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Windkrafträder zur Stromerzeugung in Indien
Strom ist nicht selbstverständlich in Indien. Immer noch sind hier derzeit etwa 500 Millionen Menschen – von insgesamt 1,2 Milliarden – nicht an ein Stromnetz angeschlossen. Und selbst die 700 Millionen mit Anschluss haben bei weitem keine zuverlässige Stromversorgung: Täglich wird der Strom insbesondere in ländlichen Gebieten für mehrere Stunden abgeschaltet, weil die Stromproduktion nicht ausreicht oder die Netze zusammenbrechen. Dabei wird das Land 2020 voraussichtlich die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde sein. Nicht nur mit positiven Folgen: Schon heute ist Indien fünftgrößter Emittent des Klimagases Kohlendioxyd. Wie das Land seinen enormen Energiebedarf zukünftig deckt, wird großen Einfluss auf das globale Klima haben.
Bereits 1999 hat die KfW Entwicklungsbank daher begonnen, Indien bei der Finanzierung erneuerbarer Energien zu unterstützen – mit einem Förderansatz, der damals für Indien völlig neu war: Zinsgünstige Darlehen sollten privaten Energieunternehmen den Impuls geben, in ein nachhaltiges und gleichzeitig lukratives Geschäft zu investieren. An Ressourcen für eine nachhaltige Energieproduktion mangelt es Indien nicht: Im Nordosten ist die Sonneneinstrahlung eine der höchsten der Welt, an den Hängen des Himalajas gibt es große Wasserkraftressourcen, an den Küsten hervorragende Standorte für Windkraftanlagen und aus den Agrar- und Industrieabfälle ergibt sich ein großes Potenzial für Biomasseprojekte.
Um Kredite für den Ausbau erneuerbarer Energien zu ermöglichen, hat die KfW Entwicklungsbank die staatliche Förderbank IREDA ( Indian Renewable Energy Development Agency ) bis heute mit insgesamt 121,5 Millionen Euro an Finanzmitteln ausgestattet, um damit institutionelle und technologische Neuerungen zu fördern und ihre Verbreitung zu unterstützen. Außerdem finanziert die KfW Entwicklungsbank Maßnahmen, die auch IREDA selbst institutionell stärken sollen und zum Beispiel das Risikomanagement der Bank oder die Beurteilung von Umwelt- und Sozialaspekten bei Energieprojekten verbessern helfen.
Als neuestes Projekt hat die KfW Entwicklungsbank 2009 mit IREDA die Finanzierung eines Programms vereinbart, das die Nutzung von Biomasse zur Elektrizitätserzeugung fördert. Durch einen langfristigen Kredit in Höhe von knapp 20 Millionen Euro sollen Biomassekraftwerke mit Pilot-Charakter finanziert werden. Dafür wurde in Indien ein Wettbewerb um die besten Projektkonzepte gestartet, die innovative Lösungen für technologische, institutionelle und organisatorische Probleme aufzeigen.
Bis 2020 will die indische Regierung zudem solare Stromerzeugung mit einer Kapazität von 20.000 Megawatt installieren. Zum Vergleich: In Deutschland produzieren Solaranlagen aktuell 9.800 Megawatt. Es ist geplant, auch dieses Vorhaben über IREDA mit einem zinssubventionierten Darlehen zu unterstützen, das Endkredite für private Investitionen in Solarprojekte refinanzieren soll.
Seit nunmehr elf Jahren fördert IREDA vor allem kleinere private Energieprojekte. So wurden bislang 25 Windenergieanlagen mehrere Biomasse- und Kleinwasserkraftwerke mit einer Kapazität von 265 Megawatt installiert. Positives Ergebnis dieser langjährigen Kooperation: Die neu entstandenen Anlagen sind alle in Betrieb und erwirtschaften erhebliche Gewinne. Sie vermeiden den Ausstoß von ca. 850.000 Tonnen CO2 jährlich und versorgen inzwischen knapp 1,4 Millionen Menschen mit klimafreundlich erzeugtem Strom.
Insgesamt hat die Zusammenarbeit von KfW Entwicklungsbank und IREDA wesentlich zur Einführung neuer Technologien in Indien beigetragen. Wie eine Evaluation von 2009 zeigt, haben private Investoren in Indien auf der Grundlage dieses Finanzierungsangebots erhebliche Kapazitäten geschaffen, vor allem bei der Windenergie. Inzwischen gilt Indien weltweit als fünftgrößter Windenergiemarkt. Auch andere Geschäftsbanken haben das große Potenzial erkannt, das in der Finanzierung von Erneuerbaren-Energie-Anlagen liegt und sind mittlerweile ebenfalls in die Finanzierung solcher Projekte eingestiegen. Der Finanzsektor hat sich nachhaltig um das Produkt „langfristige Finanzierung von erneuerbaren Energien“ erweitert.
| Land | Indien |
|---|---|
| Sektor / BMZ-Förderbereich | Energie (darunter Energieeffizienz, regenerativer Energien) |
| BMZ-Projektnummer | 1997 65 538/2003 66 757/2007 66 303 |
| Status | seit 1999 in Durchführung und teilweise abgeschlossen. Phase IV befindet sich in Planung |
| FZ-Mittel in Mio. Euro | 62,5 |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | 75,6 |
Stand: Juli 2010