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Nordafrika und Naher Osten

Projektgebiet Nordafrika und naher Osten

Bedroht durch Klimawandel und Wassermangel

Die Region "Naher Osten und Nordafrika" (MENA, Middle East and North Africa) erstreckt sich über den Norden Afrikas, von Marokko bis Ägypten und östlich des Mittelmeers, vom Jemen über die Länder der arabischen Halbinsel bis nach Syrien und Irak. Alle Länder der Region - bis auf Israel - gehören der Arabischen Liga an.

Große Kontraste

Die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede in der Region sind groß. Während die reichen Länder des Nahen Ostens - in erster Linie die Erdöl exportierenden Golfstaaten - die meisten Entwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen bis 2015 problemlos erreichen werden, zählt der Jemen - mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von nur rund 1200 US-Dollar (2008) und hohen Armutsraten - zu den ärmsten Ländern weltweit. Auch in den palästinensischen Gebieten ist die Armut in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Hier - wie auch im Irak - leben viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Gewaltsame Konflikte, aber auch verkrustete Strukturen verhindern eine angemessene menschliche Entwicklung.

Von gravierenden Auswirkungen der globalen Finanzkrise ist die MENA-Region aufgrund der geringen Einbindung in das weltweite Finanzsystem verschont geblieben. Auch die realwirtschaftlichen Folgen blieben für die Region begrenzt, trotz gefallener Ölpreise, zurückhaltender Exportmärkter und eingeschränkter Überweisungen der Gastarbeiter. Die Ölstaaten konnten Einbußen aufgrund des drastisch gefallenen Ölpreises mit satten Reserven kompensieren, die Erdölimporteure haben von den niedrigen Preisen profitiert. Dennoch ist damit um ein weiteres Mal die Abhängigkeit vom Erdöl deutlich geworden. Mangelnde wirtschaftliche Diversifizierung, eine niedrige industrielle Produktivität und die schwache Ausprägung des Privatsektors ist auch ein Hauptgrund für die hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter den jungen Menschen in der Region. Auch in den MENA-Ländern ist die Bevölkerungsentwicklung langfristig rückläufig und beträgt momentan rund 2%. Nach Jahrzehnten mit hohen Geburtenraten sind rund 30% der Bevölkerung im Alter von 15-29 Jahren, im Durchschnitt sind 28% davon ohne Arbeit – die größte regionale Jugendarbeitslosigkeit weltweit.

Transformationsprozesse blockiert

Auch die Bandbreite der politischen Systeme ist groß. Neben den autokratischen Systemen am Golf werden auch die Länder Syrien, Ägypten, Libyen und Tunesien mit harter Hand und zum Teil in Erbfolge geführt. In den konstitutionellen Monarchien Marokkos und Jordaniens hingegen sind demokratische Transformationsprozesse mit positiven Auswirkungen auf die sozioökonomische Lage dieser Länder deutlich sichtbar. Wenngleich die Wahlen in den Palästinensischen Gebieten 2006 einen Ausbruch der Gewalt zur Folge hatten, ist festzuhalten, dass dort die ersten freien Wahlen in einem arabischen Land stattgefunden haben. Der Jemen verfügt seit seiner Wiedervereinigung im Jahr 1990 über das einzige Mehrparteiensystem der Region. Hier, wie auch im Libanon, werden die politischen Prozesse jedoch durch interne und regionale Konflikte blockiert und überlagert.

Der Mangel an Pluralismus und Demokratie, wird oft mit der Bedrohung durch terroristische Gruppierungen begründet. Tatsächlich sind zwar in fast allen Ländern der Region konservativ-religiöse und fundamentalistisch geprägte Massenbewegungen zu einer ernst zu nehmenden politischen Kraft geworden, die allerdings nicht automatisch mit terroristischen Gruppen gleich zu setzen sind. Ihr Erfolg wird mit dem Versagen der am Westen orientierten Kräfte erklärt. Sie propagieren eine an religiöser Rechtschaffenheit orientierte Politik und setzen sich in fast allen arabischen Ländern aktiv über soziale Netzwerke für benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein. Die Politik des Westens in der Region nach dem 11. September 2001 - wie die Kriege im Irak und Afghanistan - und der ungelöste Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern scheint den Erfolg dieser Akteure zu verstärken.

Wasserkrise und Klimawandel

In allen Ländern der Region herrscht eine bedrohliche Wasserknappheit. Trotz sichtbarer Fortschritte bedrohen steigender Verbrauch, große Schadstoffbelastungen und institutionelle Schwächen die knappen Ressourcen. Die Wasserreserven der Länder Jemen und Jordanien werden bei gleich bleibender Entwicklung in naher Zukunft nicht mehr für die Versorgung der Bevölkerung, der Landwirtschaft und der Industrie ausreichen. Sieben Länder der Region zählen zu den zehn Ländern mit der weltweit größten Wasserknappheit. Einige Länder beziehen ihr Wasser von außerhalb oder teilen sich Wasserressourcen mit benachbarten Staaten. Während die reichen Golfstaaten bereits auf Meerwasserentsalzung umgestellt haben, suchen gerade die ärmeren Länder wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Lösungen, um die drohende Krise abzuwenden. Aktuelle Prognosen gehen zusätzlich davon aus, dass die Region überdurchschnittlich stark unter dem Klimawandel und dem zusätzlichen Druck auf die Wasserressourcen leiden wird. Damit steigt auch die Gefahr inner- und zwischenstaatlicher Verteilungskonflikte. Klimawandel, Wasserkrise, Arbeitslosigkeit und politische Konflikte wirken grenzüberschreitend. Hieraus ergibt sich eine besondere Verantwortung Europas für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas zur Bewältigung ihrer Probleme.

Seit über 40 Jahren in der Region

Die KfW Entwicklungsbank ist bereits seit über 40 Jahren in der Region tätig. Lokale Büros und Vertretungen finden sich mittlerweile in Marokko, Ägypten, Jemen, den Palästinensischen Gebieten, Jordanien, Syrien und im Libanon. Im Auftrag der Bundesregierung wurde in erneuerbare Energien, Siedlungswasserwirtschaft, Bewässerung und Abfallwirtschaft investiert. Zusätzlich unterstützt die KfW Entwicklungsbank die Partnerregierungen bei der Umsetzung wichtiger Reformen im Bildungs- und Finanzsektor. Vor dem Hintergrund der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung mit Europa und der Öffnung der Märkte ist ein weiterer Schwerpunkt die Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen.

In Zukunft wird es in der Finanziellen Zusammenarbeit darum gehen, gemeinsam die Folgen des Klimawandels zu bewältigen und die knappen Ressourcen der Länder zu schützen. Die KfW Entwicklungsbank und ihre Partner orientieren sich im Wassersektor am Konzept des Integrierten Wasserressourcen Managements (IWRM), das die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Wassers bei der nachhaltigen Bewirtschaftung der Vorkommen berücksichtigt. Investitionen in der Siedlungswasserwirtschaft und in effiziente Bewässerung - häufig verknüpft mit Reformen - tragen wesentlich zur Beseitigung der Armut und gesundheitlicher Probleme und zum Erhalt der kostbaren Ressourcen bei.

Neben dem langfristigen Engagement in der MENA-Region leistet die KfW Entwicklungsbank im Auftrag der Bundesregierung auch kurzfristige Unterstützung, um die Lebenssituation der von den Konflikten betroffenen Bevölkerung zu verbessern. Beispiele dafür sind die Soforthilfe der Bundesregierung im Libanon nach den kriegerischen Auseinandersetzungen im Sommer 2006, der Bau von Schulen für irakische Flüchtlinge in Syrien und Programme zur kurz- und mittelfristigen Unterstützung der Palästinenser. Die Programme der KfW Entwicklungsbank werden im Vorfeld und während der Durchführung auf eine konfliktsensible Gestaltung geprüft. Das Potential für eine Konflikt mindernde Wirkung soll stets ausgeschöpft und eine Konflikt verstärkende Wirkung vermieden werden. In einigen Vorhaben, wie beispielsweise in den Palästinensischen Gebieten und im Libanon, gelingt es Gegensätze auszugleichen und verschiedene Konfliktakteure auf fachlicher Ebene zusammen zu bringen.


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