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Mazedonien

Stadtzentrum von Skopje mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund

Skopje, Hauptstadt Mazedoniens. 

Statistische Daten Mazedonien, 2008

Fläche in qkm 25,333
Hauptstadt Skopje
Einwohner in Mio. 2,1
Bruttoinlandsprodukt in Mio. US-Dollar 8,929
Wirtschaftswachstum in Prozent 5,0
Human Development Index Wert: 0,808
Rang: 68 von 179 Ländern

Ein Land im Aufbruch

Die ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien war die wirtschaftlich am wenigsten entwickelte und ärmste der sechs Republiken des früheren sozialistischen Jugoslawiens. Nach Auflösung der jugoslawischen Föderation 1990 und einem Referendum erklärte Mazedonien 1991 seine Unabhängigkeit. Im Gegensatz zu den anderen Ländern der Förderation verlief der Unabhängigkeitsprozess in Mazedonien friedlich.

Erst die militärischen Auseinandersetzungen zwischen albanischen Separatisten und mazedonischen Sicherheitskräften von Anfang bis Mitte 2001, brachten das Land an den Rand eines Bürgerkrieges. Eine Beilegung des Konfliktes erfolgte mit dem Friedensabkommen von Ohrid und dem Einsatz einer NATO Friedenstruppe. Bis heute wird jedoch die vollständige Umsetzung des Friedensvertrages von Ohrid durch innerethnische Spannungen erschwert. Insgesamt ist das Land allerdings seit Jahren politisch stabil.

Mazedonien ist eine kleine, offene Volkswirtschaft, die über keinen Zugang zum Meer verfügt. Es grenzt im Norden an Serbien und das Kosovo, im Osten an Bulgarien, im Süden an Griechenland und im Westen an Albanien. Das Land hat ein gutes landwirtschaftliches Potenzial, verfügt aber nur über wenige Bodenschätze wie Blei, Zink, Eisen, Gold, Kupfer und Nickel, die abgebaut, verarbeitet und exportiert werden. Die Landwirtschaft trägt in Mazedonien zwölf Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der industrielle Sektor rund 27 Prozent. Das Klima ist überwiegend kontinental geprägt, mit langen heißen Sommern und kurzen kalten Wintern.

Westintegration als politisches Hauptziel

Aus den Parlamentswahlen im Juli 2006 ist eine neue Regierung unter Führung der VMRO-DPMNE (slawische Partei) und einer der zwei großen Albanerparteien - DPA - hervorgegangen. Die Koalition geriet Anfang 2008 in Schwierigkeiten, nachdem sie sich in einigen Kernfragen wie der Statusregelung der albanischen Kämpfer von 2001 und der Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos nicht einigen konnte. Aus den vorgezogenen Neuwahlen am 1. Juni 2008 gingen Premierminister Nikola Gruewski und seine Partei VMRO gestärkt hervor. Allerdings waren die Wahlen begleitet von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den albanischen Lagern. Aufgrund des Prinzips der Doppelmehrheit nach dem Friedensvertrag von Ohrid ging die VMRO dieses Mal eine Koalition mit der größten albanischen Partei, der Demokratischen Union für Integration (DUI) ein.

Das außenpolitische Hauptziel Mazedoniens ist die Westintegration, besonders der Beitritt zur NATO und zur EU. Die vom NATO-Gipfel im April 2008 in Bukarest erhoffte Einladung Mazedoniens zur Aufnahme in die NATO scheiterte am Veto Griechenlands. Im März 2004 stellte Mazedonien einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EU. Die EU bescheinigte Mazedonien gute Fortschritte im Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess und erteilte dem Land Ende 2005 den Kandidatenstatus. Auch wenn die EU-Mitgliedschaft sicher nur ein mittelfristiges Ziel und ein Beitrittstermin nicht vor 2010 zu erwarten ist, hat der Assoziierungsprozess nicht nur stabilisierend auf die innenpolitische Situation gewirkt, sondern auch die sozioökonomische Transformation befördert.

Die zunächst schwierigen Beziehungen Mazedoniens zu den Nachbarn Albanien und Griechenland haben sich über die letzten Jahre kontinuierlich verbessert und tragen zur Stabilität in der Region bei. Trotz der ungelösten Namensfrage, die seit der Unabhängigkeit besteht, ist Griechenland wichtigster Investor in Mazedonien. Durch die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo im Oktober 2008 sind Mazedoniens Beziehungen zu diesem Nachbarland enger geworden.

Im Übergang zur Marktwirtschaft

Nach der Unabhängigkeit 1991 litt die mazedonische Wirtschaft unter enormen Transformationsproblemen. Die Industrie war in hohem Maße in die frühere jugoslawische Wirtschaft integriert und hat besonders stark unter den Folgen des Zerfalls der Föderation gelitten. Erst seit 1996 kann das Land positive Wachstumsraten verzeichnen. Die Aussichten auf eine nachhaltige industrielle Wiederbelebung sind zurzeit jedoch nur verhalten positiv.

Die mazedonische Wirtschaft befindet sich im Übergang zur Marktwirtschaft und liegt im reformpolitischen Spektrum der Transformationsländer im unteren Mittelfeld. Der Kosovo-Krieg und besonders die sich daran anschließenden militärischen Auseinandersetzungen zwischen albanischen Nationalisten und den mazedonischen Sicherheitskräften belasteten 2001 die mazedonische Wirtschaft erheblich, verursachten einen BIP-Rückgang von 4,5 Prozent und brachten die Leistungsbilanz und den Staatshaushalt mit je rund sieben Prozent des BIP ins Minus.

Hohe Arbeitslosigkeit

Der für die Wirtschaft größte Wertschöpfungsbeitrag geht mit rund 60 Prozent vom Dienstleistungsbereich aus. Gut 90 Prozent der Betriebe sind privatisiert und etwa 65 Prozent des BIP wird im privaten Sektor erwirtschaftet. Besorgniserregend ist die andauernd hohe Arbeitslosigkeit von rund 35 Prozent, wovon die albanischstämmige Bevölkerung überdurchschnittlich betroffen ist. Gründe dafür sind, neben den Nachwirkungen der kriegsähnlichen Auseinandersetzungen, auch das Ausbleiben von Arbeitsmarktreformen und das eher durchschnittliche Wirtschaftswachstum von rund vier bis fünf Prozent. Allerdings hat die Regierung mit der Einführung eines pauschalen Einkommenssteuersatzes in Höhe von 10 Prozent im Jahr 2008 die Einnahmen des Staates deutlich erhöhen können

Als kleines Land ist Mazedonien stark vom Außenhandel abhängig. Die Exporte sind sektoral diversifiziert und regional zunehmend auf die EU ausgerichtet (über 40 Prozent). Deutschland gehört mit Serbien zu den Haupthandelspartnern Mazedoniens (neben Griechenland und Italien), in den letzten Jahren aber mit fallender Tendenz. 2008 flossen ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 6,9 Prozent des BIP nach Mazedonien. Eine stabilisierende Wirkung für die Wirtschaft geht außerdem von den hohen Gastarbeiterüberweisungen aus, die 2008 etwa 18 Prozent des BIP betragen und absolut betrachtet auch in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben werden. Der Staatshaushalt wies in den vergangenen Jahren nur ein sehr geringes Defizit auf.

Schrumpfende Bevölkerung

In Mazedonien leben gut zwei Millionen Menschen, deren Zusammensetzung stark regional abhängig ist. Die Bevölkerungsmehrheit bilden ethnische Mazedonier (64,2 Prozent), gefolgt von der zweitgrößten Bevölkerungsgruppe, den Albanern (25,2 Prozent). Die Albaner konzentrieren sich vor allem im Westen des Landes, und bilden dort eine Bevölkerungsmehrheit von circa 70 Prozent. Weitere Bevölkerungsgruppen Mazedoniens sind Türken, Roma, Serben, Bosniaken, Vlachen und kleinere ethnische Gruppen, deren Anteil an der Bevölkerung in der Summe zwölf Prozent nicht übersteigt.

Die Lebenserwartung der Bevölkerung fiel nach 1990, wie in vielen osteuropäischen Transformationsländern. Dies lag hauptsächlich am Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Auch die Geburtenrate fiel deutlich, allein zwischen 1998 und 2004 um über drei Prozent. Die Sterblichkeitsrate hat sich im Gegenzug erhöht. So ist ein Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Diese Entwicklungen sind nicht zuletzt auch eine Folge der langsamen Wirtschaftsentwicklung und der hohen Arbeitslosigkeit, die einer regen Bevölkerungsentwicklung die finanzielle Grundlage nehmen.

Infrastruktur

Mazedoniens wichtigste Straßenverkehrsader verläuft von Norden nach Süden. Das Land ist dementsprechend gut an Serbien und Griechenland angebunden, die Verbindung zu Albanien und Bulgarien ist weniger günstig ausgebaut. Während der Konflikte 2001 ist der Luftverkehr (Mazedonien verfügt über zwei internationale Flughäfen) und der Eisenbahnverkehr drastisch zurückgegangen. Seit einiger Zeit ist jedoch ein merklicher Zuwachs in beiden Bereichen zu verzeichnen. Modernisierungsmaßnahmen, besonders im Luftverkehr, sollen die Konkurrenzfähigkeit und die Attraktivität dieser beiden Transportwege erhöhen. Neben dem Frachtaufkommen kann von dieser Entwicklung auch der Tourismus profitieren.

Stand: Mai 2009


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