Bedeutung für Armutsminderung und Entwicklung
Müll: Brutstätten für Krankheiten
Beispielhafte Deponieanlage in Denizli, Türkei. Quelle: KfW
Nicht ordnungsgemäß entsorgte Abfälle beeinträchtigen die Stadthygiene und bergen Gesundheitsrisiken. Abfälle bilden Brutstätten für Überträger von Krankheiten wie etwa Malaria oder Denguefieber, sind Nahrungsquelle für Ratten und Ungeziefer und schaffen damit ideale Voraussetzungen für die Verbreitung von Krankheitserregern. Insbesondere ärmere Bevölkerungsschichten sind in den Entwicklungsländern betroffen.
Gewässer, Luft, Boden, Natur, Landschaft, Flora und Fauna werden durch ungeordnete Müllkippen gefährdet. Trinkwasserressourcen, Flüsse, Seen, Küsten und Meere werden durch austretendes Sickerwasser kontaminiert, die Luft wird durch Deponiegas, Brände und starke Geruchsbildung belastet. Hinzu kommt der Landschaftsverbrauch durch ungeordnete Müllkippen und die Verunstaltung des Stadt- und Landschaftsbildes durch wilde Müllablagerungen. Gesundheits- und Umweltschutz ist ohne geordnete Abfallwirtschaft nicht möglich.
Abfallwirtschaft ist Klimaschutz
Ungeordnete Müllkippen verschmutzen nicht nur das Grundwasser, sie sind insbesondere wegen des Gases Methan, das sich beim Abbau von Abfällen in Müllkippen und Deponien bildet, auch ausgesprochen klimaschädlich. Methan wirkt sich 21-mal so stark auf das Klima aus wie Kohlendioxid (CO2). Eine Methan-Emissionsreduktion um eine Tonne entspricht einer CO2-Reduktion um 21 Tonnen.
Durch Recyclingmaßnahmen zur Rohstoff- und Energieeinsparung, Behandlung von Abfällen zur Vermeidung der Methanbildung in Deponien und Fassung der Deponiegase können Entwicklungsländer einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In Deutschland hat allein die Beendigung der Deponierung unbehandelter Abfälle und die Deponiegasfassung mehr als zehn Prozent zur Reduktion aller klimarelevanten Emissionen beigetragen. Zählt man die durch Recycling erzielten Wirkungen hinzu, sind es nach Berechnungen des Umweltbundesamtes sogar über 20 Prozent.
Baustein wirtschaftlicher Entwicklung
Die Volkswirtschaften vieler Entwicklungsländer, insbesondere der Schwellen- und Transformationsländer, befinden sich mittlerweile in einer Situation, in der die unzulängliche und zunehmend teurere Versorgung mit Rohstoffen und Energie einerseits sowie die Kontaminierung von Boden, Luft und Wasserressourcen andererseits die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung behindern. Beide Aspekte sind über die Abfallwirtschaft eng miteinander verknüpft: Weltweit nimmt der Verbrauch fossiler Energieträger und Rohstoffe zu und führt zu einem stetigen Anstieg der Abfallmengen.
Geringe Ressourcen- und Energieeffizienz erhöht die Produktionskosten und die Betriebe verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen in Entwicklungsländern stehen vielfach nur vor der Alternative, entweder ihre Abfälle illegal zu entsorgen oder auf dem Firmengelände zwischen zu lagern. Beides ist vor allem bei giftigen Abfällen besonders problematisch: Mitarbeiter und Betriebsstätten werden schleichend kontaminiert, es drohen Imageschaden und der Verlust lukrativer Absatzmärkte, wenn die Erwartungen der Kunden auf Einhaltung von Produkt- und Umweltstandards nicht erfüllt werden können. Wilde Müllkippen und schmutzige Städte schrecken Touristen und potentielle Investoren ab, "saubere" Regionen mit geordneter Abfallwirtschaft haben klare Standortvorteile. Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung braucht eine funktionierende, umweltverträgliche und ressourcenschonende Abfallwirtschaft.
Baustein geordneter Stadtentwicklung
Städtische Infrastruktursysteme wie die Wasserversorgung und Kanalisation, Umweltschutzeinrichtungen wie Kläranlagen und Abgasfilter von Kraftwerken und Industriefeuerungen sowie Bewässerungsanlagen der Landwirtschaft können ohne geordnete Abfallentsorgung nicht sachgerecht funktionieren: Trinkwasserressourcen werden durch ungeordnete Abfallablagerungen kontaminiert, die Leistungsfähigkeit von Trinkwassergewinnungs- und -aufbereitungsanlagen beeinträchtigt. Müll in Kanälen und Rinnen verursacht Überschwemmungen, führt zu Brutstätten für Krankheitsüberträger und üblen Gerüchen in bebauten Gebieten.
Bewässerungskanäle werden durch Abfälle verstopft und Bewässerungswasser kontaminiert. Schlacken und Rückstände aus der Abluftreinigung von Kraftwerken und industriellen Feuerungsanlagen oder aus der Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung bedürfen ebenso der sachgerechten Entsorgung wie alle anderen Abfälle: von Märkten, aus Grünanlagen, Schulen, Krankenhäusern, von Baustellen, aus der Straßenreinigung, Schlachthäusern und anderen Einrichtungen. Geordnete Stadtentwicklung und funktionierende Infrastruktur sind ohne zuverlässige Abfallwirtschaft nicht erreichbar.
Weiterführende Informationen
- Emissionshandel als Chance (PDF, 732 KB, nicht barrierefrei)
- Präsentation RETech-Initiative (PDF, 1,9 MB, nicht barrierefrei)
- Abfall als Ressource - Website des Bundesumweltministeriums
- RETech Waste Management
Stand: Juli 2011