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Indien 

Eine typische Straßenszene in Indien: Ein Motorroller überholt einen Mann, der einen Handkarren zieht.

Lärm und Abgase begleiten den städtischen Alltag in Indien
© KfW-Bildarchiv / Fotografin: Bärbel Högner

Statistische Daten Indien, 2009

Fläche in qkm 3.287.263
Hauptstadt Neu Delhi
Einwohner in Mio. 1.166
Bruttoinlandsprodukt in Mrd. US-Dollar 1.280
Wirtschaftswachstum in Prozent 6,5
Human Development Index Wert: 0,612
Rang: 134 von 179 Ländern

Land der Gegensätze

In den 50er und 60er Jahren gingen Hungerbilder aus Indien um die Welt. Seitdem hat das Land eine beeindruckende Entwicklung genommen. Damals lag das Wirtschaftswachstum bei 3,5 Prozent und konnte mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten. Heute wächst die Bevölkerung jährlich nur um ein Prozent, die Wirtschaft dagegen boomt. Das Bruttoinlandsprodukt legt seit 2003 jedes Jahr um mehr als sieben Prozent zu. Der Boom setzte mit der Liberalisierung der Wirtschaft Anfang der 90er Jahre ein. Zuvor herrschte in Indien eine so genannte Lizenzwirtschaft, in der jede unternehmerische Tätigkeit umständlich genehmigt werden musste.

Inzwischen hat sich Indien zu einem der größten Exporteure der Welt entwickelt. Indiens Forschung, insbesondere in der Biotechnologie, Informationstechnologie (IT) und Software-Industrie, zählt zu den führenden der Welt. Die Wirtschaft kann auf Millionen gut ausgebildete Ingenieure und Ärzte, Physiker und Chemiker zurückgreifen. Die besten indischen Universitäten halten mit den westlichen Elite-Hochschulen mit. Sie bilden jedes Jahr mehr als 400.000 IT-Ingenieure und Programmierer aus, so viele wie in keinem anderen Land. Selbst China kommt nur auf 60.000 bis 80.000 pro Jahr. Allein in Bangalore arbeiten 250.000 Programmierer, mehr als im amerikanischen Silicon Valley. Aber auch das verarbeitende Gewerbe entwickelt sich dynamisch. Unternehmen wie der Autobauer Tata-Motors machen weltweit Schlagzeilen, der Windkrafthersteller Suzlon ist führend in Asien. Längst ist Indien auch ein internationaler Dienstleister geworden. Alle großen Handyhersteller der Welt unterhalten dort große Entwicklungszentren. Viele Großbanken haben ihre IT nach Indien ausgelagert. Das alles schlägt sich inzwischen in einem lebhaften Exportwachstum nieder.

Landwirtschaft macht arm

Anders sieht es bei der Landwirtschaft aus. Mehr als zwei Drittel der Menschen – rund 730 Millionen – leben auf dem Land. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft und profitieren kaum vom Wirtschaftswachstum. Demgegenüber steht ein Anteil des Agrarsektors am Bruttoinlandsprodukt von nur 17 Prozent in 2009. Es gibt 120 Millionen landwirtschaftliche Betriebe in Indien, 60 Prozent dieser Betriebe bearbeiten Ackerflächen von nicht einmal einem Hektar. Die Erträge nehmen dabei durch zunehmende Bodenerosion, Verwüstung und Klimaveränderung ab.
Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2009 im Durchschnitt bei 982 US-Dollar.

Damit gehört Indien immer noch zu den Niedrigeinkommensländern – bei zugleich enormen sozialen Unterschieden. So wird die Anzahl der "Dollar-Millionäre" in Indien auf über 120.000 geschätzt. Die Probleme des Landes spiegeln sich auch in anderen Indikatoren wieder. Während viele Inder gut ausgebildet sind, können immer noch knapp 39 Prozent der Bevölkerung nicht lesen und schreiben. Elf Prozent der Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser – in absoluten Zahlen sind das 128 Millionen Menschen.

Ein Fünftel der Inder – 217 Millionen – sind unterernährt, obwohl sich das Land inzwischen selbst versorgen kann. Noch schlimmer ist die Lage der Kinder: Fast die Hälfte der Vorschulkinder ist von Unterernährung gezeichnet. Die Müttersterblichkeit erreicht mit 450 Todesfällen bei 100.000 Geburten einen der weltweit höchsten Werte. Indiz für ein mangelhaftes Gesundheitssystem, vor allem auf dem Land.

Gebremster Reformeifer

Trotz des Booms kann sich auch die Wirtschaft längst nicht entwickeln, wie erhofft. Nach wie vor sind Bürokratie und Korruption verbreitet und bremsen den Fortschritt des Landes. Es fehlt eine straffe Verwaltung, die Privatisierung großer Staatsunternehmen steht aus, und es mangelt an Reformen etwa im Wettbewerbsrecht oder in der Preis- und Tarifpolitik.

Bei der Lösung globaler Umweltprobleme spielt Indien aufgrund seiner Größe eine Schlüsselrolle. Schon um 2020 wird es voraussichtlich die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde sein. Mit allen Folgen: Die Umwelt ist schon heute extrem belastet, der Energieverbrauch nimmt stetig zu. Bereits jetzt ist Indien fünftgrößter Emittent von Kohlendioxyd - mit weiter steigender Tendenz. Der Klimawandel und der Raubbau an der Natur führen zu Wassermangel und Dürren. Die Belastung von Boden und Luft nimmt zu.

Bei der Bewältigung dieser Probleme ist Indien nicht nur auf Kapital, sondern auch auf Know-how angewiesen. Deutschland konzentriert sich in der Zusammenarbeit mit Indien besonders auf die Schwerpunkte Umwelt- und Ressourcenschutz, Energie und Wirtschaftsreformen. Mit ihrem aktuellen Fünfjahresplan für die Zeit von 2007 bis 2012 hat sich die indische Regierung das Ziel gesetzt, das Wachstum noch einmal auf mehr als zehn Prozent jährlich zu beschleunigen, um die Ziele der Millenniumserklärung zu erreichen.

Stand: Juli 2010


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