können.

Effiziente Verwertung fördern

Die möglichst weitgehende Verwertung von Abfällen ist vorrangiges Ziel und integraler Bestandteil der Vorhaben. Vorhandene informelle Recyclingstrukturen werden soweit wie möglich eingebunden und gestärkt. Eine besondere Herausforderung dabei ist, die Menschen, die vom Einsammeln des Mülls leben, behutsam in die Vorhaben einzubeziehen und zugleich sicherzustellen, dass ihre Aktivitäten ein verlässlicher Baustein der Entsorgung sind. Durch Verbesserung der Rahmenbedingungen und Kooperation mit dem informellen Sektor können die Arbeitsbedingungen und die Einkommensmöglichkeiten dieser Personen erheblich verbessert werden. Die Eltern sind nicht mehr auf die Mitarbeit der Kinder angewiesen und eher bereit, sie zur Schule gehen zu lassen. Dies leistet einen Beitrag zur Armutsminderung für diese Bevölkerungsgruppen und eröffnet den Kindern die Chance auf Bildung und damit auf ein Entkommen aus ihrem Milieu.

Abfall – Rohstoff- und Energieressource

Weitergehende Ansätze zielen darauf ab, nicht nur die "traditionellen" Wertstoffe zu recyceln, sondern möglichst große Anteile des Abfalls zu verwerten. Abfälle stellen Rohstoffe und Energieressourcen dar, die es durch differenziertes Management zu erschließen gilt. Verpackungen, Elektronikschrott, Kunststoffe, Bauabfälle, Elektro- und Kühlgeräte enthalten wertvolle, zum Teil seltene Rohstoffe, die ansonsten teuer importiert werden müssen. Organische Abfälle wie Küchen- und Essensreste, Grün- und Strauchschnitt, Markt- und Schlachtabfälle, Klärschlämme, landwirtschaftliche Abfälle wie Gülle, Mist und Ernterückstände können zur Erzeugung von Biogas und Bodenverbesserungsmitteln genutzt werden. Aus Abfällen separierte und aufbereitete, heizwertreiche, aber schadstoffarme Abfälle können für die Energieerzeugung eingesetzt werden und damit Primärenergie ersetzen. 

Müllsammler auf einem großen Müllhaufen

Müllsammeln als Einkommensquelle. Quelle: KfW

Nur wenn ein Großteil der wachsenden Menge von Abfällen als Sekundärrohstoff in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt wird und die nicht nutzbaren Restabfälle umweltverträglich entsorgt werden, können die zunehmende Umweltdegradierung in Entwicklungsländern gestoppt, langfristige Umweltrisiken vermieden und ein nennenswerter Beitrag zur Deckung des Bedarfs an Rohstoffen und Energie dieser Länder geleistet werden. Die weitergehende Nutzung der Ressource Abfall erfordert die Einführung fortschrittlicher Verfahren und Technologien. Dabei wollen wir möglichst Entwicklungsstufen, die die Abfallwirtschaft in Deutschland durchlaufen hat, überspringen ("leapfrogging") und vor allem Fehlentwicklungen nicht wiederholen. Allerdings reichen die finanziellen Möglichkeiten und Durchführungskapazitäten der Partner für den aus Sicht des Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutzes wünschenswerten Technologie- und Effizienzsprung oft noch nicht aus. Hier gilt es, den örtlichen Bedingungen angepasste Strategien und Verfahren der Abfallverwertung und -behandlung zu entwickeln, um die Nachhaltigkeit der Vorhaben, auch in finanzieller Hinsicht, abzusichern.

Neue Spielräume durch den Emissionshandel

Der Klimaschutz, genauer gesagt der Emissionshandel und die Kohlenstoffmärkte, eröffnen gute Möglichkeiten, die finanziellen Voraussetzungen für den Einsatz fortschrittlicherer Technologien substantiell zu verbessern. Hier sind die Erwartungen an Deutschland mit seinen weltweit führenden Recyclingtechnologien und dem hier entwickelten Know-how besonders hoch. Nach unseren Erfahrungen könnten 20 bis 30 Prozent und mehr der Kosten des Entsorgungssystems über die Kohlenstoffmärkte gedeckt werden. Bei den von der KfW Entwicklungsbank geförderten Abfallwirtschaftsvorhaben wird daher grundsätzlich geprüft, inwieweit sich die Vorhaben für den Emissionshandel eignen und welche weitergehenden Maßnahmen im konkreten Fall realisiert werden können, um eine möglichst weitgehende Methanreduktion zu erreichen. Mit dem KfW Klimaschutzfonds verfügen wir über spezialisiertes Know-how in diesem Bereich und können so die Möglichkeiten des Emissionshandels frühzeitig beim Projekt-Layout berücksichtigen.

Stand: Juli 2011