Schlüsselkriterien

Massstäbe und Standards

Die Ex Post-Evaluierung eines Einzelvorhabens bildet den letzten Schritt im Zyklus eines FZ-Projekts. Alle Ex Post-Evaluierungen haben einen einheitlichen methodischen Grundansatz: Die tatsächlichen Projektwirkungen (Ist-Werte) werden systematisch den zum Zeitpunkt der Prüfung erwarteten Projektwirkungen (Soll-Werte) gegenübergestellt.

Allerdings ist in vielen Fällen die fachliche und entwicklungspolitische Diskussion weiter gegangen. Deshalb werden zusätzlich Maßstäbe einbezogen, die aus den aktuellen, sektoralen und übersektoralen Förderkonzepten des BMZ, des Partnerlandes und den allgemeinen entwicklungspolitischen Kriterien und Standards abgeleitet sind. Ausschlaggebend für die Beurteilung ist immer der heutige Stand der Diskussion ("state of the art").

Um die entwicklungspolitische Wirksamkeit eines Vorhabens bewerten zu können, wird es im Hinblick auf fünf Schlüsselkriterien analysiert, auf die sich die internationale Gebergemeinschaft im DAC (Development Assistance Commitee) geeinigt hat: Relevanz, Effektivität, Effizienz, Übergeordnete entwicklungspolitische Wirkungen, Nachhaltigkeit.

Die ersten vier Schlüsselkriterien werden in der KfW zunächst einzeln anhand einer sechsstufigen Bewertungsskala beurteilt. Die Stufen 1 bis 3 kennzeichnen eine "erfolgreiche", die Stufen 4 bis 6 eine "nicht erfolgreiche" Bewertung. Für die Nachhaltigkeit gibt es vier Bewertungsstufen. Die Teilnoten für die fünf Schlüsselkriterien werden anschließend nach einer projektspezifisch festzulegenden Gewichtung zu einer Gesamtnote zusammengefasst. Anhand dieser Gesamtbewertung lässt sich auf den ersten Blick erkennen, ob ein Projekt erfolgreich oder nicht erfolgreich gewesen ist und wie hoch der Projekterfolg eingestuft wird.

Während sich die ersten vier Prüfkriterien auf die tatsächliche Situation zum Zeitpunkt der Evaluierung beziehen, beruht die Einschätzung der Nachhaltigkeit auf Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen weiteren Verlaufs des Vorhabens und den dabei bestehenden Chancen und Risiken.

Relevanz

Mit der Dimension Relevanz wird beurteilt, inwieweit das Vorhaben an einem wichtigen entwicklungspolitischen Engpass ansetzt (entwicklungspolitische Priorität) und ob es eine eindeutige kausale Beziehung zwischen dem Vorhaben und seinen entwicklungspolitischen Zielsetzungen gibt (Validität der Wirkungskette). Zu prüfen ist zudem, inwiefern die Intervention in Einklang mit den (Sektor-) Politiken und Strategien des Kooperationslandes (nationale Pläne, Armutsreduzierungsstrategie) und der Partnerinstitutionen sowie den Zielen und Richtlinien des BMZ und international vereinbarten Standards (internationale Konventionen, Paris Deklaration etc.) steht.

Effektivität

Die Dimension Effektivität beurteilt die tatsächlich eingetretenen Wirkungen eines Vorhabens mit Blick auf den unmittelbaren Nutzen. Die positiv intendierten Wirkungen spiegeln sich in den Projektzielen wider. Damit die Effektivität bewertet werden kann, müssen die Projektziele in konkreten Produktions- und Versorgungsniveaus ausgedrückt und die erwarteten negativen Nebenwirkungen mit akzeptablen Grenzwerten versehen sein. In einem Projekt der kommunalen Wasserversorgung würde das zum Beispiel heißen: Bei Abschluss des Projektes haben 80 Prozent der Einwohner einer Kleinstadt ganzjährig Zugang zu Trinkwasser, wobei in mindestens 95 Prozent der regelmäßigen Wasserproben die WHO-Grenzwerte erfüllt sein müssen. Sofern nicht intendierte (positive/negative) Wirkungen auftreten, werden diese genauso wie die intendierten Wirkungen in die Bewertung der Effektivität einbezogen.

Effizienz

Bei der Dimension Effizienz geht es um die Wirtschaftlichkeit. Hier wird gefragt, inwieweit die Güter und Dienstleistungen sowie die erzielten Wirkungen mit einem angemessenen betriebs- und volkswirtschaftlichen Aufwand produziert oder erreicht werden. Wichtige Kennziffern sind hierfür die einzel- und gesamtwirtschaftlichen Renditen.

Übergeordnete entwicklungspolitische Wirkungen

Über den Projektzielen stehen die so genannten übergeordneten entwicklungspolitischen Wirkungen, also diejenigen Wirkungen, um deretwillen man die Vorhaben primär entwicklungspolitisch gefördert hat. Im Falle eines Wasserversorgungsvorhabens steht hier z.B. nicht der Wasserkonsum der Zielgruppe (direkter Nutzen) im Vordergrund, sondern der durch eine verbesserte Wasserversorgung erreichte Gesundheitseffekt.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist einer der schillerndsten Begriffe in der internationalen entwicklungspolitischen Debatte. Das Kriterium der Nachhaltigkeit wird erfüllt, wenn der Projektträger oder die Zielgruppen in der Lage sind, nach Beendigung der externen finanziellen, organisatorischen oder technischen Unterstützung die Projektaktivitäten eigenständig mit positiven Ergebnissen über eine angemessene Nutzungsdauer weiterzuführen.

Stand: Juli 2011