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Die Armen in den Slums von Mumbai und Kalkutta ahnen kaum, dass am umweltfreundlichen Ausbau des indischen Energiesektors auch ihr Schicksal hängt. Schon heute wird das Wirtschaftswachstum durch Energiemangel gebremst. Zum einen wird zu wenig Strom produziert, zum anderen geht zu viel Strom durch ein ineffizientes und teilweise marodes Leitungsnetz verloren. Der Strommangel hat zur Folge, dass die Industrie längst nicht so wachsen und damit Arbeitsplätze und Einkommen schaffen kann, wie eigentlich möglich.
Derzeit nutzt Indien vor allem Kohle als Energieträger. Kohlekraftwerke machen rund 53 Prozent der Stromerzeugungskapazität aus, was unter anderem die hohe Belastung der Luft vor allem in den Städten erklärt. Weltweit ist Indien inzwischen fünftgrößter Emittent von Kohlendioxid und daher für den globalen Klimaschutz von erheblicher Bedeutung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die indische Regierung umfassende Regelungen zum Schutz der Umwelt geschaffen. Die Umsetzung bleibt jedoch unzureichend.
Das anhaltende Wirtschaftswachstum Indiens ist vor allem dem hoch entwickelten Dienstleistungssektor zuzurechnen (63 Prozent des BIP im Jahr 2009). Der Agrarsektor, dem über die Hälfte der Beschäftigten angehören, erwirtschaftete demgegenüber nur 18 Prozent des BIP. Dies führt dazu, dass ein Drittel der Armen weltweit in der Zweiklassen-Volkswirtschaft Indiens lebt. Die deutsch-indische Zusammenarbeit zielt daher auf strukturelle Wirkungen für eine breitenwirksame wirtschaftliche Entwicklung ab.
Der Wirkungsgrad der indischen Kohlekraftwerke erreicht nur einen Wert von 31 Prozent. Mit der Folge, dass Indien nicht nur erhebliche Rohstoffmengen einsetzen muss, sondern dass auch der Staub- und Schadstoffausstoß erheblich ist. Die Verteilungsnetze sind in marodem Zustand, Verluste summieren sich auf bis zu 35 Prozent der erzeugten Strommenge. Das Stromdefizit beträgt derzeit durchschnittlich 11 Prozent, um die gesamte Stromnachfrage in Spitzenzeiten decken zu können fehlt sogar eine Menge von knapp 14 Prozent - eine Lücke, die sich allein durch eine Sanierung des Stromnetzes schließen ließe.
Deshalb finanziert die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwickung (BMZ) unter anderem den Neubau und die Modernisierung von Kraftwerken. Dabei kann der Kohlendioxid-Ausstoß eines Kraftwerkes zum Beispiel von durchschnittlich 1.100 Gramm pro Kilowattstunde auf 840 Gramm gesenkt werden. Neben dem Stromangebot unterstützt die KfW auch die Erhöhung der Energieeffizienz auf der Nachfrageseite, insbesondere im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie von Gebäuden.
Die installierte Kraftwerksleistung von 147 Gigawatt (GW) liegt nur leicht über der von Deutschland. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist mit jährlich 700 Kilowattstunden (kWh) nur halb so hoch wie in China. Bis 2012 will Indien deshalb seine installierte Stromleistung von knapp 150 auf rund 200 GW erweitern. Deutschland unterstützt Indien auf verschiedenen Gebieten dabei, den Ausbau der Kapazitäten umweltfreundlicher zu gestalten. Über die Finanzinstitution IREDA finanziert die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des BMZ Endkredite, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Dazu gehören unter anderem Windkraft- und Solarenergieanlagen, kleine Wasserkraftwerke, Kraftwärmekopplung und Biomasseprojekte.
Aufgrund der günstigen Lage Indiens legt die deutsch-indische Zusammenarbeit ein besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Stromerzeugung aus Sonnenergie. Derzeit finanziert die KfW eine Studie zum Bau eines solarthermischen Kraftwerks ( Concentrated Solar Power – CSP ), das in ein bestehendes Kraftwerk in Anta das in Rajasthan integriert werden soll. Das Kraftwerk wäre die erste CSP -Anlage in Indien und könnte als Wegbereiter für eine Vielzahl weiterer solarthermischer Kraftwerke sein. Ein eigens angelegtes Technologietransferprogramm der KfW wird Indien in der Zukunft bei der Markteinführung innovativer Solartechnologien unterstützen.
Zudem fördert die KfW Entwicklungsbank in Indien den Ausbau der dezentralen Stromversorgung vor allem in der ländlichen Bevölkerung.
Insbesondere die ländliche Bevölkerung Indiens wird von den Folgen des Klimawandels stark betroffen sein. Teilweise investiert das Land bereits in Programme, um Umweltschäden und Armut zu bekämpfen, doch bleiben große Bevölkerungsteile hierbei vernachlässigt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kombiniert ihr Know-how im Umwelt- und Ressourcenschutz mit finanziellen Mitteln, um hier Hilfe zu leisten. Dabei unterstützt die KfW Entwicklungsbank seit Anfang der 90er Jahre den Sektor „Management natürlicher Ressourcen“. Die EZ-Maßnahmen konzentrieren sich auf Interventionen, die Indiens eigene Entwicklungsanstrengungen stärken, einen Beitrag zur Bekämpfung der ländlichen Armut leisten, der Anpassung an den Klimawandel dienen und auf die Einbindung der Privat- und Finanzwirtschaft in das Ressourcenmanagement abzielen. So setzt die KfW beispielsweise zusammen mit der staatlichen Förderbank NABARD und der GTZ seit 2009 das erste Kreditprogramm für Ressourcenschutz im ländlichen Raum Indiens um. Kleinunternehmer, Dorfgemeinschaften oder lokale Entwicklungsgruppen, die auf der Grundlage natürlicher Ressourcen Geschäftsideen wie Medizinalpflanzennutzung, Imkerei, Fruchtbaumplantagen o. ä. umsetzen wollen, erhalten über dieses Programm vereinfacht kleinere Kredite. Parallel begegnet die finanzielle Zusammenarbeit den wachstumsbedingten Umweltproblemen der indischen Großstädte mit Vorhaben zur Finanzierung umweltgerechter städtischer Infrastruktur.
Insbesondere der armen Bevölkerung sowie kleinen und mittelgroßen Unternehmen auf dem Land fehlt es an Kapital. Bauern fehlt es oft ausreichenden finanziellen Mitteln, um nachhaltig in Maschinen oder Saatgut zu investieren. Sie können auch nicht für schlechte Zeiten sparen. Obwohl etwa 75 Prozent der Inder auf dem Land leben, liegt ihr aggregierter Anteil am Kreditportfolio der indischen Banken bei nur 26 Prozent. Indien führt daher derzeit eine grundlegende Reform des ländlichen Finanzwesens durch, die von der KfW Entwicklungsbank unterstützt wird. Darüber hinaus fördert die KfW Entwicklungsbank die Gründung und das Wachstum von Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) insbesondere in Landesteilen in denen diese bislang kaum vertreten sind und trägt damit dazu bei, dass mehr Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten.
Die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, den sogenannten KMU, bildet einen weiteren Schwerpunkt der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Indien. Obwohl die Kreditvergabe an KMU in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, konzentriert sich die Mehrzahl der Banken noch immer auf Großunternehmen. Für eine breitenwirksame und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ist der KMU-Sektor jedoch von wesentlicher Bedeutung. So spielen wachstumsorientierte KMU sowohl bei der Umsetzung von klima- und umweltrelevanten Maßnahmen als auch bei der Bekämpfung der Armut eine entscheidende Rolle. Nur sie können genügend Arbeitsplätze schaffen, um auch den 485 Millionen Indern Arbeit zu geben, die derzeit von weniger als einem US-Dollar am Tag leben. Deshalb hat die KfW Entwicklungsbank einer indischen Förderbank, die auf Finanzierung für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert ist, Refinanzierungsmittel für die KMU-Finanzierung zugesagt. Im Mittelpunkt steht die Finanzierung von Investitionen, die das Wachstumspotenzial der Unternehmen erhöhen sowie zur Verbesserung des Umwelt- und Klimaschutzes führen.
Stand: Juni 2010