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Rehabilitierung von Infrastruktur in vom IS befreiten Provinzen im Irak

Wasserentnahme aus dem Tigris
Wasserentnahme aus dem Tigris

Der Irak ist seit Jahrzehnten ein von Kriegen geplagtes Land. Auf den Golfkrieg der 80er Jahre sowie dem anschließendem Zweiten Irakkrieg folgte schon bald der Krieg gegen den Islamischen Staat. Seit der Zerschlagung des IS ist die politische, konfessionelle und territoriale tiefe Spaltung des Landes umso deutlicher hervorgetreten. Hinzu kommt eine tiefe Wirtschaftskrise, die durch die COVID-19-Pandemie und den Verfall der Ölpreise noch verstärkt wurde. Die langfristige Stabilisierung und Entwicklung des Landes hängen auch von der Zukunft der noch immer mehr als 1,2 Mio. Binnenvertriebenen ab (IOM, Dezember 2021). Knapp 5 Mio. Binnenvertriebene sind bereits in ihre Heimatorte zurückgekehrt – das heißt: viel grundlegende Infrastruktur wurde bereits neu gebaut oder rehabilitiert. Dazu leistet auch die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Auswärtigen Amtes einen Beitrag. Schon 2017 vergab die KfW einen Ungebundenen Finanzkredit (UFK) in Höhe von 500 Mio. Euro an die irakische Regierung. Mit diesen Mitteln wurden in den letzten Jahren beispielsweise acht mobile Umspannstationen in und um Mossul wiederaufgebaut, die 140.000 Haushalte, aber auch Krankenhäuser und Schulen versorgen. Auch eine Brücke in der zweitgrößten irakischen Stadt, Mossul, wurde rehabilitiert sowie drei weitere in der Region Niniveh und die Hauptverbindungsstraße von Mossul Richtung Bagdad wird aktuell auf einer Länge von ca. 90 km in Stand gesetzt; Krankenhäuser an drei Standorten werden zusätzlich aufwändig saniert. All das schafft Perspektiven – und Vertrauen in den Staat – für die Geflüchteten und trägt zur Stabilisierung des Landes bei. Alle Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit den irakischen Ministerien geplant und umgesetzt. Eine koordinierende Rolle hat dabei der irakische 'Reconstruction Fund for Areas Affected by Terroristic Operations' (ReFAATO).

Gesundes Wasser – Voraussetzung für ein gesundes Leben

Die Versorgung mit sauberem Wasser ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Kommunen, um angemessene Lebensbedingungen zu schaffen. Während der Zeit nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein und insbesondere während der IS-Besetzung in den letzten Jahren litten die bestehenden Wasserversorgungssysteme unter mangelnder Wartung, fehlenden Ersatzteilen und Chemikalien für die Aufbereitung sowie unter schlechter Betriebsführung aufgrund fehlenden technischen Personals oder sogar in einigen Fällen unter den direkten Auswirkungen militärischer Operationen. Hinzu kommt, dass das Jahr 2021 das zweittrockenste der vergangenen 40 Jahre war - wie Meteorologen melden. Das macht eine nachhaltige Nutzung der raren Wasserreserven umso wichtiger.

Baustelle der Wasseraufbereitungsanlage in Irkeba
Baustelle der Wasseraufbereitungsanlage in Irkeba

In der Region Mossul / Nineveh leidet die Bevölkerung Berichten zufolge an typischen durch Wasser übertragenen Krankheiten – das hält die Binnenvertriebenen davon ab, in die Region zurückzukehren. 45 Mio. EUR aus dem UFK werden für eine Wasserkomponente mit „Quick-Win-Maßnahmen“ insgesamt investiert. Damit sollen die Trinkwasserversorgung und die sanitären Bedingungen in den befreiten Gebieten in der Region Niniveh verbessert werden. Die Investitionen umfassen Wasserfassungen, Wasseraufbereitungsanlagen, Übertragungsleitungen und Reservoirs. Außerdem werden Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeuge für die Abwasser- und Wasserbehörden in Niniveh beschafft, damit sie die nötigen Reparaturarbeiten an Netzen und Anlagen durchführen können, außerdem Reinigungsarbeiten am Kanalnetz im schwer betroffenen Mossul.

Wasserentnahme aus dem Tigris – Nähe Mosul
Wasserentnahme aus dem Tigris – Nähe Mossul

An mehreren Standorten werden insgesamt 23 Wasseraufbereitungsanlagen installiert, einige von ihnen sind fast fertiggestellt und werden voraussichtlich im April in Betrieb genommen. Bislang wird „Rohwasser“ unbehandelt aus dem Tigris entnommen und ohne Desinfektion in die Verteilungssysteme gepumpt. Die Folge: die Bevölkerung leidet an typischen, durch Wasser übertragenen Krankheiten, vor allem Durchfallerkrankungen. Nach Fertigstellung werden voraussichtlich 240.800 Menschen von einer direkten und sicheren Wasserversorgung profitieren, weitere 20.000 bis 30.000 werden mit Tankfahrzeugen versorgt.

„Die Verbesserung der Wasserversorgung wird ein Faktor für die weitere Rückkehr von Geflüchteten und Vertriebenen in ihre Heimatorte sein“, sagt Lena Pohl, in der KfW Entwicklungsbank zuständig für die Wasserkomponente des Programms. „Familien kehren eher zurück, wenn sie wissen, dass sie an ihrem Wohnort mit sicherem Wasser versorgt werden“.