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Diskussionsrunde von Frauen in einem Dorf
Viele Regierungsvertreter waren schon in den Dörfern am Rande der Wüste und haben gesundes Wasser versprochen. Und schon oft wurden Rohre gelegt und Zapfstellen installiert – die dann nach wenigen Jahren den Dienst aufgaben. Viele bisherige Versuche, den Menschen auf dem Land Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, sind gescheitert, weil sich niemand um den Betrieb kümmerte und die Nutzer nie eingebunden, geschweige denn Wasserwerke oder Betreibergesellschaften gegründet wurden.
Die Folgen der mangelhaften Wasserversorgung sind sichtbar. Kinder, aber auch Erwachsene sind gezeichnet von Durchfallerkrankungen. Denn das Wasser aus den traditionellen Speicherbehältern ist nicht lange frisch. Schon bald wimmelt es darin von Bakterien und Kleintieren – und sie sind der Grund für viele Krankheiten. Die Kinder sind oft sehr empfindlich und kaum widerstandsfähig. Die Älteren klagen über Gelenkschmerzen. Rheumatismus ist verbreitet, die Kindersterblichkeit hoch.
Doch sauberes Wasser können sich die Ärmsten nicht leisten, die Wasser ohnehin nur zum Essen und Trinken nutzen können. Für Hygiene ist Wasser zu kostbar, Geschirr wird mit Sand gereinigt. Wer trotzdem sauberes Wasser haben will, der muss mit seinem Kamel und einem Wassertank von 500 Litern bis in die nächste Stadt reiten. Eine lange Reise. Und der Wasserpreis liegt zehn bis zwanzig Mal über dem Betrag, der bei einer zuverlässigen öffentlichen Versorgung zu bezahlen wäre.
Dass selbst am Rande der Thar-Wüste, wo jährlich höchstens 300 Millimeter Regen fallen, eine sichere und vor allem nachhaltige Wasserversorgung möglich ist, zeigt das Modellprojekt der KfW Entwicklungsbank, das 1994 begonnen und 2009 abgeschlossen wird. Zunächst versuchte die KfW, dass Misstrauen der Bevölkerung mit einheimischen Beratern zu überwinden. Nur gering war zum Beispiel die Bereitschaft, sich an Wasser- und Betriebskosten zu beteiligen – verständlich aufgrund der bisher schlechten Erfahrungen mit maroden öffentlichen Netzen und der vorherrschenden Einstellung in Indien, dass Wasser ein soziales Gut ist wie die Luft zum Atmen. Und deshalb nichts kosten darf. Dennoch ist es gelungen, die Menschen zu überzeugen, dass der Bezug von Trinkwasser rund um die Uhr und das ganze Jahr über einen Preis hat. Die Basis für das erfolgreiche Projekt.
Zum Erfolg trägt bei, dass die Bauern und Dorfbewohner intensiv
an allen Planungen beteiligt sind. Fünf
Nichtregierungsorganisationen aus Rajasthan, die sich zur Community Participation Unit (CPU) zusammen
schlossen, halfen mit, die Bevölkerung zu überzeugen und
einzubinden. Wohin kommen die Zapfstellen, wie soll das
Verteilungsnetz im Dorf verlaufen, wie sollen die Kosten auf die
Dorfbewohner umgelegt werden, wie soll das Netz dauerhaft
unterhalten werden? Fragen, die die Dorfbewohner in
Nutzergemeinschaften diskutieren und entscheiden, die für den
Betrieb der lokalen Netze verantwortlich sind. Ihre Mitglieder
werden von den Dorfgemeinschaften gewählt, die CPU übernimmt
Beratung und Schulung der Bevölkerung und der Nutzergemeinschaften
– und das ist eine Premiere für die Region. Erstmals arbeitete die
Regierung Rajasthans wirklich mit Nichtregierungsorganisationen
zusammen.
370 Dörfer und zwei Kleinstädte mit über 1,05 Millionen Einwohnern
sind inzwischen an die Wasserversorgung angeschlossen. Zudem wurden
über 25.000 Einfachtoiletten mit Waschraum und Sickergruben für das
Abwasser gebaut. Um das Gebiet dauerhaft mit Trinkwasser zu
versorgen, hat die KfW große Wasserwerke, Pumpstationen und
Pipelines finanziert, die Wasser aus dem Indira-Gandhi-Kanal über
bis zu 200 Kilometer ins Projektgebiet führt. Um dieses System zu
steuern und zu unterhalten ist eine kompetente und effiziente
Betriebsorganisation notwendig. Die KfW unterstützt die Regierung
von Rajasthan beim Aufbau einer solchen Gesellschaft.
Die Verantwortung der Menschen in den Dörfern stärkt, dass es einen Übergabepunkt mit Wasserzähler gibt, an der die Nutzergemeinschaften ihren Verbrauch ablesen und somit auch genau wissen, welche Kosten sie auf die einzelnen Familien entsprechend der Zahl der Familienmitglieder und deren Haustieren umlegen müssen. Ein traditionelles Umlagesystem, das sich auch hier bewährt hat. Und es hat auch den immer noch stark benachteiligten Frauen in der Region geholfen, denn Sie sind seit jeher für die Beschaffung von Wasser zuständig. So haben sie inzwischen viele Selbsthilfegruppen gegründet mit deren Hilfe sie sich gegenseitig Kredite für neue Haustiere, Medikamente und größere Anschaffungen geben. So können sie Dienstleistungen anbieten oder Produkte herstellen und das Familieneinkommen verbessern.
Die Wirkungen der sicheren Wasserversorgung sind aber auch in den Familien sichtbar. Die Zahl der Durchfallerkrankungen hat deutlich abgenommen, die Hygiene ist durch die Einführung von Waschräumen und Toiletten deutlich verbessert. Da die Menschen weniger Geld und vor allem Zeit für die Beschaffung von Wasser benötigen, haben viele Familien begonnen, die gewonnene Zeit für handwerkliche Tätigkeiten wie das Knüpfen von Teppichen zu nutzen – und steigern damit ihr Haushaltseinkommen. Da nun auch die Kühe und Wasserbüffel Wasser guter Qualität trinken können, ist auch das Milchaufkommen in der Region spürbar gestiegen und einige der Selbsthifegruppen beliefern sogar Molkereien in benachbarten Städten.
| Land | Indien |
|---|---|
| Sektor / BMZ-Förderbereich | 14020 - Wasserversorgung und Abwasser - große Systeme |
| BMZ-Projektnummer | 1993 65 420 |
| Status | 2009 abgeschlossen |
| FZ-Mittel in Mio. Euro | 77,1 + 1,0 die Begleitmaßnahme |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | 0,0 |
Stand: Juni 2009