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Die Entwicklungsländer der Region Lateinamerika und Karibik haben bei aller Heterogenität in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Die weltweit steigenden Rohstoffpreise haben in vielen Ländern für hohe wirtschaftliche Zuwachsraten gesorgt. Auch hinsichtlich Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit hat die Region eine beachtliche Entwicklung erfahren. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Region insgesamt bislang erstaunlich gut überstanden; dank einer in den letzten Jahren soliden Fiskal- und Geldpolitik, effektiver Kapitalmarktregulierung und einer diversifizierten Handelsstruktur. Dennoch kommen häufig in den ärmeren Bevölkerungsschichten diese positiven Entwicklungen kaum an: Die hohe soziale Ungleichheit, schlechte Bildungs- und Arbeitsmarktchancen breiter Bevölkerungsschichten, aber auch zunehmende Umweltprobleme stellen daher weiterhin große Herausforderungen auch an die Entwicklungszusammenarbeit (EZ).
Die KfW Entwicklungsbank engagiert sich in der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) mit der Region insbesondere in den Bereichen Umwelt und Klimaschutz, Einkommens- und Beschäftigungsförderung insbesondere über Mikrofinanzierung und ländliche Entwicklung, städtische Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Förderung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Teilhabe der Armen. In vielen Schwerpunkten arbeiten auch die anderen deutschen EZ-Akteure, um möglichst hohe Synergien zu erreichen. Wichtige weitere Handlungsfelder sind außerdem die Kommunalentwicklung, Bildungsförderung, Bekämpfung von HIV/AIDS sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau (Gender). Um die zunehmende Heterogenität der Region zu berücksichtigen, setzt die KfW Entwicklungsbank ein differenziertes und den unterschiedlichen Ansprüchen der Länder entsprechendes Instrumentarium ein, das neben der klassischen Finanzierung aus Haushaltsmitteln des Bundes die Beimischung von KfW-Mitteln (Entwicklungskredite) oder die reine Finanzierung aus KfW-Mitteln (Förderkredite) sowie begleitende Maßnahmen der institutionellen Förderung sowie der Aus- und Fortbildung umfasst. Gerade in den größeren Schwellenländern gewinnt zunehmend auch der Austausch unserer Erfahrungen mit den inländischen Förderprogrammen der KfW mit unseren Partnern an Bedeutung.
Der Amazonasregenwald, die Anden und die zentralamerikanische Landenge – die großen Ökosysteme Lateinamerikas sind für das globale Klima und die weltweite Vielfalt der Arten von enormer Bedeutung. Doch, obwohl die Umweltpolitik in Lateinamerika immer mehr an Stellenwert gewinnt, nimmt die Umweltzerstörung weiter zu. Der Schutz der Tropenwälder, der Artenvielfalt und der natürlichen Ressourcen ist deshalb ein wichtiger Schwerpunkt in der deutschen Finanziellen Zusammenarbeit (FZ). Damit eng verknüpft ist die Frage, wie umweltschonend der Subkontinent seine Energie erzeugt, verteilt und nutzt. In der FZ mit Lateinamerika und der Karibik ist daher auch das regionale Engagement zu Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz ("4E") immer bedeutender geworden. Finanzierungshilfen hierfür bieten u.a. die Sonderfazilitäten IKLU – die Initiative Klima- und Umweltschutz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, IKI – die Internationale Klimainitiative des Bundesministeriums für Umwelt sowie Eigenmittel der KfW.
Der Bereich der städtischen Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung hat in der Region unmittelbare Armuts- und Klimarelevanz. Denn obwohl die Versorgung in Lateinamerika im internationalen Vergleich noch relativ gut ist, gibt es immer noch zahlreiche Städte und Regionen, in denen viele Arme keinen oder nur ungenügenden Zugang zu Trinkwasserver- und Abwasserentsorgungssystemen haben. Der vielerorts bereits sehr sichtbare Klimawandel bringt große Herausforderungen für ein stabiles und umweltgerechtes Wassermanagement mit sich. Die deutsche FZ leistet in diesem Schwerpunkt einen sichtbaren Beitrag zur besseren Versorgung insbesondere armer Menschen mit dem Grundbedürfnisgut Wasser und zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) im Gesundheits- und Umweltbereich. Im Laufe der Jahre konnte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in diesem Schwerpunkt spezifische Fachkenntnisse aufbauen, die auch im Geberkreis anerkannt werden.
Lateinamerika wird heute größtenteils von verfassungskonformen und aus freien Wahlen hervorgegangenen Regierungen demokratisch geführt. Dennoch ist die Region nach wie vor geprägt von sozialer Ungleichheit, die ein hohes Konfliktpotential birgt und zu massiven Migrationsbewegungen führt. Viele Gesellschaftsgruppen wie zum Beispiel Indigene, aber auch Frauen, werden benachteiligt und staatliche Institutionen arbeiten häufig ineffizient und sind anfällig für Korruption. Notwendige Reformprozesse, vor allem auf lokaler Regierungsebene, schreiten nur langsam voran und unterliegen wechselnden politischen Ausrichtungen.
Durch die Stärkung und Weiterentwicklung der zentralen und dezentralen demokratischen Institutionen sowie Berücksichtigung auch benachteiligter Bevölkerungsgruppen bei politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozessen leistet die FZ einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung von Armut. FZ-Ansätze wie die gewaltpräventive Stadtentwicklung tragen zur Minderung sozialer Konflikte in der Region bei.
Kleinste, kleinere und mittlere Unternehmen (KKMU) sind in Lateinamerika die wichtigsten Arbeitgeber, gerade für die ärmeren Bevölkerungsgruppen. Sie stellen Arbeitsplätze und damit auch ein regelmäßiges Einkommen für einen Großteil der Erwerbsbevölkerung. Um im Wettbewerb auch langfristig bestehen und weiter wachsen zu können, ist für KKMU der Zugang zu einem breiten Angebot an angepassten Finanzprodukten (Kredite, Sparprodukte, Zahlungsverkehr) unerlässlich. Die deutsche FZ unterstützt die Ausweitung dieses Angebots derzeit in der Zusammenarbeit mit rund 30 Finanzinstitutionen in 10 Ländern Lateinamerikas. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Mikrofinanzierung. Damit leistet sie einen direkten Beitrag zur Armutsbekämpfung. Erfahrungsgemäß sind mehr als 50 Prozent der Kreditnehmer, insbesondere von Mikrofinanzinstitutionen, Frauen, deren Geschäftstätigkeit einen entscheidenden Beitrag zum Familieneinkommen leistet. Somit wird auch zur Stärkung der Gleichberechtigung beigetragen.
Stand: Juli 2010