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Sauberes Trinkwasser gibt ein Stückchen Normalität zurück
Von einer geregelten Wasserversorgung können die Menschen in Afghanistan nach wie vor nur träumen. Nicht einmal 20 Prozent der Bevölkerung sind an ein zentrales Trinkwassersystem angeschlossen, in der Hauptstadt Kabul sind es knapp 30 Prozent. Die allermeisten Menschen decken ihren täglichen Bedarf aus Flachbrunnen. Das Problem: Diese Brunnen versalzen schnell, sind häufig mit Bakterien verunreinigt und machen dadurch krank. Deshalb unterstützt die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit das Land seit 2002 dabei, die Bevölkerung mit Trinkwasser besser zu versorgen.
Seit dem Sturz des Tabilan-Regimes ist viel geschehen: In Kabul ging es in einem ersten Schritt zunächst darum, die bereits vorhandene, wenn auch spärliche Infrastruktur – Leitungsnetze, Behälter und Brunnen – wieder instand zu setzen. Nun steht der Aufbau neuer Versorgungssysteme im Vordergrund. 21 neue Brunnen sind bereits gebohrt, eine Vielzahl von Sammel- und Übertragungsleitungen ist verlegt. Auch das Hauptgebäude des lokalen Wasserbetreibers kann bald bezogen werden. Bis 2012, so die weitere Planung, sollen erste Hauptleitungsnetze fertig gestellt sein.
Auch der Norden des Landes profitiert vom Engagement der KfW Entwicklungsbank in der Wasser-Infrastruktur: So kommen die Städte Faizabad, Balkh und Imam Saheeb ebenfalls in den Genuss einer besseren Trinkwasserversorgung. Dafür stellt die KfW Entwicklungsbank insgesamt rund 14 Millionen Euro zur Verfügung. In den nächsten Jahren sollen weitere Städte im Norden Afghanistans hinzukommen.
Zu den Besonderheiten von Vorhaben in Afghanistan zählt nicht nur die prekäre Sicherheitslage, die die Arbeiten vor Ort ins Stocken bringt und einmal gesteckte Terminpläne in Frage stellt. Bereits konzipierte Vorhaben und konkrete Planungen verzögern sich aber auch deshalb, weil die Regierung Grundstücke, auf denen Brunnen gebohrt oder Behälter gebaut werden müssen, nur schleppend bereit stellt, oder weil die Eigentumsverhältnisse unklar sind.
Auch dort, wo das Trinkwasser bereits fließt, muss sich die tägliche Praxis erst noch einspielen: Wie etwa soll der individuelle Wasserverbrauch abgerechnet werden, wenn es nicht möglich ist, einen Wasserzähler im Haus zu installieren, weil der Handwerker einen Blick auf die im Haus unverhüllte Frau erheischen könnte? Und was tun, wenn es an Personal fehlt, um die Wasserzähler abzulesen, weil Ehemänner ihren Frauen nicht erlauben, einen Beruf auszuüben? Die Alternative – Wasserzähler in einem Schacht außerhalb des Grundstücks anzubringen – ist problematisch: In den Schächten sammeln sich Abfall und Unrat, und in der extremen Kälte im Winter frieren zudem die Zähler ein.
Profitieren werden von diesem Programm die Menschen im Norden und vor allem in der Hauptstadt Kabul, wo die Hälfte der etwa drei Millionen Einwohner in den Genuss einer geregelten Wasserversorgung kommen soll. Schon jetzt sind die 400 000 Bewohnerinnen und Bewohner der Städte Herat und Kundus mit deutscher Hilfe an eine moderne Trinkwasserversorgung angeschlossen. Insgesamt hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bisher rund 70 Millionen Euro für die Trinkwasserversorgung in Afghanistan bereit gestellt.
| Land | Afghanistan |
|---|---|
| Sektor / BMZ-Förderbereich | 1402000 - Wasserver- und entsorgung |
| BMZ-Projektnummer | 2006 65 141 |
| Status | in Durchführung |
| FZ-Mittel in Mio. Euro | 34,5 |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | 0,0 |
Stand: Juli 2010